Brief der Woche
Welcher Witzbold skurriler Prägung — aus Ihrer Redaktion doch wohl! — hat sich diesen unglaublich herrlichen Brief ausgedacht? Ich habe selten so lachen müssen! Dieter Waechter, Kiel Mit diebischem Vergnügen habe ich den „scharJen Protest" des Bundesführers des Verbandes der Werbemanager, Bonn, gegen einen Herrn Robert Neumann gelesen, der „wahrscheinlich irgendwo in einer kleinen Klipp Werbeagentur mühsam sein Leben mit dem Anpreisen von Pfennig Artikeln fristet".
Diese wirklich diebische Freude wird nur dadurch ein klein wenig getrübt, daß sich einem der Verdacht aufdrängt, dieser „scharfe Protest" sei von niemand anderem als von — Robert Neumann, der sich hier wieder einmal „mit fremden Federn" geschmückt hat, eben mit denen des Bundesfiihrers des Verbandes der Werbemanager. Dr. A. P. Paul, Bremen fr Mit wachsendem Interesse und zunehmender Besorgnis verfolgen wir seit einiger Zeit das steigende Niveau von Leserbriefen. Auch mehren sich andere rauhe Sitten; etwa die Unleserlichkeit der Unterschriften. Es wird lediglich ein mehr oder weniger nichtssagender Interessenverband angegeben, der als solcher meist unantastbar ist. Angreifbar wird ein Leserbrief erst, wenn man genaue Auskünfte über die Person des Briefstellers einholen kann. Das erspart die müßige Arbeit der Widerlegung von Argumenten.
Bei halbanonymen Briefen ziehen wir es daher vor, an Hand unseres umfangreichen Archives und Graphologen, eines stilistisch geschulten Mitarbeiterteams die anonymen Briefsteller zu entlarven. Nach mühsamer Arbeit bestätigte sich unsere anfängliche Vermutung, daß es sich um Robert Neumann persönlich handelt, der als Bundesjührer des Verbandes der Werbemanager: auf tritt. Es ist uns nun ein echtes Anliegen, in Zeiten der Vollbeschäftigung, diese geldraubende Forschungsarbeit weitgehend einzudämmen. Wir bitten daher alle BriefSchreiber, eine für die Redaktion leserliche Unterschrift abzuleisten.
Internationaler Brief schriftstellerverband, Göttingen gez : Hesse Pyko Weder die Redakfion noch Robert Neumann haben den „Brief der Woche" unfer dem Absender des „Verbandes der Werbemanager" verfaßt. Einige unserer Leser sind einem gewitzten Mitwisser aufgesessen, der uns unter der Adresse des gar nicht existierenden Verbandes der Werbemanager" seine Ironischen Zeilen schrieb. Wir hatten zunächst angenommen, es erübrige sich bei diesem „starken Toback" der besondere Hinweis, dafj es sich vermutlich um einen fingierten Absender handele (wie offenbar auch bei Herrn Hesse Pyko). Es schmückt sich halt nicht a lein Robert Neumann „mit fremden Federn". DIE ZEIT Brief der Wocho: „Deutsch für Italiener".
ZEIT Nr. 37 An Stelle eines Briefes schicke ich Ihnen zu dem Thema „Deutsch für Italiener" eine Aufnahme, die ich in einem Bergarbeiterheim in Siersdorf bei Aachen machte. Ich möchte darauf hinweisen, daß es dort schon seit Jahren üblich ist, ausländische Arbeitskräfte Deutsch zu lehren. Die italienischen Bergarbeiter werden zweimal in der Woche von einem Lehrer aus Aachen unterrichtet. Dieser Unterricht ist kostenlos. Er gründet sich offenbar in gewisser Beziehung auf den „Selbsterhaltungstrieb" beider Parteien; die Sicherheit im Bergwerk kann nicht gewährleistet sein, wenn der ausländische Arbeiter nicht die Anordnungen und Vorschriften seiner deutschen Kollegen und Vorgesetzten versteht. Karl Breyer, Aachen
- Datum 30.09.1960 - 07:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 30.9.1960 Nr. 40
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