Aus der Überfülle sommerlicher Wiederholungen und allzu leichter Kost ragten in dieser Woche gleich zwei Sendungen heraus, die sich durch Witz und Charme auszeichnen. Sie zeigten, daß die schwere Kunst der heiteren Muse, pflegt man sie mit behutsamer Hand, auch heute geübt werden kann, vorausgesetzt, es findet sich neben dem einfallsprühenden Autor eine Equipe Sprecherinnen und Sprecher, die das Nichts an Handlung mit allen Nuancen des Schwebenden würzen und dennoch menschlich warme Empfindungen durchschimmern lassen. Gertrud Kückelmann, Hannelore Schroth und Evy Gotthardt gelang diese seltene Kunst gleichsam auf Anhieb. Ihre Partner Hans Quest, Jürgen Goslar und Hanns Lothar sekundierten die weibliche Eloquenz mit männlicher Gelassenheit. Jacques Devals graziöses Lustspiel „Die Kammerjungfer“ (WDR, Donnerstag, 16. August, 20.40 Uhr) gab in der eigenwillig-versierten Hörspielfassung Carl Dietrich Carls ausgiebig Anlaß zu vergnüglichem Schmunzeln. Die uralte und ewig neue Verwechslungskomödie, die Raoul Wolfgang Schnell souverän und wissentlich in Szene gesetzt hatte, entließ den aufmerksamen Hörer bei aller Anmut nachdenklich.

Doch wie der Zufall spielt – bereits der nächste Abend brachte den Hörern des norddeutschen Raumes ein zweites funkisches Geschenk: Max Gundermanns „Einsilbige Schwätzerin“ (Freitag, 17. August, 20.30 Uhr vom NDR, 2. Programm). Die formale Strenge des spritzigen französischen Komödienschreibers ersetzt der deutsche Funkautor durch munter aneinandergereihte, farbenreiche Dialoge, deren parodistische Seitenhiebe Kurt Hübners gute Regie trefflich herausarbeitete.

Wir werden sehen:

Sonnabend, 25. August, 20. 00 Uhr: Das Berliner literarische Kabarett „Die Stachelschweine“ mußte sein Münchner Gastspiel um mehr als drei Wochen verlängern; so begeistert wurde es in der bayerischen Hauptstadt aufgenommen. Das Fernsehen überträgt das geistsprühende Programm „1001 Macht“.

Dienstag, 28. August, 20.00 Uhr: Zu Goethes Geburtstag eine Gedenksendung vom Hessischen Fernsehen. Dem „Prolog“ folgt 20.10 Uhr ein Fernsehfilm über das Goethehaus in Frankfurt unter dem Titel „Das Haus am Hirschgraben“. Das Drehbuch stammt von Rudolf Krämer-Badoni, Regie hat Curt Oertel. 20. 50 Uhr ein Bericht vom Empfang des Freien Deutschen Hochstiftes im Goethehaus. 21. 10 Uhr findet eine Fernsehaufführung des Schäferspiels „Die Laune des Verliebten“ statt. Regie führt Werner Düggelin.

Wir werden hören:

Donnerstag, 23. August, 23.15 Uhr vom SWF: