SED und die Würmer
Verschiedene Kolchosen im Bereich einer Maschinen-Traktoren-Station des Bezirks Leipzig haben kürzlich beschlossen, „Kampfgruppen zu bilden, um unseren Staat zu schützen“. Seit langem fordert die SED, daß die Bauern nach dem Vorbild der städtischen volkseigenen Betriebe derartige militante Einheiten aufstellen sollten. Dank der fortschrittlichen, volksdemokratischen Erfindung des freiwilligen Zwangs scheint diese Forderung nunmehr, ungeachtet des Unwillens der Bauern, erfüllt zu werden.
Da ist also eine Volksarmee aufgestellt worden, um die „Errungenschaften“ des „Arbeiter- und Bauernstaates“ zu schützen. Dann wurden die Arbeiter und jetzt auch noch die Bauern dieses „Arbeiter- und Bauernstaates“ gezwungen, ihrerseits Kampfgruppen aufzustellen, und bald wird man wohl auch (besorgt über die Opposition der Hochschuljugend) die Studenten zwingen, Kampfgruppen aufzustellen, um als Garanten der Zukunft des „Arbeiter- und Bauernstaates“ diesen – ja, vor wem eigentlich? – zu schützen. Man kann nicht umhin, bei dieser Entwicklung an die Diagnose des Morgensternschen Gedichts zu denken: „Daß dieser Wurm an Würmern litt, die wiederum an Würmern litten.“ D.
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