• DIE ZEIT: Jahrgang 1956

  • Einzelausgaben, nach Datum sortiert:

  • Ausgabe 1956/01

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    • Mein Freund Adenauer

      Es ist dieselbe Stadt, die uns geprägt hat: Köln, Hier spricht man leichthin aus, was man denkt, womöglich mit einfachen Worten, am liebsten mit einem Scherz, mag die Pointe auch oft für einen Witz nicht ausreichen.

    • Frankreichs Wahlkatastrophe

      Die Auszählung der Wahlresultate ist im Augenblick unseres Berichtes noch nicht beendet. Die allgemeine Tendenz ist aber schon deutlich erkennbar: Der von vielen befürchtete und von vielen erhoffte „Erdrutsch“ hat stattgefunden, und zwar hat er sich zugunsten aller Richtungen, welche die Unzufriedenen sammeln, ausgewirkt – zugunsten derer, welche die Unzufriedenheit auf üble Mühlen lenken (Kommunisten, Poujadisten), wie auch zugunsten jener, welche die Unzufriedenheit zum Motor wirklichen Neuaufbaues machen möchten („Republikanische Front“ um Mendès-France und Sozialisten).

  • Ausgabe 1956/02

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    • Der „Grabenkrieg“

      Die Menschen unserer Zeit haben die Angewohnheit, für ihr eigenes Versagen Institutionen verantwortlich zu machen. Sie sagen: „Der Völkerbund hat versagt“ oder: „Die UNO erfüllt nicht unsere Erwartungen“ oder: „Das Verhältniswahlrecht hat Hitler zur Macht verholfen.

    • Der Historiker

      Arnold Toynbee, der große englische Historiker, hat in einem Aufsatz in Colliers die Ansicht vertreten, die Wiedervereinigung Deutschlands sei nur möglich, wenn Ost und West sich auf die Neutralisierung Deutschlands einigten.

  • Ausgabe 1956/03

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    • Das Dilemma der Eigenwilligen

      In der vorigen Woche, am Dienstag, dem 10. Januar, fand die Abstimmung über den Fraktionsvorsitz der FDP statt. Das Ergebnis 27 Stimmen für Dehler, 22 gegen ihn, lag um 5 Uhr nachmittags vor.

    • Die Achse Bonn – Washington

      Die Kommunisten haben ihre Taktik geändert“, warnte Präsident Eisenhower in seiner Jahresbotschaft an den Kongreß. „Sie arbeiten jetzt weniger mit Gewalt und Drohungen als mit Versuchen der Spaltung, Verlockung und Täuschung.

  • Ausgabe 1956/04

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    • Des Teufels Admiral

      Bei dieser Gelegenheit muß ich auch des Schicksals gedenken, daß die beiden Oberbefehlshaber der alten Kriegsmarine, Raeder und Dönitz, erlitten haben“, erklärte Kapitän zur See, Zenker, bei der Verpflichtung der ersten Marinefreiwilligen in Wilhelmshaven.

    • Die Reifeprüfung

      Was immer in der Welt geschieht, ist in diesen Wochen ganz uninteressant für Tausende von jungen Menschen. Sie sind jetzt ausschließlich damit beschäftigt, ihre Aufnahme in eine geistige Elite zu beantragen – sie „machen Abitur“.

  • Ausgabe 1956/05

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    • Der Bauer will sein Recht

      Gestern stand beiläufig in der Zeitung, der erste künstliche Mond werde von Florida aus ins Weltall starten. Er werde, so hieß es, in 24 Stunden sechzehnmal die Erde umkreisen und von Südamerika aus besonders gut zu beobachten sein.

    • Sorin geht um

      Bumm, bumm, bumm, der Sorin, der geht um – so wird man das Kinderlied vom Plumpsack umändern müssen. Und wo Sorin umgeht und anklopft, da wird ihm aufgetan.

  • Ausgabe 1956/06

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    • Alle Töpfe auf dem Feuer

      Im selben Augenblick, da Dehler zur Bestätigung des Friedensschlusses zwischen FDP und CDU das Wort sprach: „Der Graben ist zugeschüttet“, rebelliert ein großer Teil seiner Partei gegen ihn: die nordrhein-westfälische FDP treibt eigene Politik und zeigt, daß man von einem einheitlichen Willen dieser Partei nicht mehr reden kann; sogar „auf Landesebene“ sind die Freien Demokraten jetzt gespalten, denn Middelhauve – diesmal koalitionstreu – setzte sich in Gegensatz zu seinem Ministerkollegen Weyer, den es zum Bündnis mit der SPD zog.

    • Es geht nicht um „Blöcke“

      Als Präsident Eisenhower und der britische Premierminister Sir Anthony Eden beim Abschluß ihrer dreitägigen Besprechungen eine Erklärung veröffentlichten, in der die Prinzipien der westlichen Politik und Lebensanschauung noch einmal umrissen wurden, ging eine Welle enttäuschter Entrüstung durch die westliche Presse: das seien Worte und nicht Taten; Phrasen, nichts als hohle Phrasen, so hieß es.

