Die Neigung, sich gegen alle im privaten und wirtschaftlichen Leben vorkommenden Risiken zu versichern, wächst beständig. Nutznießer sind die Versicherungsgesellschaften, die mit ihrem steigenden Prämienaufkommen einen großen Teil des Kapitalbedarfs der Industrie decken und dadurch selbstverständlich zu einem Immer größeren Einfluß auf den Gesamtwirtschaftsablauf kommen. Ein Beispiel, daß man sich seiner Stärke zwar bewußt ist, aber dabei die zwangsläufig zugefallene Verantwortung nicht außer acht läßt, gibt der Bericht der Gerling-Konzern Spezial Kreditversicherungs-AG, Köln, für 1955, in dem die Zurückhaltung begründet wird, der in der Teilzahlungsversicherung geübt wurde, obwohl hier ein besonders lebhaftes Versicherungsbedürfnis bestand. Die Verwaltung vertritt die Auffassung, daß der Teilzahlungskauf, auch wenn er In Deutschland noch nicht den gleichen Umfang erreicht hat wie z. B. in den USA, in einem angemessenen Verhältnis zum Gesamtumsatz der Wirtschaft stehen sollte. Die hier und auch bei anderen Stellen erkennbare freiwillige Beschränkung des Teilzahlungswesens dürfte wesentlich wirkungsvoller sein als das jetzt in Vorbereitung befindliche Teilzahlungsgesetz, das in vielen Fällen offene Türen einrennen wird.

Eine weiteres Arbeitsgebiet der „Gerling-Speziale“ ist die – Vertrauensshadenversicherung. Ihr Volumen hat sich in 1955 vervierfacht (!). Beeinflußt durch die zunehmenden Unterschlagungen und Veruntreuungen zeigten Wirtschaft und Behörden für diese Sparte ein lebhaftes Interesse. Die Kautionsversicherung, die in der Steigerung an der Spitze aller Kreditversicherungsgebiete stand, kann als Spiegelbild für den erhöhten Umsatz an verbrauchersteuerpflichtigen Genußmitteln gelten. Daneben fand die erhöhte Bautätigkeit, die eine starke Nachfrage nach Lieferungs- und Leistungskautionen im Gefolge hatte, hier sichtbaren Ausdruck. In der Warenkreditversicherung wird zunehmend Schutz vor Insolvenzen gesucht und es ist ein beruhigendes Zeichen, daß die Wirtschaft auch in den Zeiten der Hochkonjunktur die Möglichkeit von Rückschlägen einkalkuliert. Nach Stärkung der Rücklagen zahlt die ,,Gerling-Speziale“ eine Dividende von 9 v. H. für 1955.

Die beiden Lebensversicherungen im Gerling-Konzern, die „Gerling-Konzern Lebensversicherungs-AG“ und die „Friedrich Wilhelm Magdeburger Lebensversicherungs-AG Friedrich Wilhelm“ haben in den Berichtsjahren 1954 bzw. 1955 ihre Versicherungsbestände weiter ausbauen können. Wegen der guten Erträge geschah die Vermögensanlage in Schuldscheindarlehen und in Wertpapieren.

Gerling-Leben schüttet für 1954 eine Dividende von 8 v. H., Friedrich Wilhelm für 1955 ebenfalls eine solche von 8 v. H. aus.

Die „Friedrich Wilhelm Magdeburger Versicherungs-AG Alte Magdeburger“ stellt in ihrem Geschäftsbericht für 1955 fest, daß das Ergebnis der Kraftverkehrs-Haftpflichtversicherung wieder unbefriedigend war. Hier ist die Lage also nicht anders, wie auch bei anderen Gesellschaften, die – obgleich sie sich von schlechten Risiken getrennt haben – immer noch in dieser Sparte mit einem Minus abschließen. Der Gesamtüberschuß der Alten Magdeburger wurde zur Stärkung des Eigenkapitals benutzt.

Die „Gerling-Konzern Rückversicherungs-AG“ kam in den Transport-, Feuer- und sonstigen Versicherungszweigen zu Überschüssen, während die Unfall-, Haftpflicht- und Kraftverkehrs-Versicherung auch hier zu wünschen übrig ließ. Die Aktionäre erhalten 9 v. H. Dividende.