Die Vermögens-Zusammenballung läßt sich abbremsen

Damit wäre, soweit es in solch gedrängter Form überhaupt möglich ist, das Fazit aus den Verhandlungen gezogen, die von der Gesellschaft für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften — dem alten „Verein für Socialpolitik" — auf der diesjährigen Tagung in Bad Kissingen zum Thema „Konzentration" veranstaltet worden sind. Anzumerken ist allerdings, daß Professor Baiin (Basel), über dessen sehr dezidierte Meinung zur Konzentrationsfrage unsere Leser durch einen eigenen Beitrag des Autors unterrichtet werden, bei dieser resümierenden Darstellung gewissermaßen „außen vor" bleiben muß; sonst wäre auch ein Mindestmaß an „einheitlicher Meinung" nicht aufrechtzuerhalten.

Ein Bericht über den Kongreß der deutschen Wirtschaftswissenschaftler in Bad Kissingen wäre unvollständig ohne die Erwähnung der wissenschaftlichen Vorarbeiten, die durch Professor Helmut Ärndt (Berlin) besorgt worden sind, und deren Ergebnisse in Form einer umfassenden Materialsammlung (in drei Bänden mit weit über 2000 Druckseiten!) vorliegen: vieles von dem vorwegnehmend, was die vom Bundewirtschaftsministerium geplante Enquete über Stand, Ursachen und Wirkungen der Konzentration an Kenntnis der Fakten und an Erkenntnissen beibringen soll. Es ist weiter zu rühmen, wie Professor Neumark (Frankfurt), der Vorsitzende der Gesellschaft, den Verlauf der Tagung, über mancherlei sichtbare und unsichtbare Klippen hinweg, in souveräner Form gesteuert hat: mit viel Geschick, Geduld und Güte, dazu mit einigen Quentchen Humor, die wahrlich am Platze waren . Schließlich sind als die Träger der Hauptreferate, außer Prof. Salin, noch zu nennen: der Betriebswirtschaftler Prof. Hax (Frankfurt), der Marktwirtschaftler Prof. H. Müller (Freiburg) und der Sozialpolitiker Achinger (Frankfurt).

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Eine besondere Erwähnung verdient der Tübinger Professor Dr. Dr. Fohl, der zugleich Praktiker, nämlich Leiter eines „mittleren" Betriebes der feinmechanischen Industrie (in Ebingen) ist, mit seinem Referat über „Ursachen und Beeinflußbarkeit der Vermögenskonzentration". Hier wurde evident, daß der Wirtschaftspolitiker eben doch — was gar nicht so selbstverständlich ist, wie es klingt — über das zulängliche Handwerkszeug verfügt, um gewisse Entwicklungen zu fördern, andere hintanzuhalten: unter der Voraussetzung freilich, daß vorher über die Zielsetzung, über das, tvas „erwünscht" ist, völlige Klarheit geschaffen wurde. Will man, auf Grund einer allgemein politischen Entscheidung, weniger Vermögenskonzentration, als sie sich „von selber" ergibt, so wäre das, wie Prof. Fohl eindrucksvoll darlegte, etwa durch Förderung der Ersparnisbildung (aus den Arbeitseinkommen) zu erreichen, unter weitgehender Umschaltung von der („gesetzlichen") sozialen Sicherung auf die Selbstvorsorge, die durch steuerliche Maßnahmen zu fördern und zu ergänzen wäre. Dabei würde es sich um den Ersatz eines Teiles der indirekten Steuern durch eine stärker differenzierte —- nämlich die Ersparnisse begünstigende — Einkommensteuer handeln.

Als Korrelat derartiger Maßnahmen, die das Bild des Kapitalmarktes wesentlich ändern könnten, wäre die Selbstfinanzierung der Unternehmen (insbesondere durch hohe Besteuerung der nicht ausgeschütteten Gewinne) drastisch zu beschränken. Weiter empfiehlt Fohl „eine nach dem Verhältnis des Gewinns zum Umsatz (oder zum Eigenkapital) progressiv gestaffelte Gewinnbesteuerung" sowie einen „nach dem verbrauchten und dem nicht verbrauchten Teil gespaltenen stark progressiven Steuertarif für die (ausgeschütteten) individuellen Einkommen Um die — hier notwendige — Selbstfinanzierung bei den kleineren und mittleren Personalgesellschaften zu ermöglichen, will Fohl bei ihnen die nicht entnommenen Gewinne etwa analog der jetzt für die Körperschaftsteuer geltenden Regelung besteuern — relativ niedrig also, mit Steuersätzen, die nach der Unternehmensgröße zu staffeln wären. Das ist, wie man sieht, ein ganzes in sich ausgewogenes System von Maßnahmen: Wirtschaftspolitik vom Techniker — diesmal vom Finanztechniker — her konstruiert. Freilich verwahrt sich Prof. Fohl mit allem Nachdruck gegen die mißverständliche Auslegung, daß seine Konzeption, die nur als Beispiel für die Möglichkeit einer Realisierung bestimmter Zielsetzungen gedacht sei, als „Föhl Plan" abgestempelt werde, und daß man ihm unterstelle, er wolle dergleichen im politischen Bereich, als eine- Art Patentlösung, propagieren . Immerhin: hier sind Anregungen gegeben, was wirtschaftspolitisch getan werden kann — und was deshalb wohl sehr ernsthaft diskutiert werden muß.

 
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