  • Ausgabe 1956/07

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    • Die Sphinx hat Flöhe

      In einem Offenen Brief an Chruschtschow schildert die auch den ZEIT-Lesern wohlbekannte amerikanische Korrespondentin Marguerite Higgins, wie so etwas passieren kann: Schlägt da ein ausländischer Journalist in Moskau eines Tages die Prawda auf und liest vor Chruschtschows Namen nicht „Erster Sekretär“, wie es sich gehört, sondern „Generalsekretär“! Potzblitz, denkt der Journalist, Generalsekretär war bisher doch nur Stalin! Hat Chruschtschow vielleicht ganz heimlich und leise das Führerkollektiv überrumpelt und sich auf Stalins Thron gesetzt? 24 Stunden lang wußten die Korrespondenten in Moskau, wußte die Welt nicht, ob sich eine Mücke in die Spalten der Prawda verirrt hatte oder ein Elefant.

    • Deutsche vor eine Schranke!

      Daß die ostzonalen Machthaber die Todesurteile gegen die beiden „Abwerber“ Rudert und Held unter dem Druck westdeutscher Proteste in lebenslängliche Zuchthausstrafen verwandelten, ist eine kühne und naive These.

  • Ausgabe 1956/08

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    • Es geht um Devisen!

      Zwar verlangen alle drei westlichen Alliierten von der Bundesrepublik eine weitere Zahlung von Stationierungskosten, aber nur zwei von ihnen: Großbritannien und Frankreich drängen aus finanziellen Gründen darauf.

    • Hasen oder Elefanten

      Die modernen Panzerkrieger stehen vor einem ähnlichen Problem. Napalbomben, Raketen und ganz neuerdings zwei französische „Boden-zu-Boden-Geschosse“, „SS 10“ und „Entac“ zwingen die Panzerkonstrukteure und -Strategen zu einer grundsätzlichen Antwort auf die Frage nach dem Wert schwerer Panzer im modernen Krieg.

  • Ausgabe 1956/09

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    • Mißbrauchte Freiheit

      Zu schnell und zu früh erworbene Freiheit kann für die „Befreiten“ schlimme Folgen haben. Ein makabres Beispiel dafür geben die Vorgänge von Kosti, das 350 Kilometer südlich von Khartum in der sudanesischen Provinz Blauer Nil gelegen, zum Schauplatz des Todes von mehr als 300 Menschen wurde.

    • Umsturz ohne Gewalt

      Geben wir’s ruhig zu: Der Westen steht ziemlich ratlos vor der auf dem XX. Parteikongreß verkündeten „neuen Linie“ des Kreml.

  • Ausgabe 1956/10

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    • Elastizität!

      Ein bekannter deutscher Arzt sagte einmal – über die Untaten des Dritten Reiches entsetzt – er komme sich vor wie ein „rocher de bronce“, der mit dem Strome schwimmt.

    • Konstruktives Mißtrauen

      Die augenblickliche Entwicklung in Deutschland gibt Gelegenheit zu allerlei Übertreibungen und Untertreibungen. Für die einen ist es „Klärung“.

  • Ausgabe 1956/11

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    • Halber Eid

      Das Dritte Reich hat uns nicht nur um unser Vaterland gebracht, es hat uns auch nahezu den Mut genommen, die Idee des Vaterlandes und der Hingabe für unser Land unbefangen auszusprechen.

    • Wolf oder Fuchs

      Mit der Logik offizieller Erklärungen am Schluß von Konferenzen ist es oft schlecht bestellt. Vielleicht liegt das an der Eile, mit der sie verfaßt werden: die Konferenz ist aus, und schon müssen Fernschreiber und Setzmaschinen mit Kommuniques gefüttert werden (den Journalisten fällt hierbei schon lange die Rolle von Laufburschen zu).

  • Ausgabe 1956/12

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    • Wie war das mit dem Konkordat?

      Thomas Dehler hat zu seinen rednerischen Trophäen eine neue hinzugefügt, das Wort vom verbrecherischen Konkordat (dem Reichskonkordat vom Jahre 1933).

    • Menschen, nicht Schnecken

      Alles wäre leichter, wenn sich Rücksichtslosigkeit besser in Paragraphen fassen ließe. So einfach, wie es sich der Herr Bundesverkehrsminister und seine Experten manchmal zu denken scheinen, geht es nicht.

  • Ausgabe 1956/13

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    • Der wahre Joseph

      Vor einigen Jahren erschien in Frankreich ein Buch unter dem Titel „Wenn Hitler gewonnen hätte“. Der Autor schildert eine Nachkriegswelt, die sich von der tatsächlichen im Grunde nur dadurch unterscheidet, daß nicht Stalin, sondern Hitler den Krieg gewonnen hat.

    • Malenkow: „Freude an Shakespeare“

      Der Besuch. Malenkows in Großbritannien wurde dem Foreign Office dadurch bekannt, daß ein Beamter die Liste der angesagten Delegation von Elektroingenieuren durchging und dabei auf einen Namen stieß, der ihm bekannt vorkam.

