Börsen sehen auf die UNO

T n den letzten Tagen war man in den Börsensälen wieder „unter sich". Die deutsche Bankenkundschaft, soweit es sich um Daueranieger handelt, hat sich durch die teilweise beträchtlichen Kursschwankungen bei den Aktien nicht beunruhigen lassen, um so weniger natürlich, als sich immer wieder zeigte, daß an schwachen Tagen die Rückkaufsneigung des Berufshandels recht beträchtlich wurde und auch Teile des Auslandes auf Basis der niedrigen Kurse wieder „einstiegen". Das Hin und Her auf der New Yorker UNOKonferenz spiegelte sich in der Börsentendenz wider, nicht nur in der deutschen, sondern auch in der Haltung der anderen europäischen Börsenplätze. Inwieweit die New Yorker Börsenschwäche (der Dow Jones Index erreichte in der abgelaufenen Woche seinen bisher tiefsten Stand in diesem Jahr) ebenfalls politische Ursachen hat, läßt sich schwer sagen. Die Tendenz der New Yorker Börse wird hauptsächlich durch die Konjunktur Disdaß die Eisenhower Regierung nichts mehr unternehmen wird, um dem amerikanischen Wirtschaftsleben neuen Auftrieb zu geben. So weit wie möglich wird an der Politik der „Verteidigung des Dollars" festgehalten. In Börsenkreisen ist man der Ansicht, daß man erst klarer sehen wird, wenn sich das Ergebnis der Abrüstungsdebatte abzeichnet. Kommt man in der Rüstungsfrage zu keiner Einigung, werden die USA ihre Rüstungspolitik überprüfen müssen — und das wird auf die Rüstungswerte nicht ohne Einfluß bleiben.

vorübergehende Unsicherheit, als bekannt wurde, daß Bundeswirtschaftsminister Erhard sich für eine energische Konjunkbatte um die DM Aufwertung doch eine breitere Basis gefunden hat, als man bislang in Kreisen der Bundesbank und der Bundesregierung wahr haben wollte. Es kam zu Realisationen bei den Aktien der Maschinenbauindustrie, die in starkem Maße von dem Exportboom profitiert und die von jeder Maßnahme, die den Export behindern könnte, entsprechend betroffen würde. Tatsächlich sind die Kurse dieser Papiere zur Zeit auf weiterhin glänzende Geschäftsjahre abgestellt; sie müßten revidiert werden, wenn sich diese Hoffnungen nicht erfüllen sollten.

Anzeige

pieren, die bislang als Favoriten galten, wurde vorsichtig disponiert. Das merkte man besonders bei den Automobilwerten. Steigende Kurse bei Daimler und NSU wurden sofort zu Gewinnmitnahmen ausgenutzt. Bei NSU kam die Debatte über den rückläufigen Absatz bei den deutschen Kleinwagen hinzu, die manchen Optimisten nachdenklich stimmen mußte. Relativ gut konnten sich dagegen die Bank Aktien behaupten. Bei ihnen wirkte sich stimmungsgemäß die Gründung eines deutsche Bankaktien enthalten sind Übrigens waren auch für Reichsbank Anteile stets Interessenten im Markt. Man hat wieder einmal die Hoffnung, daß der Bundestag demnächst das Abfindungsgesetz verabschieden wird und daß da- D Mark. Bei den deutschen Börsen gab es eine Aber auch Bei anderen Panach die Bundestank um eine rasche Tilgung der für die Reichsbank Anteile auszugebenden festverzinslichen Papieren bemüht sein wird.

Der Montan Markt erwies sich auch an den schwächeren Tagen als widerstandsfähig. Der Ums:and, daß die PhoenixRheinrohr AG ihren Umsatz in den ersten sieben Moiaten des Geschäftsjahres 195960 (30. 4 ) um fast 30 vH erhöhen konnte und daß er inzwischen weiter gestiegen ist, wird als typisch für die Situation bei den Eisen- und Stahlkonzernen angesehen. Man hofft, daß Rekordergebziehen werden Bei den Renten stand die rasche Zeichnung der öVaprozentigen BundesbahnAnleihe (zu 97 vH) im Vordergrund. Wie zu erwarten war, wurde die Emission schon wenige Stunden nach Zeichnungsbeginn wieder geschlossen. Obwohl die Bundesbank aus devisenpolitischen Gründen Wert darauf legen mußte, daß die Anleihe weitgehend im Inland verblieb, sind hohe Beträge ins Ausland gegangen. Der Zinssatz war attraktiv, besonders natürlbh für die ausländischen Anleger, welche für die Anleihe gleich nach der Zeidirung bereits 98V4 vH boten. Das wird verständlich, wenn man die Renditen der ausländischen festverzinslichen Wertpapiere zum Vergleich heranzieht. So wird jetzt in der Schweiz eine Weltbank Anleihe aufgelegt zu einem Zinssatz von 4 vH bei einem Ausgabekurs von 100 vH. Das Interesse des Auslandes an der Bundesbahn Anleihe ist also begreiflich, auch ohne Berücksichtigung der Währungsspekulation, also der Spekulation auf eine Aufwertung der

 
Service