Angst vor der Währungsreform

Die Jugoslawische Bevölkerung sieht dem Jahresbeginn 1961 mit gemischten Gefühlen entgegen

Die Belgrader Presse hat bisher über die geplante jugoslawische Währungsreform nur eine einzige recht unscheinbare Meldung veröffentlicht, die unter der Bevölkerung jedoch bereits genügend Unruhe verursacht hat. Es sind gegenwärtig die unsinnigsten Gerüchte im Umlauf, derSchwarzhandel blüht und ein großer Teil der Bevölkerung ist damit beschäftigt, das Barvermögen durch Kauf um jeden Preis „sicher" anzulagen.

Als der stellvertretende amerikanische Außenminister Dillon im Juli in Belgrad weilte, machte er auch die Zusicherung, daß sich die USA mit 150 Mill. Dollar an der Sanierung der jugoslawischen Währung beteiligen werden. Inzwischen wurde bekannt, daß auch der Internationale Wählionen Dollar Jugoslawien gewähren wird. Der Betrag ist nicht sonderlich hoch. Washington wäre sicher auch ein noch höherer Dollarbetrag nicht zu schade gewesen, um Belgrad den Beitritt zum GATT zu ermöglichen. Aber Jugoslawien wollte sich nicht in noch größere Schulden stürzen, da es noch über nicht ausgewiesene Staatsreserven verfügt, die bei der Sanierung der Währung eine sinnvolle Verwendung finden sollen.

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Im Vordergrund steht vor allem die Reform der Festsetzung eines echten Dinarkurses der Schwarzhandel am wirksamsten bekämpft werdea kann. Wie verfahren die Situation zur Zeit ist, ergibt sich daraus, daß offiziell der Dollar in Belgrad immer noch mit nur 300 Dinar notiert is:, sich der Touristenkurs auf 400 beläuft, aber der Abgabekurs für Auslandsvaluten auf 700 Dinar lautet. Im kommenden Jahr soll nun endlich der unreale Kurs l Dollar gleich 300 Dinar in die reale Relation von 700 bis 750 Dinar für einen Dollar umgewandelt werden.

Durch diese Maßnahme wird Jugoslawien schlagartig zu einer größeren Deviseneinnahme als bisher kommen, da künftig die Auslandsreisenden ihre Valuten bei den jugoslawischen Banken und nicht auf dem schwarzen Markt tauschen werden. Von Jahr zu Jahr hatte das jugoslawische staatliche Reisebüro „Putnik" zwar feststellen können, daß sich die Zahl der Touristen sprunghaft vergrößerte, die Deviseneinnahmen aus dem Tourismus hingegen nach wie vor unbegreiflich niedrig blieben. Die illegale Einfuhr von Konsumgütern des gehobenen Bedarfs hat ebenfalls zur Schwächung der Währung beigetragen. Da sich die jugoslawischen Währungsexperten darüber im klaren sind, daß es nicht genügt, mit fremder Hilfe Währungsmaßnahmen einzuleiten, soll das Gleichgewicht in der Zahlungsbilanz durch eine erhöhte Inlandsproduktion in neuen Industriezweigen erreicht werden. In Kürze werden daher mehrere größere Betriebe, so eine Fabrik für Plastikmaterialien und Chemikalien in Zagreb, ein Werk der optischen Industrie sowie verschiedene Textilbetriebe und metallverarbeitende Werke in Slowenien, ihre Arbeit aufnehmen.

Die Erzeugnisse dieser Betriebe sollen vorwiegend für den Inlandsbedarf zur Verfügung stehen, so daß die Einfuhren an hochwertigen Konsumgütern gedrosselt werden können. Die Erweiterung der jugoslawischen Industriekapazitäten ist andererseits aber auch durch den chronischen Facharbeitermangel nur schrittweise möglich. Für die optische Industrie des Landes werden zur Zeit in den USA Fachleute herangebildet.

Mit Durchführung der Währungsreform werden auch die im Inland subventionierten Verkehrstarife, die zur Zeit die niedrigsten in ganz Europa sind, fortfallen. Die Bevölkerung befürchtet aber, daß andererseits bei gleich niedrigen. Löhnen die relativ hohen Preise für Konsumgüter des gehobenen Bedarfs nicht herabgesetzt werden; sie sieht dem Jahresbeginn 1961 mit gemischten Gefühlen entgegen. H. L.

 
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