G., Athen, im August

Griechenland hat in den letzten Jahren seinen Tabakanbau ständig erweitert, die Produktion erhöht und den Export gesteigert. Hierzu trug nicht zuletzt die wieder steigende Beliebtheit des Orienttabaks in der Bundesrepublik bei, da im vergangenen Jahr auf Westdeutschland schätzungsweise ein Drittel des griechischen Tabakexports entfiel.

Obwohl die Ausfuhraussichten für die Tabakernte 1956 keineswegs als ungünstig angesehen werden können – die deutschen Importe lassen keine rückläufige Entwicklung erkennen, Frankreichs Käufe nehmen stark zu und die Ostblockstaaten bekunden großes Interesse –, sieht das griechische Anbauprogramm eine Beschränkung zwischen 5 und 10 v. H. vor. Hierfür dürften verschiedene Gründe maßgeblich sein.

Der Tabak-Weltmarkt steht unter dem Druck erheblicher amerikanischer Bestände, deren verstärktes Erscheinen zu verbilligten Preisen man 1956/57 erwartet. 1955 wurde die griechische Anbaufläche um 20 v. H. erweitert und eine Produktion von fast 80 000 t erreicht, die in der Tabakgeschichte Griechenlands nur einmal – 1936 – überschritten worden ist. Man befürchtet, daß nach dem Abschluß der jetzt vor sich gehenden Verkäufe erhebliche Restbestände verbleiben werden. Die Türkei ist Griechenlands scharfer Tabakkonkurrent. Die Tabakpolitiker in Athen richteten deshalb von je her ihr Hauptaugenmerk auf die Verbesserung der Qualität der Tabake. Der Riesensprung im Tabakanbau von 1954 auf 1955 muß durch entsprechende Maßnahmen in der Qualität konsolidiert werden. Dazu soll der Ausweitungsstopp dienen. Und die Preisentwicklung? Sicher dürfte man in Griechenland darauf abzielen, den Pflanzer in Anbetracht der Angebotslage vor einem Preiseinbruch zu schützen...