NE-Metallpreise diktieren die Erträge

von E. M.

Die Hauptversammlung der Stolberger Zink AG hat gemäß dem Vorschlag von Verwaltung und Aufsichtsrat beschlossen, für das Geschäftsjahr 1957 wiederum eine Dividende von 7 v. H. auf das Grundkapital von 17,5 Mill. DM zu zahlen. Von einem Reingewinn von 1,27 Mill. DM werden nach weiterem Abzug einer gewinnabhingigen Vergütung an den AR (in Höhe von 43 750 DM) 4275 DM auf neue Rechnung vorgetragen werden. Der Vorstand wies in seinem Bericht darauf hin, daß das Geschäftsjahr 1956 im ganzen gesehen zufriedenstellend verlaufen sei. Die Preise für Blei und Zink waren 1956 stetig und die im Verkauf erreichten Erlöse paßten sich der Entwicklung der Londoner Metallbörse an. Erhebliche Zinkmengen mußten exportiert werden, da das Inlandsgeschäft rückläufig war. Für Zink wurde ein Durchschnittspreis von 110,39 DM, für Blei ein solcher von 135,07 DM erzielt.

Wenn man diesem Jahresdurchschnittserlös die augenblicklichen Blei- und Zinkpreise der Londoner Metallbörse in Höhe von 20 DM bzw. 77 DM gegenüberstellt, so sieht man, daß diese von der strategischen Reservebildung der USA sehr abhängigen Rohstoffpreise seitdem erheblich gefallen sind, was für die Ertragslage des Unternehmens nur nachteilige Folgen haben kann. Wenn die Verwaltung der HV keine gegenüber dem Vorjahr erhöhte Dividende vorschlug, so wohl, weil eine vorsichtige und verantwortungsbewußte Geschäftspolitik eine solche nicht erlaubt.

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Die Selbstkosten des Unternehmens sind teilweise durch äußere Einflüsse, teilweise durch Lohnerhöhungen und Materialpreissteigerungen, insbesondere für Kohle, beträchtlich gestiegen. Um eine untragbare umsatzsteuerliche Mehrbelastung zu vermeiden, wurden selbsthergestellte und erworbene Verhüttungsmaterialien getrennt verhüttet, obwohl dadurch der kontinuierliche Betriebsablauf gehemmt und die Selbstkosten erhöht wurden. Dieser Ausweg brachte eine Verminderung der Erträge und der Ertragssteuer. Er macht aber auch deutlich, daß die Meinung der Steuerbehörde über das Hüttenprivileg völlig irrig ist, ins Leere zielt und in ihren Konsequenzen mit den volkswirtschaftlichen Grundsätzen nicht vereinbar ist. Die Meinung der Steuerbehörde wurde im übrigen durch ein Rechtsmittelverfahren angefochten. Die Belegschaft der Stolberger Zink AG stellte sich am 31. Dezember 1956 auf 3900 Mann. Die Grubenerzeugung an hüttenfähigen Konzentraten lag ungefähr auf Vorjahrshöhe, der Bergarbeitermangel konnte auch durch den verstärkten Einsatz ausländischer Arbeitskräfte nicht ausgeglichen werden. Auf der Gewerkschaft Maubacher Bleiberg (Landkreis Düren) wurden bis Ende 1956 über 2,2 Mill. Kubikmeter Abraum bewegt. Im Mai wurde die Erzoberfläche erreicht und die Erzgewinnung im Juli vom Tief- zum Tagebau umgestellt. Die Grube kommt Mitte dieses Jahres auf vollen Betrieb. Im Hunsrück wurde mit dem 1. Januar 1957 der Felderbesitz durch Pachten der Gewerkschaft Barbarasegen ergänzt.

In der Gewinn- und Ver1ustrechunng werden unter den Aufwendungen 21 Mill. DM Löhne und Gehälter, 3,3 Mill. soziale Abgaben, 4.1 Mill. DM Abschreibungen auf das Anlagevermögen, 5,5 Mill. DM Steuern und 1,6 Mill. DM an Zinsen ausgewiesen. 845 000 DM wurden der freien Rücklage zugeführt. Der Rohertrag der Gesellschaft belief sich nach Abzug der übrigen Aufwendungen auf 36 Mill. DM. Außerordentliche Erträge werden mit 894 000, DM verbucht. Die Gewinn- und Verlustrechnung schließt mit 37,8 Mill. DM, die Bilanz mit 96,4 Mill. DM. E. M.

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  • Quelle DIE ZEIT, 25.7.1957 Nr. 30
  • Schlagworte Aufsichtsrat | Dividende | Verwaltung | USA
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