Bei jeder Diskussion muß es so sein, daß zwei, drei, vier Redner bestellt werden, daß die weiteren Wortmeldungen aber dann kurz (viel kürzer als bei deutschen Diskussionen üblich) gehalten werden, um möglichst vielen Teilnehmern Gelegenheit zu ergänzenden, erweiternden Bemerkungen zu geben. In unserem Falle wäre lediglich „Redner“ durch „Schreiber“ zu ersetzen. Da wir möglichst viele von den zahlreichen Wortmeldungen berücksichtigen wollen, da andererseits aber der dem „Kitsch“ zuzubilligende Platz notwendig beschränkt ist können wir auch in solchen Fällen, wo „ungekürzte Veröffentlichung“ (teilweise ganzer Artikel) gewünscht wurde, nur ein paar Kernsätze zitieren. Wir danken für reges Interesse, Durch vollständigen Abdruck aller Beiträge könnten wir ein ganzes Buch füllen. Das ist nicht beabsichtigt – und deswegen ging es nicht ohne drastische Kürzungen.

Ein unsauberes Wort

DIE ZEIT stellt in Nr. 4/1958 die berühmtberüchtigte Frage „Was ist eigentlich Kitsch?“ zur Diskussion und bietet reichhaltiges Gedankenmaterial zu diesem Thema. Leonhardt sagt als advocatus diaboli, daß Kellerer ein kluger Mann sei, und da Leonhardt selbst zu dieser Spezies gehört, so läßt man ihn getrost, da es mit unverkennbar ironischem Unterton geschieht, weiter für den Sockelstürzer Zeugnis ablegen. Leonhardts Verdikt, daß es „Kitsch“ mit eindeutig rational bestimmbaren Eigenschaften überhaupt nicht gebe, besteht völlig zu recht. Bedenklich und gefährlich wird es jedoch, wenn das Wort „Kitsch“ sich an Kunstschöpfungen heranpirscht, die sich auf Grund der Urteile kunstkuniiger Fachleute und des kunstverständigen Publikums durchgesetzt haben. Dann kann dieses Wort einen sehr bösartigen Charakter, ja den einer Verleumdung annehmen. Die Kitsch-Stempelvereiler machen sich mit ihren anmaßenden, genormten Werturteilen einer unerlaubten Grenzüberschreitung schuldig. Ich plädiere allen Ernstes dafür, dieses abgegriffene, ungenaue und eigentlich unsaubere Wort aus unserem Wortschatz möglichst zu verbannen. Rudolf Hemmerling, München

Lieber Streit vermeiden

Das Thema „Kitsch“ habe ich – mehr implicite als explicite – oft behandelt, aber so ausgesprochen kitsch-freundliche Auffassungen vertreten, daß ich lieber, um die „Intellektuellen“ nicht zu ärgern, schweigen möchte.

Professor Dr. L. v. Wiese, Köln

Rechtfertigung für Gartenzwerge