W. D., Iserlohn

Zu seinem 85. Geburtstag war er nicht mehr anzutreffen. „Der ist gestorben“, sagten die Nachbarn. Und einer meinte, daß er es nicht verwinden konnte, daß, nachdem die neue Brücke fertig war, sein Fährboot außer Dienst gestellt wurde. 50 Jahrelang hatte Alfred Schoof bei Drüpplingen an der Ruhr als Fährmann gearbeitet. Er war der älteste deutsche Fährmann und der letzte, der auf einer Ruhrfähre stand.

Sein Kahn war ein Anachronismus. Stratosphärenkreuzer, Amphibienwagen, Luftbrücken ... der alte Mann schüttelte den Kopf. Für drei Reichspfennig pro Person hatte er seine Kunden übergesetzt, bei Nacht und Nebel, sengender Sonne, Eisgang und Hochwasser. Wohl hunderttausend. Richtung Unna/Iserlohn. In den Tagen, als Kroaten und Italiener die Bahn Schwerte–Iserlohn bauten, gab es manchen Tanz im Kahn. Aber Fährmann Schoof hatte harte Fäuste.

Am 29. Januar 1909 haben auch die ihm nicht geholfen. Die damals noch nicht gestaute Ruhr ließ ihre dicksten Eiskaliber gegen die 20sitzige Ponte anrennen. Die Ketten rissen, der Kahn schlug um, und Fährmann Schoof klammerte sich an eine Weide. Er kam davon. Die Fähre hat er nie wiedergesehen. Der neuerworbene Kahn war der zweite in seinem Leben. Er hat ihn bis zum Schluß sicher geführt.

Als die Dortmunder Stadtwerke die Brücke über die Ruhr bauen ließen, legte Alfred Schoof seine Fähre für immer an die Kette. „Ich kann hier nicht weg“, hatte der 83jährige, der zuletzt seine Passagiere meist kostenlos übersetzte, gesagt. Früher, als die drei Reichspfennige noch Tarif waren, durften nur gekrönte Häupter mit ihrem Anhang kostenlos fahren. „Von Errichtung des Fährgeldes sind befreit Seine Majestät und der gesamte Hofstaat“ (laut Urkunde). Aber Seine Majestät ist nie gekommen ...