Wie in den Vorjahren kam es auch jetzt wieder auf der HV der Ferd. Rückforth Nachf. AG, Siegburg, zu einer mehrstündigen Debatte zwischen Opposition und Verwaltung. Der Abschluß ist erneut dividendenlos; für die im Besitz des Mehrheitsaktionärs (Familie Müller-Rückforth) befindlichen Vorzugsaktien werden 28 v. H. Dividende für sieben Jahre nachgezahlt. Die Opposition wies darauf hin, daß die Dividendenlosigkeit der Stammaktien bei der Gesellschaft geradezu Tradition ist. Seit ihrer Gründung im Jahre 1912 erhielten die Stammaktien insgesamt lediglich eine Dividende von 13 v. H. Dieser Fall dürfte in der Geschichte des deutschen Aktienwesens einzig dastehen.

Die Verwaltung ließ ihre freien Aktionäre über den Grund im dunkeln, der zum Verkauf eines Teiles der Beteiligung an Winkelhausen geführt hat. Wenn die Liquidität tatsächlich zu einem solchen Schritt gezwungen hat, dann grüßte die Bilanz wohl anders aussehen. So wie sie vorgelegt wurde, macht sie einen recht flüssigen Eindruck. Im übrigen verweigerte die Verwaltung die Beantwortung einer Reihe von Fragen, über die von der Opposition Aufklärung verlangt wurde. Auch diese Haltung überrascht nicht weiter, denn beim Landgericht Bonn läuft ohnehin schon eine Klage wegen Auskunftsverweigerung ...

Bei der Wahl des AR kam die Opposition ebenfalls nicht zum Zuge, denn ihr Antrag, auch einen Vertreter der außenstehenden Aktionäre in das Gremium aufzunehmen, wurde abgelehnt. Der AR besteht in seiner bisherigen Zusammensetzung weiter. Die Opposition stimmte gegen die Gewinnverteilung, gegen die Entlastung des Vorstandes und des AR und gegen die Wiederwahl des AR sowie des Wirtschaftsprüfers. Außerdem wurde Protest zu Protokoll gegeben. Auf der HV waren 55 v. H. des vertretenen AK für den Mehrheitsaktionär, die Opposition vertrat 11 v. H. des Kapitals, während die Banken, die knapp 10 v. H. vertraten, auf gemeinsamen Beschluß sich der Stimme enthielten. E.

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Bei der Scheidemandel-Motard-Werke AG, Berlin-Spandau, wird es für die Aktionäre kein Bezugsrecht geben, denn die Mittel aus der Kapitalerhöhung (um 1 Mill. auf 8,2 Mill. DM), die jetzt von der oHV in Hamburg beschlossen wurde, sollen zur Übernahme eines im Interessengebiet der Gesellschaft liegenden Unternehmens dienen. Für 1955 zahlt Scheidemandel eine auf 9 (3) v. H. erhöhte Dividende. Seit der Währungsreform sind in den Betrieben etwa 8 Mill. DM neu investiert worden. Davon kamen 5,5 Mill. aus Abschreibungen und 2,5 Mill. aus eigenen Mitteln. Langfristige Kredite wurden nicht aufgenommen.