In wenigen Wochen werden wir, wenn uns das Wetter nicht einen Streich spielt, einen hellen Kometen mit Kopf und prächtigem Schweif erstrahlen sehen. Arend Roland – so wurde er genannt – wird sich etwa am 10. April auf 0,32 Astronomische Einheiten, das sind 47 Millionen Kilometer, der Sonne genähert haben. (Als eine Astronomische Einheit bezeichnet man den Radius der Erdbahn um die Sonne:. 150 Millionen Kilometer.) Das ist ein recht seltenes Ereignis, denn die meisten Kometen kommen der Sonne nicht so nahe und sind nur mit dem Fernrohr sichtbar. „Arend Roland“ bewegt sich mit einer Bahngeschwindigkeit von 30 bis 40 Kilometern in der Sekunde. In der zweiten Aprilhälfte wird er – so er sich „normal“ benimmt – in der Dämmerung und etwas später am Nachthimmel im Sternbild des Fuhrmanns zu sehen sein.

Kometen gehörten schon immer zu den imposantesten und interessantesten Himmelserscheinungen. Besonderes Aufsehen erregten diese Schweifsterne dadurch, daß sie meist recht plötzlich auftauchten. Lange Zeit wußten die Astronomen nichts Rechtes mit ihnen anzufangen. Bis in die Neuzeit hinein hielt man an der Ansicht des Aristoteles fest, wonach die Kometen Ausdünstungen der Erde sein sollten, die sich an den Strahlen der Sonne entzündeten. Die menschliche Phantasie hat des Kometen alles an Unheil angedichtet, was sie überhaupt nur denken läßt. Sie wurden für alle Übel, Hungersnöte, für Feuer, Krieg und Seuchen verantwortlich gemacht. Natürlich haben die Astrologen ihnen ganz besondere Bedeutung zur gemessen. Noch das Erscheinen des letzten großes Kometen im Jahre 1910 erfüllte die Herzen vieler Menschen mit Schrecken.

Heute zählen die Astronomen sie zu den harmlosesten Himmelskörpern, die es überhaupt gibt. Aber die frühere Kometenangst hat noch für du heutige Wissenschaft einen Vorteil. Diese Himmelserscheinungen sind zwar in früheren Jahrzehnt ten nicht wissenschaftlich untersucht, aber doch recht genau beobachtet und beschrieben worden In Chroniken sind, weil sie einen so furcht- um schreckenerregenden Eindruck machten, Zeit mit Standort ihres Erscheinens meist genau verzeichnet Dadurch wurde es möglich, in neuerer Zeit beobachtete Kometen bis ins Altertum zurückzuverfolgen Das Erscheinen des Halleyschen Kometen, der noch 1910 so viel Aufsehen erregte, konnte zum Beispiel schon in den gründlichen chinesischen Aufzeichnungen aus dem zweiten vorchristlichen Jahn hundert nachgewiesen werden.

Die Angst vor den Kometen ist erst in spät? ren Zeiten entstanden. Weder den alten Chinesen noch den frühen Griechen erschienen die Schweifsterne als Boten des Unheils. Erst die Menschen, die nach ihnen lebten, begannen zu fürchten, die Erde könnte durch einen Zusammenstoß mit so unruhigen spontan erscheinenden Himmelskörpern zertrümmert werden. Noch im Jahre 1910, als der Halleysche Komet hell leuchtend am Himmel stand, machte ein findiger Unternehmer gute Geschäfte mit „Kometenpillen“, die die Angst vertreiben und nachteilige Einwirkungen des Gestirns aufheben sollten.

Kometen gelangen jedoch nicht – wie man lange Zeit glaubte – in die Erdatmosphäre. Sie bewegen sich etwa in den gleichen Räumen wie die Planeten. Ihr Kern besteht aus festen Gesteinsbrocken mit einem Durchmesser von etwa fünf Kilometern. Oft ist der Kern noch von feinem Staub umgeben. In den meisten Fällen kreisen die Kometen wie die Planeten auch auf Ellipsen um die Sonne. Auf diesen geschlossenen Kurven kehren sie für die Erdbewohner sichtbar in bestimmten Zeitabständen immer wieder. Der Halleysche Komet beispielsweise hat eine Umlaufzeit von 75 Jahren. 1985 werden wir ihn wieder beobachten können.

Der Hamburger Kometenforscher Professor Wurm, der zwei Gruppen dieser Himmelskörper auseinanderhält, rechnet zu der ersten alle derartigen Himmelskörper, die in sehr langfristigen Perioden die Sonne umkreisen. Dazu gehören die meisten der uns heute bekannten Kometen. Die Längsachse ihrer Bahnellipse beträgt zwischen 20 000 und 170000 Astronomische Einheiten. Sie haben eine Umlaufzeit zwischen einer bis 25 Millionen Jahren. Zur zweiten Art, den sogenannten kurzperiodischen Kometen, gehört vor allem die Jupitergruppe, rund 60 Schweifsterne. Sie haben Umlauf Zeiten zwischen drei und zehn Jahren, können also häufig beobachtet werden. Allerdings sind sie sehr lichtschwach. Man vermutet, daß diese Kometen, als sie bei ihrer Ankunft aus dem Weltall in das Schwerefeld des Jupiter gerieten, von ihm „eingefangen“ wurden. Andere Kometen bewegen sich nicht auf einer Ellipse um die Sonne, sondern sie kommen auf einer offenen hyperbolischen Bahn aus dem Weltraum und kehren, nachdem sie das Sonnensystem verlassen haben, nicht wieder zu uns zurück. Bei ihrer Annäherung an die Sonne kann es allerdings vorkommen, daß sie von deren Schwerefeld eingefangen werden und von nun an auf eine elliptische Bahn übergehen. Es sind heute etwa 500 bis 600 Kometenbahnen berechnet worden. 99 von 100 Kometen bewegen sich auf Ellipsen.

In drei Phasen entfaltet sich ein Komet bei einem nächtlichen Schauspiel, das er am Himmel gibt. Erst wenn er sich bis auf etwa vier Astonomische Einheiten (600 Millionen Kilometer) der Sonne angenähert hat, ist er mit dem Teleskop sichtbar. Nähert er sich der Sonne weiter, so bildet sich um seinen festen Kern eine Gasatmosphäre aus verschiedenen Kohlenwasserstoff- und Stickstoffverbindungen. Die Ausdehnung.dieser kugelförmigen Atmosphäre reicht bis zu Durchmessern von 150 000 Kilometern, Durch die fortgesetzte Erhitzung in der Nähe der Sonne werden diese Gase aus dem Kern ausgetrieben. Hat sich der Komet auf weniger als 150 Millionen Kilometer der Sonne genähert, so zeigt er zunehmend einen Schweif, der immer abseits zur Sonne steht. Das Licht der Kometen ist zunächst reflektiertes Sonnenlicht. In Sonnennähe jedoch senden die Kohlenwasserstoffe seiner Gashülle unter der Einwirkung der ultravioletten Strahlung der Sonne, ähnlich wie die Polarlichter, eigenes Licht aus. Die Helligkeit eines Kometen hängt sehr davon ab, wie reich sein Kern an Gasen ist.