Die überraschend schnelle Unterbringung der Bosch-Anleihe hat die Befürchtungen bestätigt, die die Leitung der Württ. Girozentrale – Württ. Landeskommunalbank – Stuttgart, bei der Vorlage des Jahresberichts für 1955 aussprach: daß nämlich die wenigen am Kapitalmarkt zur Verfügung stehenden Mittel von attraktiv ausgestatteten Industrieanleihen vollständig aufgenommen würden und für die Kommunalobligationen, die mit diesen Zinssätzen nicht mithalten kannten, nichts mehr übrig bleibe. Die Verwaltung der Girozentrale beziffert den derzeitigen Kapitalbedarf der württembergischen Gemeinden ohne die Energieversorgung auf rund 250 Mill. DM, wofür die Girozentrale nur 5 Mill. DM zur Verfügung stellen könne. Dies mache zwar noch nicht in diesem Jahr, aber bestimmt im nächsten eine erhebliche Kürzung der geplanten Bauvorhaben der Kommunen notwendig. Eine kleine Hoffnung auf eine Milderung dieser für die Kommunen ungünstigen Kapitalmarktlage setzt das Institut aber noch in die geplante Steuersenkung.

In 1955 konnten die Württ. Girozentrale und die dem Württ. Sparkassen- und Giroverband angehörenden Sparkassen Württembergs ihren langfristigen Kommunalkredit noch um 113,2 auf 307,7 Mill. DM erheben, nachdem sie ihn 1954 um 82,5 Mill. DM steigern konnten. Dieses Ergebnis war vor allem durch eine weitere Zunahme der Spareinlagen möglich, die 1955 bei Ausschaltung der hauptsächlich in das Jahr 1954 fallenden Altsparerentschädigung und der mit Beginn 1955 eingetretenen Änderung im steuerbegünstigten Sparen fast so hoch war wie im Jahr zuvor. Erstmals hat dabei der Spareinlagenbestand in Württemberg mit 1,2 Mrd. DM die Milliardengrenze überschritten bei etwas mehr als 2 Mill. Sparkonten. Mit Befriedigung stellt dazu der Verband fest, daß nach Deckung des Nachholbedarfs die Bereitschaft zum Sparen für die Zukunft gewachsen sei.

Die Württ. Girozentrale konnte 1955 ihre langfristigen Ausleihungen gegen Kommunaldeckung von 187,8 auf 297,9 Mill. DM noch stärker als 1954 erhöhen und ihre langfristigen Ausleihungen insgesamt um 129,7 auf 359,8 Mill. DM verstärken. Die Debitoren nahmen auf 211,63 (204,40) Mill. DM zu. Aus dem Gewinn von 2,39 (2,13) Mill. DM, der bei einem Zinsüberschuß 15,99 (14,65) Mill. DM verbleibt, werden das Betriebskapital von 10,95 Mill. DM wieder mit 5 v. H. verzinst und 1,83 (1,57) Mill. DM den Rücklagen zugewiesen. C. B.