Ende in Weißenstadt – Neuer Anfang in Ellweiler

Von Harald Steinert

Schon seit ein paar Monaten liegt der westdeutsche Uranbergbau der Maximilianshütte AG in Weißenstadt im Erzgebirge still – er war übrigens nie ein Bergbaubetrieb im juristischen Sinn, sondern nur ein „Versuchsbetrieb“. Das erste deutsche Uran, das dort unter abbautechnisch schwierigen Verhältnissen aus nur 0,05-prozentigem Erz gewonnen wurde, war wegen seines hohen Preises nicht „gängig“. Dafür dürfte in nächster Zeit ein anderes westdeutsches Uranfeld in Abbau kommen, über dessen Entdeckung und Entwicklung bisher nur hinter verschlossenen Türen von der Berg Wirtschaft und Atomindustrie diskutiert worden war: Die Lagerstätte von Ellweiler im Kreis Birkenfeld an der Nahe, die von der „Gewerkschaft Brunhilde“ entdeckt wurde, und aus der bereits 1958 jährlich etwa 12 t Reaktorbrennstoff für die ersten deutschen Versuchs-Atommeiler kommen sollen.

Die Lagerstätte ist geologisch bemerkenswert und ungewöhnlich. Es handelt sich um einen Porphyr, der wesentlich reicher ist als das Weißenstädter Erz. Da etwa eine Tonne Uranmetall monatlich bei einer Leistung der Erzaufbereitungsanlage von 50 Tagestonnen produziert werden sollen, dürfte das Ellweiler Erz (unter Einrechnung der unvermeidlichen Aufbereitungsverluste) zwischen 0,009 und 0,1 Uranoxyd enthalten und da- 0,1 mit wenigstens den Mindestanforderungen der USA-Atomenergiekommission an „ankaufswürdigem“ Uranerz entsprechen. Das bedeutet allerdings nicht, daß der Abbau in Ellweiler „wirtschaftlich rentabel“ durchgeführt werden kann. Die Produktion ist sehr bescheiden, der Betriebsaufwand daher vermutlich – gemessen an dem Ausbringen – relativ hoch. Doch ist Uranabbau in Ellweiler zweifellos auch in abbautechnischer Hinsicht weit bequemer als in Weißenstadt. Und solange es keinen freieren Weltmarkt für Atombrennstoffe gibt, ist „wirtschaftliche Rentabilität“ für Urangewinnung keine wirklich in Zahlen faßbare Größe. So müssen wir das „Uranprojekt Ellweiler“ also als Pionierwerk des deutschen Uranbergbaues betrachten...

Nur ein Bruchteil...

Seine Erzeugung von 12 Jahrestonnen wird jedoch nur einen Bruchteil des westdeutschen Uranbedarfs decken können, der sich bei der großen Zahl der Reaktorplanungen schon für die Initialladung in Dimensionen von vielen Dutzenden von Tonnen bewegen wird. Allerdings erfordert ein großer Teil der Reaktoren Uranmetall, das an dem sozusagen hochentzündlichen Uranisotop U 235 angereichert ist. Dies teure Isotop ist zwar auch in dem deutschen Uran zu 0,07 v. H. vorhanden, kann in Westeuropa jedoch vorläufig nicht angereichert werden. So bleibt die Verwendung der in Aussicht stehenden einheimischen Uran-Lieferung auf Reaktortypen wie den Karlsruher Reaktor beschränkt, die mit natürlichem Uran arbeiten.

Ein weiteres Steigern der westdeutschen Uranerzeugung in Dimensionen, die auch nur entfernt der schnellen Entwicklung der deutschen Atomenergieforschung und -erzeugung entsprechen, scheint noch nicht in Sicht zu sein. Zwar kennt man bereits zwei eventuell verwertbare Vorkommen: Ein uranführendes Braunkohlenlager der „Bayrischen Braunkohlenindustrie AG“ bei Schwandorf-Oberpfalz mit rund 100 t Uranreserven, ferner vielleicht fast ebenso hohe Reserven in nicht abgebauten Felderteilen der ehemaligen Kobaltgrube „Sophia“ bei Wittichen im Schwarzwald. Doch das relativ bequem abbaufähige Urar-Kohlenfeld der BBI würde Erz liefern, dessen Aufbereitung erhebliche technische Probleme bietet. Das Wittichen-Uran wird hohe Abbau-Aufwendungen erfordern; Konzessionsanträge einer Privatfirma (Gewerkschaft „Finstergrund“) wurden bisher für das Feld von der badisch-württembergischen Landesregierung stets abgelehnt.