Nachdem die Phrix-Werke AG, Hamburg, in den letzten Jahren auf ihren Hauptversammlungen ihren Aktionären reichlichen Stoff für langwierige Auseinandersetzungen bieten konnte, zeigt die Vorlage des Geschäftsberichts 1955, daß die turbulenten Zeiten jetzt vorbei sind. Im Berichtsjahr wurden endlich die Voraussetzungen für einen vernünftigen Konzernaufbau geschaffen, durch den die Phrix ihren Charakter als reine Holding verloren hat und durch die Fusion mit der Chemie-Faser AG, Siegburg, und der Rheinische Kunstseide AG, Krefeld, zur Produktionsgesellschaft geworden ist. Ob bei der Phrix noch Überraschungen zu erwarten sind, läßt sich zuverlässig weder mit Nein noch mit Ja beantworten. Sicher ist, daß an der Börse von einer Seite, die ihren Schleier noch nicht gelüftet hat, namhafte Beträge an Phrix-Aktien aufgenommen wurden. Dadurch liegt der Kurs mit etwa 139 v. H. auf einer Höhe, die sich allein durch die Dividende von 5 v. H. (für 1955) nicht rechtfertigen läßt. Vielleicht bringt die auf den 28. August einberufene HV über diesen Punkt einige Klarheit. Völlig im Dunkeln schwebt noch die leidige Dörr-Affäre, bei der die gerichtliche Klärung der Anklagepunkte immer noch aussteht. Offensichtlich ist die Materie so unübersichtlich und kompliziert, daß kein Gericht allzugroße Neigung hat, dieses zweifellos heiße Eisen anzufassen. Geht der noch nicht begonnene Dörr-Prozeß den gleichen Weg wie der Strafprozeß gegen das frühere Vorstandsmitglied Dr. Grom? Der Grom-Prozeß mußte unterbrochen werden, seither hört man nichts mehr von einer erneuten Anklage.

Diese gerichtlichen Auseinandersetzungen dürften die Phrix-Werke jedoch heute nur noch am Rande berühren, wenngleich bei einem Prozeß gegen den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Dr. Dörr noch Dinge zur Sprache kommen können, die für manche Angehörigen des Konzerns und des (ehemaligen) Aufsichtsrates nicht gerade angenehm sein werden. Für den Phrix-Aktionär sind diese Dinge weniger interessant als die Bilanz für 1955, die einen gesunden Eindruck macht, obgleich in ihr noch manche „Sünden der Vergangenheit“ sichtbar werden. Die Auswirkungen der Konzernvereinfachung, die der jetzige Vorstandsvorsitzende Michael Zahn auf der vorjährigen HV ankündigte, können sich erst in den kommenden Jahren zeigen. Dann wird es sich allerdings auch herausstellen, inwieweit und o b der Konzern durch die Unruhe der leisten Jahre gegenüber der Konkurrenz ins Hintertreffen geraten ist.

Der Aufbau eines gesunden Konzerngefüges kann nur den Sinn haben, die Rentabilität zu verbessern. Daß dies noch ein wunder Punkt bei der Phrix ist, läßt sich unschwer der Gewinn- und Verlustrechnung entnehmen, denn der Rohüberschuß von 49,2 Mill. DM würde – stellt man ihm die entsprechenden Aufwendungsposten gegenüber – nicht zur Ausschüttung einer 5prozentigen Dividende ausgereicht haben. Von den ao-Erträgen von 6,3 Mill. DM entfallen 4,59 auf den Nettogewinn aus der Verwertung eigener Aktien und rund 0,65 auf zurückgeführte, früher entfremdete Vermögenswerte sowie rund 0,3 Mill. auf Schadensersatzleistungen aus Regreßansprüchen. Die Beteiligungserträge von 3,8 Mill. gehen auf die Gewinnausschüttungen der Chemie-Faser AG und der Cellulosefabrik Okriftel GmbH zurück, die künftig nicht mehr gesondert ausgewiesen werden. Diesen in der Hauptsache einmaligen Erträgen von 10,1 Mill. stehen einmalige (erkennbare) Ausgaben von 8,2 Mill, DM gegenüber. Der zur Verfügung stehende Unterschiedsbetrag hat also erst die Ausschüttung einer Dividende ermöglicht.

