So neu, wie es der Öffentlichkeit der Welt erscheint, ist die Sorge um den Suezkanal ja nun nicht. Erstaunlich neu allerdings ist die Rolle, die Sowjetrußland in diesem Schaustück spielt. Schon auf der Potsdamer Konferenz der „Großen Drei“ fiel das Stichwort Suez.

Anlaß war damals die bittere Klage Stalins über das „Meerengen-Abkommen“ von Montreux, das der Türkei gestattet, die Zugänge zum Schwarzen Meer nicht nur im Kriege, sondern auch bei drohender Kriegsgefahr zu blockieren. Der damalige Präsident der Vereinigten Staaten, Harry S. Truman, erklärte: „Allerdings, die Meerengen, sollten eine freie Wasserstraße sein, die der ganzen Welt offensteht!“ Ja, er regte sogar an, alle derartigen Wasserstraßen sollten den Schiffen aller Nationen zur Verfügung stehen.

Der britische Ministerpräsident Winston Churchill beschränkte sich auf die Feststellung, auch er sei für eine Revision des Abkommens von Montreux. Hier nun schaltete sich damals der russische Außenminister Molotow in das Gespräch ein mit der Frage: „Heißt dies, daß es für alle Schiffe auch den freien Zugang zum Suezkanal geben solle?“ Churchill: „Der Suezkanal ist in Kriegs- und Friedenszeiten für alle offen!“ Molotow, den diese Antwort offenbar nicht befriedigte, stellte nunmehr die präzise Frage, ob der Suezkanal unter die gleiche internationale Kontrolle kommen werde, wie sie für die Meerengen vorgeschlagen wurde? In seinen „Erinnerungen“ schildert Präsident Truman das nun folgende Gespräch:

Churchill: „Diese Frage ist in den bisherigen Gesprächen nicht gestellt worden.“ –

Molotow: „Dann stelle ich sie hiermit. Wenn es eine so gute Regelung ist, warum soll sie dann nicht auch auf den Suezkanal angewendet werden?“ –

Churchill: „Die Engländer haben ein Arrangement, mit dem sie zufrieden sind.“ –

Molotow: „Über dieses Arrangement gibt es viele Beschwerden. Sie sollten einmal die Ägypter fragen.“