Nicht leugnen, überwinden

Vor 25 Jahren: „Machtergreifung“

Tausenden von Fackeln und dem Klang preußischer Militärmusik brach am 30. Januar 1933 das „Tausendjährige Reich“ an. „Braune Bataillone“ zogen durch das Brandenburger Tor zur Reichskanzlei. Wie es völlig und hoffnungslos nieder brach, dessen wurden die allermeisten unter uns Lebenden Zeuge. Der Taumel nationaler Überschätzung – er endete mit Millionen Toten, zerschmetterten Städten, dem Ruin eines alten Reiches, der Abtrennung großer deutscher Gebiete im Osten vom Mutterland und einem heute noch nicht überwundenen Inferioritätskomplex gegen-

Ein Vierteljahrhundert ist seit jenem 30. Januar 1933 vergangen, an dem der greise Reichspräsident von Hindenburg den Führer der NSDAP mit dem Kanzleramt betraute. An diesem Tage hatte Adolf Hitler sein Ziel erreicht: auf „legalem“ Wege war er an die Macht gekommen. Nun ging er daran, diese Macht – geschickt und zunächst vorsichtig operierend – zur totalen Herrschaft auszubauen. „Gebt mir vier Jahre Zeit, und ihr werdet Deutschland nicht wiedererkennen!“, rief er dem Volke zu. In der Tat war Deutschland schon nach vier Jahren nicht mehr wiederzuerkennen. Der von Göring inszenierte Reichstagsbrand, das Ermächtigungsgesetz vom 23. März 1933, die Auflösung der Parteien, die Ausschaltung der SA und die Unterwerfung der Reichswehr – das waren die ersten Stationen auf Hitlers Weg zur uneingeschränkten Diktatur. Der Weg der Diktatur aber wurde für das deutsche Volk zum Schmerzensweg in den Abgrund. Die überraschenden Erfolge bei der Revision des Versailler Vertrages ermutigten Hitler zu immer gefährlicheren außenpolitischen Forderungen. Im September 1939 brach er mutwillig den unnützesten Krieg der Weltgeschichte vom Zaun – einen Krieg, unter dessen verderblichen Folgen noch Generationen zu leiden haben werden.

Gewiß, einsichtige und empfindsame Menschen, die Vertreter des „anderen Deutschlands“, bäumten sich gegen die braune Diktatur auf, gegen die Kriegspolitik und gegen den verbrecherischen Rassenwahn. Wenn ihre Opfer auch damals umsonst waren – vergeblich sind sie nicht gewesen. Ihr Geist ist es, auf den sich das heutige Deutschland bei seinem Bemühen, die Vergangenheit des „Tausendjährigen Reiches“ zu bewältigen und zu überwinden, immer wieder besinnen muß.

Anzeige
 
Service