g. e., München

Zu den modernsten Schöpfungen der modernen Zeit gehört ein hektischer Erwerbsbetrieb. Gesundheit ist vielfach weniger gefragt als Zusatzlohn. Überstundengelder und Mehrgewinn.

Wir fahren immer schneller, aber kommen immer später nach Hause. Für Entspannung und Erholung fehlt die Zeit. Man zieht die therapeutische Notbremse in Form von Tablettenröhrchen und Pillenschachteln, um den geistigen und körperlichen Akkumulator wieder aufzufrischen.

Von solchen Mitteln angetrieben, erreichte auch die „Werbekolonne Etz“ aus Regensburg Monatsprovisionen bis zu tausend Mark. In einem Volkswagenbus rollte diese Gruppe junger Menschen beider Geschlechter durch ganz Bayern und warb Abonnenten für eine Zeitschrift.

Von dem kriegsversehrten Kolonnenführer, der sich seine ständigen Kopfschmerzen mit Eucodal-Injektionen verjagte, lernten sie, was Rauschgift ist. Anfänglich nahmen sie das Gift aus Neugierde, später mit Lust, und dann ging es ohne diese Opiate überhaupt nicht mehr.

Jetzt standen diese jungen Menschen, zusammen mit einigen leichtfertigen Ärzten, die den Süchtigen die Rauschgifte zu Überpreisen verkauft hatten, in Amberg (Oberpfalz) vor Gericht. Wie ein roter Faden ließ sich der Weg dieser Kolonne an Hand der bei der Polizei eingelaufenen Diebstahls- und Betrugsanzeigen durch ganz Bayern verfolgen.