Doppelbödig
J. M., Wien
Nachdem die Russen Ostösterreich verlassen hatten, erlitten die Kommunisten bei den Betriebsratswahlen überall schwere Niederlagen. Nur im Erdölgebiet schnitten sie unerwartet gut ab. Gerüchte, die besagten, daß bei den Wahlen etwas nicht gestimmt habe, führten jetzt zu einer Anfechtungsverhandlung vor dem Wiener „Einigungsamt“. Dort sagte die frühere Sekretärin des Betriebsrates aus, daß die Wahlurnen abschraubbare Böden besessen hätten. Die ursprünglichen Stimmzettel seien herausgenommen und gefälschte statt dessen hineingelegt worden. Die Sekretärin schilderte den Vorgang in allen Einzelheiten, und sie nannte auch den Namen eines Tischlermeisters in Kagran, der den Mechanismus hergestellt hatte.
Auf diese Weise wurde nun der Öffentlichkeit bekannt, was viele schon vorher gewußt hatten: daß bei Betriebsratswahlen die Kontrollen oft recht oberflächlich sind und eine kleine Anzahl Personen erstaunliche Manipulationen durchführen können. Aber ein weiterer Gedanke drängt sich auf: Die Forderung nach freien Wahlen wird heute an manchem Ort als etwas unbequem empfunden. Da es gegen sie aber keine guten Argumente gibt, bleibt nur ein Ausweg: Der Tischler aus Kagran muß in die Bresche springen. Und wer solche Tischler sucht, wird viele finden.
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