Die Abschlüsse der Warenhaus – Aktiengesellschaften standen bis 1954 im Zeichen kräftiger Zunahme der Verschuldungen, weil der Ausbau der Geschäfte und die Steigerung der Umsätze durch die damit verbundene Vermehrung der Lagervorräte ständig hohe finanzielle Anforderungen stellten, die nicht aus der eigenen Ertragskraft gedeckt werden konnten. Wenn allerdings die gesamten Einnahmen bei den Warenhäusern verblieben wären, dann hätte die finanzielle Hilfe Dritter ganz erheblich kleiner sein können. Aber die Warenhausgesellschaften haben bis 1954 die größeren Teile der tatsächlich erreichten Reingewinne als 7er-Kredite ausgeliehen, um sie zunächst vor der hohen steuerlichen Belastung in Sichterheit zu bringen. Statt dessen mußten in fast gleicher Höhe fremde Kredite zur Deckung des eigenen Bedarfs hereingenommen werden. Bis zu 76 Mill. DM, d. s. etwa 70 v. H. der Aktienkapitalien der vier großen Warenhausgesellschaften, sind die Kredite ausgedehnt worden. Ende 1954 war damit Schluß, und die Spannung war berechtigt, die nun den Warenhausabschlüssen für 1955 entgegengebracht wurde, weil dieses Ventil zur Steuerentlastung fortfiel.

Die Abschlüsse für 1955 liegen nun vor, und sie haben geradezu einen Millionen-Wirbel in den Bilanzzahlen der Warenhäuser erkennen lassen, der eine weitgehende Umdrehung des Verhältnisses von Eigenkapital zum Gesamtkapital hervorgerufen hat. Während das Eigenkapital von 28 auf 35 v. H. des Gesamtkapitals angestiegen ist, wurden die Fremdkapitalien von 46 auf 37 v. H. des Gesamtkapitals heruntergedrückt und die Rückstellungen sowie Wertberichtigungen (weitgehend als Eigenkapital, das z. T. allerdings noch durch die Steuermühle gedreht werden muß) sind ebenfalls gestiegen, und zwar von 26 auf 28 v. H. Einer Steigerung der Eigenkapitalien von 152 auf 202 Mill. DM sowie der Rückstellungen und Wertberichtigungen von 142 auf 157 Mill. DM steht eine Senkung der Verpflichtungen von 249 auf 206 Mill. DM gegenüber. Diese finanzielle Entlastung wurde erreicht, obwohl man 27 Mill. DM mehr Anlagen ausweisen konnte und die Vorräte um fast 15 Mill. DM angestiegen sind, aber darüber hinaus auch die Kassenbestände und Bankguthaben um 25 Mill. DM erhöhte.

Der Millionen-Wirbel ist allerdings nicht dem günstigen Jahresergebnis zu verdanken, sondern es sind hier einige Finanztransaktionen hinzugekommen, die auch hohe stille Reserven aus den voraufgegangenen Jahren offenlegte und zu der Verschiebung der Kapitallage beigetragen haben. Da sind zunächst die Kapitalerhöhungen von Kaufhof um 22,20 Mill. DM und der Wehag um 2 Mill. DM. Aber die gesamten Zunahmen der freien Rücklagen überspielen die Kapitalerhöhungen noch etwas. Kaufhof hat die jungen Aktien zu 110 V. H. begeben, aber gleichzeitig eine freie Spitze von 3,30 Mill. DM zu einem Durchschnittskurs von etwa 287 v. H. verkauft, was insgesamt nach Abzug der Kosten einen Buchgewinn von 6 Mill. DM einbrachte. Weitere 4,8 Mill. DM wurden aus dem Reingewinn zurückgestellt, die hauptsächlich aus zurückgezahlten 7er-Krediten nach Abzug der Steuer stammen. Bei allen Warenhäusern sind noch weitere 68 Mill. DM solcher Kredite zurückzuerwarten, die bei Aufrechterhaltung des gegenwärtigen Körperschaftssteuergesetzes nach Abzug der Steuer weitere 37 Mill. DM in die Kassen der Gesellschaften bringen werden, oder mehr, sofern neue Abschreibungsmöglichkeiten anderswo gefunden werden, welche die Steuerlast der rücklaufenden 7er-Kredite ermäßigen. Karstadt steigerte die Rücklagen um 3,2 Mill. DM aus Wertberichtigungen bei Beteiligungen und um 2,8 Mill. DM Buchgewinnen bei der Regelung alter Valutaverpflichtungen. Köster konnte 8,6 Mill. DM den Rücklagen zuweisen, die bisher als stille Reserven in den Teilzahlungsforderungen steckten und jetzt bei Übertragung dieser Forderungen an die Öffentlichkeit traten, wobei der Betrag aber in die Kassen der Gesellschaft geflossen ist.

