HAPAG auf gefährlichem Kurs

Berechtigt ein dickes Aktienpaket zur Machtergreifung? /

Von Marion Gräfin Dönhoff

Man muß in Hamburg leben oder gelebt haben, muß täglich die Schiffe auf dem breiten Strom hinein- und herausfahren sehen, um zu wissen oder vielleicht auch nur zu ahnen, was das heißt: Schiffahrt. Man muß die Gesichter der Werftarbeiter beobachtet haben, wenn einer der riesigen Tanker vom Stapel läuft oder ein neuer Ozeanriese seine Reise über die Meere antritt. Man muß den pensionierten Kapitänen in Blankenese zusehen, wenn sie mit dem Fernglas den Fluß absuchen und wehmütiges Wiedersehen feiern mit diesem oder jenem alten Bekannten, dessen Flagge sie einst in Schanghai oder Rio grüßten. Und nie wird derjenige, der einmal gegen den westlichen Abendhimmel die stolzen Viermaster Pamir oder Passat von großer Fahrt in den Hafen zurückkehren sah, dieses Bild wieder vergessen.

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Wie eine Fahne...

Sachlich genommen ist die Schiffahrt Hamburgs „Handel und Wandel“, daneben aber ist sie auch seine Geschichte, seine Legende und ganz heimlich immer noch seine Romantik. So wie sich der Geist eines Regiments in der Tradition seiner Fahnen verkörpert, so ist für die Hamburger der Inbegriff aller Schiffahrt die HAPAG, die Hamburg-Amerikanische-Packetfahrt-Aktiengesellschaft – ein seltsam trockener phantasieloser Name.

Kein Wunder also, daß es die Bürger der Stadt wie ein Donnerschlag traf, als Bürgermeister Brauer in der vorigen Woche vor dem Parlament zornerfüllt erklärte, „gewisse Interessenten“ hätten Sabotage gegen Hamburgs Senat getrieben und der Senat der Freien und Hansestadt sei von der HAPAG in einer Weise behandelt worden, wie es noch keiner Landesregierung je passiert sei. Wirklich von der HAPAG, dem Stolz der Hamburger seit über hundert Jahren, oder von „gewissen Interessenten“, und wenn es so sein sollte, wer sind diese?

Die Leitung der Gesellschaft liegt in den Händen des Vorstandes, dem vier Persönlichkeiten angehören: Werner Traber, Wolf Vogler, Dr. Gerhard Katzenstein und Dr. Otto Wachs (Schwiegersohn des Hauptaktionärs). Dem Aufsichtsrat, der die Vertretung der Aktionäre darstellt und der die Maßnahmen des Vorstandes überwacht, steht vor als Vorsitzer der Hauptaktionär Behrend Schuchmann, ihm gehören ferner vier Vertreter der Banken an: Dr. Karl Klasen, Direktor der Deutschen Bank, Dr. Rudolf Brinckmann von Brinckmann, Wirtz & Co., Hans Rinn, Direktor der Dresdner Bank, Robert Gebhardt, Direktor der Commerz-Bank, und drei Vertreter der Arbeitnehmer.

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