Der Wiederaufbau einer sich immer inniger verflechtenden Weltwirtschaft hängt entscheidend davon ab, inwieweit es gelingt, das Vertrauen für die Anlage von Kapitalien außerhalb der Grenzen des eigenen Landen wieder zu begründen. Solange jedermann befürchten muß, daß sein draußen in der Welt angelegtes Vermögen schutzlos dem Zugriff fremder Regierungen ausgesetzt ist, zeigt zumindest der Privatmann keine Neigung, Kapital im Auslande anzulegen.

Die Furcht vor Sozialisierungsmaßnahmen und vor der Rechtsunsicherheit im Auslande ist mehr als die strengsten Devisenvorschriften geeignet, dem Gedanken der Liberalisierung des Handels und dem freien Fluß der Kapitalströme entgegenzuwirken. Deshalb gehen die Bestrebungen der westlichen Welt dahin, eine neue Rechtssicherheit für das Privateigentum außerhalb der Grenzen des eigenen Landes zu begründen. Neue Wege müssen gefunden werden, seitdem, wie die Auseinandersetzungen um den Suezkanal zur Genüge beweisen, auch die englische Flotte sich nicht mehr in der Lage sieht, die Funktion eines Gerichtsvollziehers der kapitalistischen Mächte zu übernehmen. An die Stelle von Machtdemonstrationen muß die Solidarität der Gläubiger treten, nicht anders, wie dies in der Rechtsgemeinschaft eines jeden zivilisierten Staates seit alters her der Fall ist.

Böswillige Schuldner und die mit Enteignungsmaßnahmen liebäugelnden Regierungen müssen sich darüber im klaren sein, daß sie überall in der Welt ihren Kredit verlieren und damit die Basis ihrer Existenz zerstören. Voraussetzung hierfür aber ist, daß die westliche Welt im eigenen Hause zuerst einmal das Prinzip der Unverletzlichkeit des privaten Eigentums aufs neue fest begründet und selbst von Sozialisierungsmaßnahmen und Beschlagnahmen privater Vermögen Abstand nimmt. Vor allem aber ist es notwendig, daß die Eigentümer von Auslandsvermögen und die Gläubiger, die Interessen jenseits der Grenzen zu verteidigen haben, sich solidarisch fühlen. Sie sollten jedes Unrecht, das einem anderen angetan wird, so empfinden, als ob es ihnen selbst geschehen wäre. Der Staat, der fremdes Eigentum nicht respektiert, muß wissen, daß er und seine Bürger damit in aller Welt ihren Kredit verlieren.

Soweit aber sind wir noch längst nicht. Wie schwer es ist, solchen Gedanken und Überlegungen allgemeine Geltung zu verschaffen, zeigt zur Genüge der Streit um die Rückgabe des deutschen Auslandsvermögens in den USA, der heute in den Staaten die Gemüter nicht minder heftig bewegt wie in Deutschland selbst. Daß es sich hierbei nicht um einen ideologischen Streit oder gar um das Aushandeln von Vermögensvorteilen handelt, sondern daß es dabei um die Existenzgrundlagen der alten Welt geht, hat der Suez-Konflikt für jedermann erkennbar werden lassen.

Man beruft sich nämlich jetzt in Kairo auf das Recht des souveränen Staates, über das im Lande gelegene Eigentum willkürlich befinden zu dürfen, wenn dies notwendig erscheint, um die Welt nach dem eigenen Bild gestalten zu können.

Und England und Frankreich reagierten genauso, wie es die arabische Welt offenbar in Rechnung gestellt hatte, nämlich mit einer militärischen Demonstration, deren Sinnlosigkeit vom ersten Augenblick an offenbar war, Weil sie eine Solidarität der Gläubiger und Eigentümer behindern mußte.

Eine umfassende militärische Allianz war damit nicht zu erreichen, weil heute die Welt in der Macht kein Instrument der Ordnung mehr erblickt. Die Geschäftsleute aber ziehen sich dort zurück, wo die Macht am Ruder ist, weil sie im Vertrag, in der Übereinstimmung des freien Willens, also im konträren Gegenteil, die Lösung suchen müssen. Von ihrer Solidarität war daher auch nicht ein Deut zu spüren, obwohl sie notwendiger ist als je zuvor. Mars und Merkur können nun einmal nicht zu gleicher Zeit regieren. Wenn Europa und Amerika zusammen nicht stark genug sind, mit militärischer Kraft ihre Position in der Welt zu sichern und wenn sie überdies nicht den Willen haben, die Periode des Kolonialismus zu verteidigen, weil sie dies für sinnlos und mit den Erfordernissen unserer Zeit nicht mehr für vereinbar halten, dann bleibt nichts anderes übrig, als eine echte Partnerschaft mit der wieder nach vorne drängenden Welt des Ostens zu suchen. Partnerschaft aber geht von dem Gedanken der Gleichberechtigung und der Übereinstimmung der Rechtsauffassung aus.