J. P., Aachen

Leer blieb das langstielige Netz, mit dem ein von der Aachener Stadtverwaltung ausgeschickter Taubenfänger die Stadt von den liebestollen und zänkischen Symbolen des Friedens und der Zärtlichkeit säubern sollte. Die Aachener fanden einen solchen Vertrauensbruch – erst füttern, dann fangen – unfein, und jedesmal wenn der Taubenjäger zur Tat schreiten wollte, scheuchten sie die zum Netz Verurteilten hoch in die Luft.

Es steht zu befürchten, daß man sich im Aachener Rathaus durch einen ersten Fehlschlag nicht entmutigen lassen wird. Der mit der Säuberungsaktion „befaßte“ mittlere Beamte wird mit deutscher Gründlichkeit ein anderes Stratagem zum selben Zweck konzipieren. Aber es ist noch Zeit, daran zu denken, daß die Taube ein nahezu unentbehrliches Requisit des Fremdenverkehrs ist. Die meisten Besucher der meisten Städte fühlen erfahrungsgemäß das Bedürfnis, mit irgend etwas photographiert zu werden. Nun könnten sie sich in Aachen zwar – mehr noch als in den meisten anderen Städten – mit den Zeugnissen der großen Vergangenheit der Kaiserstadt, gewissermaßen mit Karl dem Großen persönlich, knipsen lassen, und das sollte ihnen genügen. Dennoch kann stadtväterliches Wohlwollen nicht übersehen, daß es Leute gibt, die sich nun einmal lieber mit Tauben als mit Karl dem Großen photographieren lassen.