Mit Brutalität müsse gegen die Halbstarken vorgegangen werden, verkündet Bayerns Innenminister Geislhöringer. Die Wehrpflicht solle als Lösung für das Problem der Halbstarken propagiert werden, unterstellt SPD-Pressechef Heine. Die Bundeswehr sei keine Anstalt für schwer erziehbare Jugendliche, kontert CDU-Geschäftsführer Heck. Kriegsdienstverweigerer seien entweder Kommunisten oder Feiglinge, erschien dem Generalmajor Herrmann als zitierenswerte Meinung einer anonymen, aber „hochangesehenen“ Persönlichkeit des öffentlichen Lebens. Zur Kriegsdienstverweigerung gehöre mehr Mut als zum Wehrdienst, entgegnet Falken-Vorsitzender Westphal.

Was soll das alles? Sagt denn in Deutschland niemand: Manchen Jugendlichen gegenüber sind strenge Maßnahmen unvermeidlich – Den Willen zur Verteidigungsbereitschaft neu beleben, ist auch eine erzieherische Aufgabe – Unter bestimmten nicht immer anzutreffenden Voraussetzungen entspringt die Verweigerung des Wehrdienstes höchst achtbaren ethischen Beweggründen? Es wäre schlimm, wenn eine hektische Zeit nur noch in wildgewordenen Extremen und unsinnigen Verallgemeinerungen (die leicht schon in das Wort „Halbstarke“ gelegt werden) zu denken vermöchte!

Das ist aber gar nicht so. Nur stehen auf den Flügeln wortgewaltige Burschen mit mächtiger Akustik, während die Vernunft sich mit dezenten und viel weniger publizistisch-wirksamen Richtigstellungen begnügt. Was unserem öffentlichen Leben fehlt, ist die aktive Kompromißbereitschaft, die militante Toleranz, die radikale Mitte. Leo