DGB-Führer bei Adenauer: Die Reihe der prominenten Besucher auf Bühler Höhe, dem Urlaubssitz des Bundeskanzlers, wurde durch eine Gruppe von Gewerkschaftsvertretern fortgesetzt, der unter anderem der DGB-Vorsitzende Freitag sowie der Vorsitzende der IG-Metall, Brenner, angehörten. Das Gespräch berührte, so hört man, wieder einmal die Frage der Schaffung eines Bundeswirtschaftsrates – ein Projekt, mit dem die Gewerkschaften, aber auch der Kanzler (sehr zum Mißfallen seines eigenen Wirtschaftsministers) schon seit Jahren liebäugeln.

KPD verboten: Fast fünf. Jahre, nachdem der damalige Bundesinnenminister Dr. Lehr einen Verbotsantrag gegen die KPD beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe eingereicht hatte, fällte der erste Strafsenat jetzt seinen Spruch: „Die Kommunistische Partei ist verfassungswidrig und wird aufgelöst.“ Unmittelbar nach der Verkündung des Urteils begannen im gesamten Bundesgebiet Polizeiaktionen gegen die kommunistischen Parteibüros.

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Suez-Frage noch offen: Auf der Londoner Konferenz, die zunächst unter dem Zeichen großer Verständigungsbereitschaft zu stehen schien, wurde am Anfang der Woche ein toter Punkt erreicht. US-Außenminister Dulles hatte, statt der umstrittenen „internationalen Kontrolle“, die Einsetzung eines „Suez-Kanal-Amtes“ vorgeschlagen, das für Betrieb, Instandhaltung und Ausbau des Kanals verantwortlich sein soll. Der Gegenvorschlag des indischen Außenministers Menon sieht dagegen die Schaltung einer Körperschaft vor, die ausschließlich beratende Funktionen haben soll. Während Dulles betonte, sein Vorschlag enthielte das größtmögliche Entgegenkommen der Westmächte, nannte Menon diesen Vorschlag „für Ägypten völlig unannehmbar“. Bei Redaktionsschluß ist noch nicht abzusehen, inwieweit die vielen Sonderbesprechungen, die im Rahmen und am Rande der Londoner Konferenz stattgefunden haben, einer möglichen Kompromißlösung den Weg ebnen konnten.

Waffenruhe auf Zypern: Nach monatelangem erbittertem Kleinkrieg zeichnet sich auf der Insel Zypern durch das Waffenstillstandsangebot der zyprischen Widerstandsbewegung „EOKA“ endlich die Möglichkeit einer Entspannung ab. Nach einer Obergangsperiode, in der man sich von der Ernsthaftigkeit des Waffenstillstandsangebots überzeugen wolle, könnten, wie der Gouverneur der Insel, Sir John Harding, erklärte, alle Sicherheitsbestimmungen aufgehoben und neue Verhandlungen über die Selbstverwaltung Zyperns eingeleitet werden. Angeblich erwägt die britische Regierung, den verbannten Erzbischof Makarios zu diesen Verhandlungen nach London zu holen.

Stevenson blieb Sieger: Mit großer Mehrheit, im letzten Wahlgang sogar mit Einstimmigkeit, nominierte der Nationalkonvent der Demokratischen Partei zum zweitenmal Adlai Stevenson zum demokratischen Präsidentschaftskandidaten. Diese Entscheidung Ist besonders darum bedeutungsvoll, weil mit Stevensons Sieg über seinen von Expräsident Truman leidenschaftlich gestützten Hauptrivalen Harriman gleichzeitig der gemäßigte Parteiflügel, der zu einer Art konservativem Liberalismus hinneigt, über die „Alten“ in der Partei“, die Verfechter des New Deal und des Fair Deal, die Oberhand gewann. Zum Kandidaten für die Vizepräsidentschaft wurde der Senator von Tennessee, Estes Kefauver, nominiert.