Das Land unserer Väter

Erst jetzt wurden die scharfen Worte, bekannt, mit denen der polnische Kardinal Wysz ynski auf Bundeskanzler Adenauers Rede beim Ostpreußentreffen reagierte. Er hat gesagt: „An Euer Ohr drang das Echo der Drohung, die ein feindseliger Mensch im fernen Westen in seinem Hochmut und im Vertrauen auf" seine Macht gegen das Land unserer Väter und unsere Freiheit geschleudert hat. Vielleicht hat sich jetzt in manches Herz Furcht vor der Zukunft geschlichen. Aber schaut auf diese gewaltigen Burgen (er hielt die Predigt in der St. Georgs Kirche in Marienburg, Westpreußen), in denen einst der auf Stahl und Eisen vertrauende Hochmut genistet hat. Wo sind jene geblieben, die einst von diesen Burgen aus mit Gewalt und Haß herrschten?" Gott habe das christliche Polen in das ihm einst entrissene Gebiet zurückgeführt, meinte der Kardinal.

Obgleich man in protestantischen Kreisen oft der Meinung ist, Kirchenfürsten äußerten immer nur die Meinung Roms, läßt sich in diesem Fall das Gegenteil beweisen. So lautete ein Wort des katholischen Flüchtlingsbischofs (Heinrich Maria Janssen, Bischof von Hildesheim) zum Weltflüchtlingsjahr 1959: „Dies muß ebenfalls unsere auch im Wort lautwerdende Hilfe sein, daß wir es allen Vertriebenen und Verjagten, allen unter Druck Geflohenen und Ausgesiedelten bei uns und in aller Welt sagen: Ihr habt ein heiliges Recht auf eure Heimat! Das muß im Weltflüchtlingsjahr hinausgerufen werden bis an die Throne der Mächtigen der Erde, hinein in die Parlamente und auch in die Zwingburgen der Tyrannen: Wahrheit und Gerechtigkeit nur sind des Thrones Stützen! Gebt Heimatrecht denen, die ihr widerrechtlich verjagtet " Niemand wird bezweifeln, daß dies Wort auch zu den Ostpreußen gesprochen war. Und da wir schon bei den Ostpreußen sind, von allen katholischen Stimmen scheint uns die des ermländischen Kapitularvikars Paul Hoppe die beherzigenswerteste. Er schrieb im Mai 1959 in der von ihm herausgegebenen Zeitschrift „Ermlandbriefe": „Die Grausamkeiten, die in Polen im Namen des deutschen Volkes geschahen, sind von Polen an uns bitter gerächt worden durch die Vertreibung. Doch geht es nicht an, Schuld gegen Schuld aufzurechnen. Es wäre zu einfach, wenn wir jetzt nur sagen wollten: Durch gegenseitiges Unrecht sind wir nicht quitt miteinander. Wir haben an den Polen viel gutzumachen und sie an uns. Aber nicht die polnische Schuld lastet auf uns, sondern die eigene. Wir müssen versuchen, sie abzutragen. Das mindeste zunächst wäre, daß wir versuchen, unsere Mißverständnisse und Vorurteile den Polen gegenüber abzubauen. Es ist notwendig, daß wir uns über alle Hindernisse hinweg verständigen. Verständigung aber setzt Verständnis und Kenntnis des Partners voraus MD

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