Aus Nassers spektakulärer Rede in Alexandrien, in der er die Verstaatlichung der Suezkanal-Gesellschaft verkündete, wurde – in allen Sprachen der Welt – ein Passus immer wieder zitiert: „Unser ist der Suezkanal. Er ist von Ägyptern gebaut worden, und hundertundzwanzigtausend Ägypter starben dabei. Die Gewinne der Gesellschaft werden wir benutzen, um den Assuan-Damm zu bauen. Er wird auf den Schädeln jener 120 000 errichtet werden.“

Nun bestreitet niemand, daß im vorigen Jahrhundert beim Bau dieses Kanals viele tausend Menschen ums Leben gekommen sind. Entschieden bestritten indes wird die von Nasser angegebene Zahl. Sie ist ganz offenbar um ein Vielfaches zu hoch, und böse Zungen behaupten sogar, Nasser habe sie frei erfunden.

Daß er sie nicht frei erfunden, sondern aus verläßlicher Quelle bezogen hat – dafür gibt das folgende Zitat unzweideutig Kunde: „Die Länge (des Kanals) beträgt eine Fahrt von vier Tagen... das Wasser fällt aus dem Nilstrom in den Kanal, und zwar nicht weit über der Stadt Bubastis: bei der arabischen Stadt Patum aber geht er in das Erythräische Meer. Man durchgrub zuerst die ägyptische Fläche, welche an Arabien stößt. Weiter hinauf stößt an diese Fläche ein Gebirge, welches sich bis nach Memphis erstreckt... Hundertundzwanzigtausend Ägypter, welche unter dem König Nekos daran gruben, kamen dabei um. Nekos aber ließ das Werk endlich liegen, indem ihn ein göttlicher Ausspruch darin unterbrach, wodurch ihm angedeutet wurde, daß er einem Barbaren zu gut arbeite. Die Ägypter nennen alle die, welche nicht einerlei Sprache mit ihnen haben, Barbaren.“ So schreibt Herodot im 2. Buch, Abschnittt 149 der Neun Bücher der Geschichte.

Bleibt nur nachzutragen, daß Nekos, der König der Ägypter, um 700 v. Chr. regierte ... H.G.