Soziologische Aspekte der Konzentration (II) Die Unterwühlung des Eigentums

Die Führungsschicht der Großunternehmen — eher Treuhänder als Eigentümer Von Edgar Salin

"VTahrscheinlich ist es den Mitlebenden selten be™ wußt, wenn sich eine "Wandlung der Eigentumsvorstellung vollzieht, und noch weniger, wenn und daß sie selbst zu dieser Wandlung beitragen. Darum ist es vielleicht zweckmäßig, von zwei Seiten aus den sehr verborgenen Vorgang anzugehen. Zunächst sei daran erinnert, daß die Schulvorstellung von der „Heiligkeit des Privateigentums" knapp 150 Jahre alt ist; sie ist ebenso un antik wie unchristlich — erst in der bürgerlichen Zeit hat ein Wiener Erzbischof das Eigentum, das für Jesus und das Urchristentum eher den Weg ins Himmelreich versperrte und das für Thomas und die Kirche durch gute und fromme Verwendung sich zu rechtfertigen hacte, als „heilig" erklärt —, vielleicht schon im Gegenschlag gegen Rousseau und frühe Sozialisten, gegen die radikale Verneinung: La propriete, cest le vol.

Es wäre also nur der Verzicht auf eine Auffassung, die auf ein sehr kurzes Alter zurückblickt, wenn auch in den kapitalistischen Staaten von der „Heiligkeit" abgerückt und das Eigentum wieder als rechtliche Kategorie, als ethische Verpflichtung, als soziologisch politische Chance und als soziale Vorsorge verstanden würde. Dies ist bereits weitgehend der fall.

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Nicht immer nach außen. Gerade da sich in den ehemals kolonialen Gebieten Fälle häufen, in denen das Eigentum der ehemaligen Herrscher und der ihnen verbundenen kapitalistischen Gesellschaften halb oder ganz enteignet wird, werden überall, vor allem in den USA und in der Bundesrepublik, Versuche gestartet, um für Investitionen im Ausland und also für das draußen angelegte Vermögen einen besonderen Schutz zu erhalten. Aber daß dies nötig ist und überdies nur kurzfristig Hilfe verspricht, zeigt mit aller Deutlichkeit, daß die „Moral des ehrbaren Kaufmanns" zumindest keine Selbstverständlichkeit mehr darstellt. Und wenn heute kein westlicher Staat mehr wagt, die Beschlagnahme des ausländischen Eigentums seiner Bürger mit Waffengewalt rückgängig zu machen, so liegt darin nicht nur ein Zurückweichen vor der Kraft des Ostens, sondern in der Angst, als kapitalistische, kolonialistische, imperialistische Macht verschrien zu werden, zeigt sich offen, daß das gute Gewissen abhanden kam, mit dem das bürgerliche Europa die „Bürde des weißen Mannes" auf sich nahm und die afroasiatische Welt eroberte.

 
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