Wo die Rentabilitätsschwierigkeiten liegen, hat der Vorstand in seinem Bericht angedeutet: Die Exporterlöse zeigen eine stetig sinkende Tendenz. 1955 waren sie nur teilweise befriedigend (der Anteil des Exports am Gesamtumsatz von 258 Mill. DM macht 17 v. H. aus). Hinzu kommt, daß bei ständig steigenden Kosten die Preisrentabilität im Inland starken Belastungen ausgesetzt ist, die noch durch einen von der allgemeinen Marktlage ausgehenden möglichen Preisdruck verschärft werden können. Diese Situation wird die Befriedigung über die im ganzen erfreulichen Produktionszahlen überschatten.

Mit der Übernahme von Siegburg, Krefeld und Okriftel hat die Phrix-Bilanz ein völlig neues Gesicht bekommen, so daß sich ein Vergleich mit dem Zahlenwerk von 1954 erübrigt. Mit den drei Kapitalerhöhungen um insgesamt 20 Mill. auf 55 Mill. DM wurde nicht nur die Fusion mit den drei genannten Töchtern ermöglicht, sondern gleichzeitig ein liquideres Bilanzbild geschaffen. In der zusammengefaßten Phrix-Bilanz für 1955 (eingeschlossen die Organgesellschaften Phrix GmbH, Toq Handels-GmbH, Cellulosefabrik Okriftel. Verkaufs-GmbH und Viskovita-Hygiene-Erzeugnisse GmbH) ergibt sich ein Anlagevermögen von 64.3 Mill. Es wird zunächst teilweise gedeckt durch „eigene Mittel“ von 60.7 Mill., der Rest wird aus den langfristigen Darlehen und Pensionsrückstellungen von 14,6 Mill. finanziert, die gleichzeitig noch ein Viertel des beachtlichen Vorratsvermögens von 41,3 Mill. stützen.

In dem Bericht des Phrix-Vorstandes findet sich leider kein Hinweis, der über eine weitere Tilgung der aus dem Stillhalteabkommen stammenden Bankschulden Auskunft gibt. Die gesamten Stillhalte- und Uberbrückungskredite machten einmal 49,6 Mill. DM aus. Bis zum 31. 12. 54 wurden sie bis auf 16,2 Mill vermindert. Am 31. 12. 55 werden die Bankschulden noch mit 12.2 Mill. angegeben, davon sind 10.1 Mill. durch Grundschulden gesichert. In diesen Verbindlichkeiten dürften nicht nur Restbestände der Stillhalteschulden, sondern doch wohl auch laufende Geschäftskredite enthalten sein. Deutet der grundbuchlich gesicherte Betrag in etwa die noch vorhandene Stillhalteschuld an? Vielleicht wird auf der HV darüber Auskunft zu erlangen sein. K. W.

Die HV der Wayss & Freytag AG, Frankfurt, genehmigte einstimmig den Abschluß für 1955 und beschloß, aus dem Reingewinn von 0,44 (0,39) Mill. DM eine Dividende von 10 (8) v. H. auszuschütten. Wie der Vorstand mitteilte, hat sich das laufende Geschäftsjahr bisher weiterhin gut angelassen. Der Auftragsbestand lasse wieder ein befriedigendes Ergebnis erwarten. An Stelle des verstorbenen Bankdir. Dr. Walter Schmidt (Süddeutsche Bank) wurde der bereits durch das Amtsgericht bestellte Bankdir. Hermann Koenigs vom gleichen Institut neu in den AR gewählt. Außerdem trat für den aus Gesundheitsrücksichten ausscheidenden Generaldir. Dr.-Ing. Wilhelm Roelen Duisburg-Hamborn, der Vorstandsvorsitzende der Phoenix-Rheinrohr AG, Düsseldorf. Dr. Fritz-Aurel Goergen, neu in den AR ein. sk