Seitdem Giordano Bruno die Vermutung ausgesprochen hatte, die Fixsterne seien andere Sonnen im grenzenlosen Raum und sie gehörten nicht dem Milchstraßensystem, sondern anderen Welten – außergalaktischen Sternsystemen sagen wir heute – an, ist dieser Gedanke nicht mehr untergegangen. Diese Modernität brachte ihn im Jahre 1600 auf den Scheiterhaufen; und es sollte noch manchen Streit geben, bis entschieden war, ob alle astronomischen Objekte innerhalb der Milchstraße lägen. Erst 1924, sieben Jahre nachdem das 2,5-Meter-Teleskop auf dem Mount Wilson fertiggestellt wurde, fiel die Entscheidung: Mit diesem Instrument gelang es, einige Spiralnebel zum Teil in Einzelsterne aufzulösen. Dabei zeigte sich, daß der Andromedanebel nicht, wie bisher gemessen, 20, sondern 700 000 Lichtjahre von uns entfernt ist. Viele Milliarden von Einzelsternen wurden sichtbar. Damit war auch erstmalig und endgültig entschieden, daß der Nebel außerhalb der Grenzen unseres Milchstraßensystems liegt. In den folgenden Jahren wurden immer mehr kleine Nebel als ferne Weltinseln erkannt. Die moderne astronomische Forschung entwarf eine völlig neue Topographie des Weltgebäudes. Darüber berichtet der Heidelberger Astrophysiker:

Heinrich Vogt: „Das astronomische Weltbild der Gegenwart.“ Morus-Verlag, Berlin. 104 Seiten mit 74 Abbildungen, Halbleinen 7,40 DM.

In allgemeinverständlicher Weise und mit der Frische und Lebendigkeit eines Mannes, der aus einer langjährigen Praxis berichtet, schildert Vogt Aufbau, Entstehung und Entwicklung des Kosmos. Auch der naturwissenchaftliche Laie ist zu dieser grandiosen Entdeckungsfahrt eingeladen, denn mathematische Kenntnisse werden nicht vorausgesetzt.

Auf 100 Seiten, durch ein Sachregister bereichert, kommen hier nicht nur Dinge der Welt, sondern auch echte Probleme des Menschen zur Sprache. Indirekt und direkt geht es nicht nur um Atome, Sterne und Gaskugeln, sondern um Sinn und Ordnung, um das Geheimnis des Universums, dem der Mensch – je weiter er mit Riesenteleskopen in den Raum hinausdrang – mehr denn je begegnet ist. Und es wird am Ende der Lektüre die ebenso banale wie fundamentale Selbsterkenntnis sichtbar: Der Mensch ist jenes labile Wesen – und dadurch zeichnet er sich vor aller anderen Schöpfung aus –, das ständig im Angesicht seiner Grenzen zu leben verurteilt ist. Wir sind immer im Diesseits und reflektieren immer das Jenseits – auch in der Astronomie. l. n.