Die oHV der Gelsenkirchener Bergwerks-AG, Essen, hatte ein gutes Niveau. Die Anfragen der Aktionäre, einmal durch Dr. Will, den Hauptgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft der Schutzvereinigungen für Wertpapierbesitz, zum anderen durch Professor Dr. Meilicke, als Anwalt von Hermann D. Krages, vertreten, waren präzise und sehr umfangreich. Die Verwaltung antwortete, soweit eine Beantwortung im Geschäftsinteresse nur irgendwie zumutbar war, ebenfalls vielseitig und ohne Umschweife. Wenn dennoch bei der Entlastung von Vorstand und AR Hermann D. Krages mit seinen 86,9 Mill. DM GBAG-Aktien nein sagte, so nur, um sich für einige Spezialfälle notfalls ein juristisches Türchen offen zu halten.

Auf der oHV, die den Abschluß für 1955 mit 6 v. H. Dividende auf das alte AK von 388 Mill. DM gegen 2154 Stimmen bei einer Präsenz von 409 040 700 DM (AK 485 Mill. DM) oder 4 090 407 Stimmen genehmigte und die Entlastung gegen 870 413 Stimmen, davon 869 000 Krages, aussprach, wurde von der Verwaltung auf das Bukett von mehreren Dutzend Einzelfragen folgendes geantwortet:

Der Kaufpreis für die von Krages seinerzeit erworbenen 4,328 Mill. DM Aktien der Erin Bergbau AG betrug 500 v. H. oder 21,6 Mill. DM. Er wurde bezahlt mit 6 Mill. DM GBAG-Aktien zu 165 v. H. oder 9,9 Mill. DM; der Rest von 11,7 Mill. DM in bar. Auf alle angekauften •Erin-Aktien erfolgten bis zum 31. 12. 1955 Abschreibungen von 19,4 Mill. DM. Auch die an die August Thyssen-Hütte gelieferten Aktien waren vorher abgeschrieben. Die ATH hatte von GBAG 5,3 Mill. DM Erin-Aktien (23 v. H. des Erin-AK’s) zum Kurse von 249 v. H. erhalten. Bei der GBAG liegen noch 7,8 Mill. DM (34 v. H. des AK’s) Erin-Aktien, die mit 349 v. H. = 27,1 Mill. DM bilanziert seien. Die GBAG könne^später die Erin-Aktien von ATH zurückerwerben, wobei sich ATH verpflichtet hat, diese zu Ihrem Einstandskurs zurückzugeben. Von der Kreditzusage der GBAG an ATH, die noch aus der Zeit der Entflechtung und des freiwilligen Verzichtes der ATH auf die wertvolle bei GBAG verbliebene Zeche Lohberg stamme, sei inzwischen in gewissem Umfang Gebrauch gemacht worden.

Weiterhin war zu hören, daß von der Kapitalerhöhunj im März 1956 über 97 Mill. DM nur 30,1 Mill. DM neue Aktien gezeichnet worden seien. Die Bankengemeinschalt habe alle anfallenden Bezugsrechte voll aufgenommen Dabei lag der Durchschnittskurs für die Bezugsrechte über den nachweisbaren Durchschnittswert. Die Kosten der Kapitalerhöhung einschl. Steuer hätten sich auf 4,5 Mill. DM belaufen. In der GBAG-Bilanz seien vorläufig noch keine Erin-Gewinne enthalten. Gewinne aus der Kokerei Alma würden in der Bilanz der Tochter Rheinelbe Bergbau AG verbucht.

Zur Geschäftslage war zu hören, daß sich Kohleförderung und Kokserzeugung, Kohlenwertstoff- und Energieproduktion, das Treibstoffgeschäft und das Handelsgeschäft weiter gut entwickeln und daß für das laufende Geschäftsjahr mit einer Erhöhung der diesjährigen Dividende gerechnet werden könne. Das Unternehmen schätze, daß die deutsche Wirtschaft im Jahre 1961 einen Mehrbedarf an Steinkohle von 19 Mill. t haben werde. Wenn die GBAG ihren bisherigen Anteil von 15 v. H. halten wolle, müsse sie bis zum Jahre 1960 jährlich rund 2,8 Mill. t mehr fördern. Zur Zeit fehlen den Zechen der Gruppe rund 3000 zusätzliche Hauer, die allein im Jahre rund 2 Mill. t Kohle fördern könnten. Die Kapazität der GBAG sei aus Arbeitskräftemangel nur zu 87 v. H. ausgenutzt.

Aus diesem Grunde bereiten auch die Pläne der Arbeitszeitverkürzung bei gleichzeitiger Lohnerhöhung schwere Sorgen für die Zukunft. Empfindliche Preiserhöhungen würden bei Realisierung des Sozialprogramms für den Bergmann unumgänglich notwendig sein.

Die Deckung des Investitionsbedarfs der Gruppe in Höhe von rund 850 Mill. DM in den nächsten fünf Jahren werde zu etwa 500 Mill. DM aus Abschreibungen, ferner aus Mittein der letzten Kapitalerhöhung möglich sein. Darüber hinaus werde man zu gegebener Zeit langfristige Anleihen zu einem annehmbaren Zinssatz herausbringen. Die Rückverflechtungspläne seien vorläufig zugunsten der Investitionsprogramme zurückgestellt worden. rlt.