In unserer Ausgabe vom 14. Juni hatten wir unter dem Titel „Meister Antons Arche Noah“ u. a. über einen Diskussionsbeitrag berichtet, den Sonderminister Dr. Schäfer zur Freudenstädter Tagung der Gesellschaft für Versicherungswissenschaft und -gestaltung beigesteuert hatte. Mittlerweile ist (im Erich Schmidt Verlag, Bielefeld) der Tagungsbericht (unter dem Titel „Individual- und Sozialversicherung als Mittel der Vorsorge“) erschienen. Danach hat Minister Schäfer man vergleiche S. 70 – wörtlich folgende wirtschaftshistorische Konzeption entwickelt:

„Wir haben in Deutschland privilegierte Schichten, die viel Schulden machen, große Schuldner. Das sind oft gleichzeitig die Leute, die weitgehend die Kaufkraft des Geldes bestimmen; und zwar können sie sowohl die Preise erhöhen als auch gleichzeitig mit Hilfe von entwertetem Geld, dessen, Entwertung auf ihren Preiserhöhungen beruht, ihre Schulden nachher tilgen. Und von da kommen die entscheidenden Inflationsanreize, meine Damen und Herren ... Wenn Sie Kaufkraftverluste der Zahlungsmittel bekämpfen wollen, dann müssen Sie auch die Anreize beseitigen, die dadurch entstehen, daß zwischen der Abwälzung auf den Abnehmer über den Preis und der Rückwälzung über Rohstoffpreise oder Löhne eine gewisse Übergangsphase besteht, und daß in dieser Phase mit Erfolg von denen, die Schulden machen, und die gleichzeitig wirtschaftliche Einflüsse haben, an der Lohnpreisschraube gedreht wird. Das ist das Faktum, das Sie seit ungefähr sechzig, siebzig Jahren beobachten können.“

Unsere Wiedergabe dieser Ausführungen lautete:

„Kollege Schäfer also sieht die ökonomische Entwicklung der letzten 60 oder 70 Jahr? in einem relativ einheitlichen Prozeß wie folgt ablaufen: es gibt eine Anzahl von schlechten und bösartigen Leuten, die man, in marxistischer Terminologie, als Großkapitalisten bezeichnen könnte. Sie haben in unserer Wirtschaftsordnung das Privileg, sich hoch zu verschulden und mit dem geliehenen Geld ihre Produktionsstätten auszubauen; sie verkaufen ihre Ware zu überhöhten Preisen, setzen derart die Preis-Lohn-Spirale in Gang und können dann mit dem so entwerteten Geld leicht ihre Schulden tilgen.“

Offenbar sehr unzufrieden mit der Publizität, die wir damit seinen Ausführungen gegeben haben, sendet uns Minister Schäfer nun unter dem Datum des 21. Juli den Durchschlag eines an den Verlag August Lutzeyer gerichteten Briefes, in dem es heißt, daß in der von dem genannten Verlag herausgegebenen Zeitschrift „Arbeit und Sozialpolitik“ ein Aufsatz der ZEIT zitiert worden sei, der seine – des Herrn Ministers – Ausführungen „offensichtlich mißverständlich“ wiedergebe. Dazu wird „berichtigend“ gesagt:

„Zwar ist es eine Binsenwahrheit, daß der Kaufkraftschwund der vergangenen Jahrzehnte nicht nur Verluste für den Sparer brachte, sondern auch Gewinne für die Schuldner... Niemals jedoch habe ich behauptet, daß die Aufnahme von Schulden jemals in der Absicht erfolgte oder auch nur sinnvoller Weise hätte erfolgen können, aus der Aufnahme dieser Schulden Gewinne zu Lasten der Sparer zu erzielen. Eine solche Unterstellung muß ich energisch von mir weisen.“

Was von dieser Berichtigung zu halten ist, mögen unsere Leser selber entscheiden: wir bitten sie nur, noch einmal im Text des Stenogramms nachzulesen, was Herr Minister Schäfer über die „entscheidenden Intflationsanreize“ gesagt hat, und über jene, „die Schulden machen und die gleichzeitig wirtschaftliche Einflüsse haben“, und von denen „mit Erfolg an der Lohn-Preis-Schraube gedreht wird“. Wenn Dr. Schäfer jetzt (nachträglich!) jenen „privilegierten Schichten“ attestieren möchte, daß sie nicht wissen, was sie tun und somit in aller Unschuld ihr „Privileg“ ausüben, aus der Währungsverschlechterung Nutzen zu ziehen – dann wirkt das mehr erheiternd als überzeugend.