Von der Rücklagensteigerung um fast 26 Mill. DM stammt also nichts aus dem jahresertrag, sondern mit über 13 Mill. DM wurden die Gewinne früherer Jahre aktiv, und insgesamt sind über 20 Mill. DM tatsächlich in die Kassen der Gesellschaften geflossen. Da außerdem etwa 22 Mill. DM in die Rückstellungen gingen, ergibtsich bei einem Gesamtkapital der Gesellschaften für Ende 1954 von insgesamt 106,80 Mill. DM ein Zufluß an Barmitteln von 86,60 Mill. DM. Wenn hiervon auch noch etliche Millionen DM bald an die Finanzämter abgegeben werden müssen, so bleiben die Mittel zum Abbau der Verpflichtungen und zur Finanzierung deslaufenden Geschäftes doch sehr beachtlich. Noch eine weitere Finanztransaktion hat zur Bewegung dieser Millionen beigetragen, indem Köster, wie erwähnt, seine Teilzahlungskredite auf eine Tochtergesellschaft übertrug, wodurch die Außenstände um 49 Mill. DM ermäßigt wurden, die also ebenfalls in die Kasse zurückgeflossen sind und zur finanziellen Entlastung beigetragen hab i. Hier liegen die Quellen, aus denen der Geldstrom stammt, mit welchem man die Wechselverpflichtungen um 27 Mill. DM und die Bankverpflichtungen um 34 Mill. DM abbaute, während man gleichzeitig die Bankguthaben um 25 Mill. DM erhöhte sowie 14 Mill. DM mehr Vorräte und 27 Mill. mehr Anlagen finanzierte.

Gegenüber diesen Veränderungen in den Bilanzen sind diejenigen in den Erfolgsrechnungen fast liliputa nerhaft. Die Betriebserträge sind um etwa 32 Mill. DM gestiegen, d. s. 8 v. H. der vorjährigen Betriebserträge, verglichen mit den 16- bzw. 24prozentigen Umsatzsteigerungen nicht sehr viel. Die Steigerung der Löhne und Gehälter ist sogar noch etwas größer gewesen, sie ist einschl. der Erhöhung der sozialen Abgaben noch um 4.5 Mill. DM größer als die Steigerung der Betriebserträge. Außerdem hatte man noch 6,6 Mill. DM mehr Steuern zu bezahlen, obwohl der Körperschaftssteuersatz von 60 auf 45 v. H. zurückgegangen ist. Das Aufleben der stillen Reserven dürfte dabei wesentlich mitgewirkt haben. Ihre Zurückhaltung war ein gutes Geschäft, selbst wenn für einige Millionen Bankzinsen gezahlt werden mußten. Nachdem man durch Abschreibungen von 7er-Krediten keinen Gebrauch mehr machen konnte, wurden die Abschreibungen auf Anlagen um 60 v. H. gesteigert, wobei aber der Übergang zur degressiven Abschreibungsmethode zunächst für mindestens einen Teil der verlorenen Abschreibungsmöglichkeiten einen Ausgleich brachte. So lagen insgesamt die Abschreibungen um 7 Mill. DM niedriger als im Vorjahr, also fast genausoviel, wie die Steuern gestiegen sind. Da die sonstigen Aufwendungen unverändert sind, bliebe eigentlich bei den Gesellschaften ein Betriebsverlust durch die Erhöhungen der Löhne und Gehälter einschl. Sozialabgaben von 4,5 Mill. DM, aber die zahlreichen Buchgewinne hatten eine Steigerung der sonstigen Erträge um 17,5 Mill. DM gebracht, so daß die buchmäßig ausgewiesenen Reingewinne immer noch um 13 Mill. DM gestiegen sind. Allerdings ist die Sache mit dem Betriebsverlust, der aus Buchgewinnen gedeckt worden ist, nicht allzu ernst zu nehmen, denn in diesem Millionen-Wirbel können schon irgendwo die 11 Mill. DM hinausgeschleudert werden, die für die Zahlung einer 10prozentigen Dividende bei den größten beiden Gesellschaften notwendig sind. Das Warenhausgeschäft ist nach wie vor sehr ertragsreich, aber wenn man die Bewegungen der 7er-Kredite in die ausgewiesenen Reinerfolge einbezieht, dann kann man sich nicht des Eindrucks erwehren, daß es in den letzten Jahren noch lukrativer (auf den Umsatz bezogen) gewesen ist. Dr. G. Pl.