Von Kurt W. Streit

Niemand in der westlichen Welt hatte noch vor Jahresfrist erwartet, daß die USA als langjährige Verfechterin konservativer Verkehrsflugzeugkonstruktionen mit der Douglas DC 8 mit einem Schlage den Rekord aller Rekorde im Flugzeuggeschäft erringen würde. Noch niemals wurde ein Flugzeug ohne auch nur existierenden Prototyp schon vom Reißbrett weg in mehr als 120 Exemplaren von den führenden Luftverkehrsgesellschaften der Welt bestellt. Bei der Douglas DC 8 geschah dieses Wunder!

Das ist ein großer Vertrauensbeweis für die amerikanische Flugzeugindustrie und für die Douglas Aircraft Corporation im besonderen. Denn nach der bedauerlichen Unglücksserie, die Englands unbestrittenen Pionierleistungen in der Entwicklung und Konstruktion des COMET-I als erstem Düsenverkehrsflugzeug der Welt so raschen Einhalt gebot, hatte sich doch die Skepsis weit verbreitet, daß die Zeit für den wirklichen Einsatz des reinen Düsenverkehrsflugzeuges mit Geschwindigkeiten nahe Mach 1 (= Schallgeschwindigkeit) noch nicht reif sei.

Nun stellt sich die Douglas DC 8 als einer der kommenden Langstreckengiganten, die den Weltluftverkehr revolutionieren sollen, mit allen errechneten Daten auf dem Reißbrett vor und offenbart eine Vielfalt von Einsatzmöglichkeiten:

Mit zwei verschiedenen Triebwerkausrüstungen wird das Flugzeug für den amerikanischen Inlandverkehr angeboten. Einmal, für etwas geringere Reichweite und wirtschaftlicheren Einsatz (Betriebskosten je Flugkilometer 0,95 Dollar) mit vier Pratt & Whitney JT-3-Triebwerken und einer Reichweite (mit Reserve) von rund 5700 Kilometern, und zum anderen mit Pratt & Whitney JT-4-Triebwerken – die etwas stärker sind als die JT-3-Motoren – für eine Reichweite (mit Reserve) von rund 6500 Kilometern. Die Platzzahl der für den US-Inlandsverkehr bestimmten DC 8 schwankt zwischen 118–122 im Ersterklassedienst und 144 im Touristendienst. Das bedeutet ein um 60 v. H. höheres Platzangebot bei doppelter Reisegeschwindigkeit als heute allgemein üblich.

Die für Strecken von Kontinent zu Kontinent vorgesehene DC 8 (die also auch nonstop über den Nordatlantik fliegt) wird ebenfalls mit zwei verschiedenen Trieb Werkausrüstungen angeboten: einmal mit Pratt & Whitney JT-4 Turbinen und schließlich – ebenfalls zum erstenmal in der Geschichte des amerikanischen Verkehrsflugzeugbaues – mit britischen Rolls-Royce „Conway“, die heute als die leistungsstärksten und gleichzeitig wirtschaftlichsten Turbinentriebwerke angesehen werden müssen, die die Flugmotorenindustrie zu bieten hat. Zusätzlich aber besitzt die interkontinentale DC 8 verstärkte Flächenholme, die eine Erhöhung der Treibstoffmenge um fast 20 000 Liter auf insgesamt 82137 Liter und damit natürlich auch ein höheres Startgewicht (über 130 Tonnen) erlauben. Ganz neuartig bei der DC 8 ist das lenkbare Doppel-Tandem-Hauptfahrwerk. Jeweils die hintere Radgruppe läßt sich vom Cockpit aus synchrom mit dem Bugrad steuern.

Schließlich wird die allen Ausführungen gemeinsame Reisegeschwindigkeit in über 9000 Meter Höhe zwischen 885 und 930 Stundenkilometern liegen, was den Ansatz einer durchschnittlichen Reisezeit etwa zwischen New York und Frankfurt am Main von knapp sieben Stunden erlaubt. Der erste Nonstopflug von Frankfurt nach New York wurde kürzlich mit einer Boing 7-120 in zehn Stunden bewältigt.