Der Kölner Kuppeleiprozeß – Was sind Orgien und was ist ein Sittenskandal?

gru-/Köln

Der Text der Justizpressestelle ist nicht sehr prägnant: „... am siebten Juni... haben sich vierzehn Angeklagte, teilweise in der Öffentlichkeit nicht unbekannte Männer, wegen Kuppelei zu verantworten. Ihnen wird vorgeworfen, ... in ihren Wohnungen Parties (Abendfeste) veranstaltet zu haben, wobei es zu unsittlichen Handlungen gekommen sein soll...“ Anderswo ist von Orgien die Rede, und daran entzündet sich die Diskussion in der Stadt: Wie haben die es wohl getrieben? Aber Einzelheiten dessen, was unter der Marke „Kölner Sittenskandal“ mit ebenso dürftigen wie geheimnisvollen Meldungen durch die Presse geht, wird in seinen Ursachen und Wirkungen den Interessenten unbekannt bleiben. Die Sitzungen sind „nicht öffentlich“. Auch das steht in jeder Zeitung.

Dennoch versammelte sich am siebten Juni in den Gängen vor dem Schwurgerichtssaal im Kölner Landgericht ein großes Publikum. „Von Wien ist „dies“ nach Paris gekommen, und von Paris nach Köln“, erklärt ein Herr – halblaut seinen Nachbarinnen. „Klein-Paris“, sagt die eine und erschauert. „So was hat es früher nicht gegeben“, erklärt eine andere. Der Herr ist anderer Ansicht: „Zu meiner Zeit – vor vierzig Jahren – sangen wir: Ach, wir vornehmen Mädchen sind für gewöhnlich – für gewöhnlich...“ – „In meinen Kreisen kannte man das nicht“, sagte die Dame spitz und dreht fortan dem Herrn den Rücken zu.

Ach, nur einen Blick ...

Die Diskussion wird durch den Justizwachtmeister unterbrochen: „Sind Sie geladen? Nein? Dann treten Sie bitte weg...“ Die Leute gehen drei Schritte weiter und schauen wieder zu dem Schild hinüber. „Nicht-öffentliche Sitzung“, steht auf dem Zettel neben dem Eingang zum Saale, in den sie so gern einen Blick – nur einen einzigen – geworfen hätten.

Auf der Anklagebank sitzen 13 Kölner Bürger: Ein Amtsgerichtsrat (beurlaubt), ein Arzt (seit einiger Zeit ohne Approbation), ein Tierarzt (der mit Wein handelt), drei Automobilverkäufer (die tatsächlich mit Autos handeln), ein Angestellter (Altmetall), ein Uhrengroßhändler (bankrott), ein Handwerksmeister, ein Vertreter (für Rasier- und Küchenmaschinen), ein Eisdielenbesitzer, ein Vermittler (für gebrauchte und neue Kraftwagen), ein Textilkaufmann (der laut Vorstrafe auch sonntags mit Südfrüchten handelt). Das sind die – laut Presse – „nicht unbekannten“ Männer. Schließlich kennt man aber unter ihnen nur einen: Der hat vor Jahren beim sogenannten Dreigestirn zum Karneval irgendeine Rolle gespielt. Der vierzehnte Angeklagte ist krank. Der fünfzehnte Mittäter, Sorayas Bruder Esfandiari, ist exterritorial und darum für die Staatsanwaltschaft nicht greifbar.