Die Zukunft bleibt ungewiß
Ein Rückschritt in der Geschichte Frankreichs: Republik IVa
Von Armin Mohler
Paris, im Februar
Vor einer Woche schrieben wir an dieser Stelle, daß Frankreich erneut in zwei Frankreichs, eines diesseits und eines jenseits des Mittelmeeres, zerfallen sei. Heute müssen wir ergänzen: Es sind als Folge des zweiten Putsches von Algier bereits deren drei geworden. Zwischen das Frankreich de Gaulles und das Frankreich der Ultras hat sich nun noch das Frankreich der Armee geschoben. Die Armee hat sich nicht dazu entscheiden können, sich offen auf eine der beiden Seiten zu schlagen – sie hätte sich dabei wohl selber in die Luft gesprengt.
So ist denn das vorläufige Ergebnis des zweiten Putsches von Algier ein sehr labiler Gleichgewichtszustand zwischen diesen drei Kräften, die heute Frankreich repräsentieren: Die Armee hat sowohl die Ultras wie de Gaulle an einem klaren Sieg verhindert. Damit aber bleiben alle Probleme in der Schwebe; keines ist gelöst, und man wartet resigniert auf die nächste Erschütterung. Man hat davon geträumt, in der V. Republik die Gegensätze der französischen Politik im Zeichen der Grandeur in eine neue Einheit einzuschmelzen, und ist darin gescheitert. Was vor dem enttäuschten Publikum übrigbleibt, ist ein Rückschritt in der Geschichte, ist eine „Republik IVa“.
Sind die Ultras geschlagen?
Genau wie in der IV. Republik ist dabei jedes Lager stark genug, daß es die Politik der anderen blockieren kann, jedoch nicht stark genug, seine eigene Politik zum Siege zu führen.



