Das Schiffspfandbriefgeschäft ist noch relativ jung in Deutschland; die ersten Schiffshypothekenbanken nahmen erst nach dem ersten Weltkrieg bei uns ihre Arbeit auf, nachdem in anderen europäischen Ländern schon gute Erfahrungen auf diesem Gebiet gesammelt worden waren. Wenn der Absatz an Schiffspfandbriefen nach der Währungsreform sich nicht in dem für die Schiffahrt wünschenswerten Ausmaß ausweiten ließ, dann hat das zwei Gründe. Einmal lag es natürlich an dem allgemein unergiebigen Kapitalmarkt und zum anderen an der Scheu des privaten Sparers vor einem Papier, das er irrtümlich für risikoreicher hält als den normalen Hypothekenpfandbrief der Realkreditinstitute. „Ein Schiff kann verlorengehen!“ – in dieser Auffassung gipfelt gewöhnlich das Mißtrauen gegenüber dem Schiffspfandbrief. Dabei wird jedoch übersehen, daß der Pfandbrief nicht mit einem bestimmten Schiff unmittelbar verbunden, sondern das Risiko auf eine Vielzahl von See- und Flußschiffen verteilt ist, und außerdem der Verlust in jedem Fall durch entsprechende Versicherungen gedeckt wird.

Aber warum ist der Zinssatz normalerweise um 1 v. H. höher als bei den normalen Pfandbriefen? Ist das nicht doch eine Risikoprämie? Zu diesem Punkt gab kürzlich der Vorstand der Deutsche Schiffsbeleihungs-Bank AG, Hamburg, eine einleuchtende Erklärung: Risikoprämie nicht, aber Einführungspreis! DerSchiffspfandbrief ist noch ein verhältnismäßig junges Papier, das seinen Platz bei den Sparern erst erobern muß. Der höhere Zinssatz kann deshalb bewilligt werden, weil viele Bedenken, welche die Realkreditinstitute gegenüber einem höheren Zinssatz (teuere Hypotheken, höhere Mieten usw.) haben, bei den Schiffsbanken in Fortfall kommen; In der Schiffahrt ergibt sich in normalen. Zeiten eine bessere Verzinsung als beim Haus- und Grundbesitz. Daß die Reedereien auch bereit sind, das höhere Zinsrisiko einzugehen, zeigen die beträchtlichen Schuldscheindarlehenverträge, die direkt mit den Kapitalsammelstellen abgeschlossen sind und deren Zinssatz sich nach den gegenwärtigen Marktbedingungen richtet.

Aus diesem Grunde sollte es auch den Schiffsbanken am ehesten möglich sein, die Zinssätze ihrer Papiere den heutigen Marktkonditionen anzupassen. Der Schiffspfandbrief ist zwar mündelsicher und deckungsstockfähig, aber der Hauptanreiz liegt für den privaten Sparer doch in einer möglichst hohen Rendite. Sie und in Verbindung damit eine steuerliche Vergünstigung bei der Zeichnung könnten den Absatz wesentlich fördern. Die Gespräche um eine Herabsetzung der Sperrfrist auf drei Jahre beim Ersterwerb, wenn eine Steuervergünstigung in Anspruch genommen wird, sind also in besonderem Maße auch für die Schiffsbanken von Bedeutung. Aber nicht nur für die Banken selbst, sondern vielmehr noch für die Reeder, die immer mehr auf die klassischen Finanzierungsmethoden angewiesen sind, nachdem die Finanzierungshilfe des Bundes und der Länder an Bedeutung verliert. Während die ersten deutschen Schiffe nach dem Kriege fast nur unter Verwendung öffentlicher Mittel gebaut werden konnten, wird nunmehr an den Reeder verstärkt die Forderung gerichtet, Eigenkapital bereitzustellen oder Fremdmittel aufzunehmen. d.t.