  • Ausgabe 1956/14

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    • Die zweite Chance

      Es geschehen Zeichen und Wunder – aber niemand scheint sie wahrzunehmen. Nicht einmal die, in deren unmittelbare Zuständigkeit das, was „drüben in der Zone“ geschieht, fällt: nicht einmal das Kaiser-Ministerium gibt Zeichen des Erwachens von sich.

    • Das Abrüstungskarussell

      Der meistzitierte Satz der vorjährigen Genfer Abrüstungsdebatte lautete: „Solange man nicht zwischen den Staaten ein Klima des Vertrauens schafft, hätte jede Vereinbarung über eine Errichtung einer Kontrolle lediglich zur Folge, die Wachsamkeit der Völker einzuschläfern.

  • Ausgabe 1956/15

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    • Eisenhowers Zeitbombe

      Ein halbes Jahr vor der Präsidentenwahl sind dramatische Entwicklungen in der amerikanischen Außenpolitik selten. Vorsicht ist geboten – besonders dann, wenn wie jetzt die Opposition im Kongreß die Mehrheit hat.

    • Hitlers Lehnstuhl

      Der Brief hat folgenden Inhalt: Gegen Ende des Krieges waren zwei südafrikanische Fliegeroffiziere in Deutschland. Sie suchten Berchtesgaden auf und fanden in Hitlers Haus einen Lehnstuhl, der ihnen gefiel.

  • Ausgabe 1956/16

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    • Gastgeschenke

      Als der russische Abgesandte, der zu Shakespeares Zeiten den Hof der Königin von England besucht hatte, wieder in seine östliche Heimat zurückkehrte, nahm ihm sein Fürst alle prächtigen Kleider, Gold und Juwelen und alle Gastgeschenke wieder weg, Heutzutage ist vieles anders.

    • Sind sie denn hilflos bei uns im Westen?

      In der vorigen Woche waren es 7716 Flüchtlinge aus der Sowjetzone, die sich in den Lagern Berlin, Gießen und Uelzen meldeten; am Sonnabend wurde in Westberlin der 50 000.

  • Ausgabe 1956/17

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    • Wehrpflicht oder Berufsheer

      Wenn es um die großen Fragen des Staates geht, beispielsweise um die Frage, vor der die Bundesrepublik jetzt steht: Berufsheer oder Wehrpflicht, dann ist eine Meinung meist schnell gefaßt.

    • Der Offizier der Zukunft

      Es ist kein leichtes Unterfangen, das Leitbild des Offiziers künftiger deutscher Streitkräfte zu zeichnen – insbesondere dann nicht, wenn man, wie der Verfasser, der Meinung ist, es sei im Hinblick auf die Wiedervereinigungspolitik sowie wegen der zur Zeit schwebenden Verhandlungen über die Begrenzung der Rüstungspotentiale, verkehrt, ausgerechnet jetzt deutsche Streitkräfte aufzustellen; noch dazu auf der Grundlage eines Schlüssels, der im Falle einer Abrüstungskonvention auch einem wiedervereinigten Deutschland nicht zugebilligt werden wird.

  • Ausgabe 1956/18

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    • Vier um Adenauer

      Das Ansehen und die Machtstellung Konrad Adenauers in der CDU sind unerschütterlich. Als der Kanzler auf dem Parteitag in Stuttgart die Absicht bekanntgab, auf seinem Posten zu bleiben („solange mir Gott die Frische und die Kraft läßt“), fand er so einhellige und große Zustimmung, daß sich schon hierin die spätere einstimmige Wiederwahl ankündigte.

    • Auf ein Wort, Herr Grotewohl...

      Neuerdings sprechen die Kommunisten wieder viel und laut von ihrer Verbundenheit mit den sozialistischen „Brüdern“. Als aber die Führung der englischen Arbeiterpartei Chruschtschow neulich eine Liste mit 150 Namen inhaftierter Sozialisten überreichen wollte, weigerte sich der Chef der kommunistischen Partei, sie auch nur anzunehmen.

  • Ausgabe 1956/19

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    • Filmführer

      Als Käutners Film „Nacht ohne Sterne“ bei den Festspielen in Cannes nicht gezeigt werden durfte (er war der einzige eingereichte Bildstreifen deutscher Produktion), reiste bekanntlich die Delegation der Bundesrepublik ab: soweit die Meldungen, die letzthin durch alle Zeitungen gingen.

    • Unruhige Genossen

      Daß Moskaus neuer Kurs Verwirrung und Unruhe in die Reihe der SED tragen würde, war vorauszusehen; doch ebenso sicher konnte man annehmen, daß sich die Erdbeben in der Partei unterirdisch vollziehen und kaum die Oberfläche an Punkten durchstoßen würden, wo sie auch für westliche Augen wahrnehmbar sind.

  • Ausgabe 1956/20

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    • Logik 1956

    • Die fünfte Besatzungsmacht

      Die Anwesenheit russischer Truppen in Brandenburg, Thüringen und Sachsen, die Verwandlung der Heimatstadt Kants in eine russische Flottenstation und nicht zuletzt die völlige Unterwerfung Polens unter den Willen Moskaus konnten vorübergehend den Eindruck erwecken, Rußland, nicht Polen, sei Deutschlands östlicher Nachbar.