Ein Denkmal
Dim mecklenburgischen Kreis Hagenow ist keineswegs ein zufälliges Sammelsurium von Feldsteinen, wie man annehmen könnte. Es ist ein Denkmal besonderer Art, aufgeschichtet in der Absicht „vielen Reisenden aus Westdeutschland vom neuen Geist friedlicher, genossenschaftlicher Arbeit in den mecklenburgischen Dörfern zu künden". Wie in Neu Gülze türmten die Bauern auch in anderen Teilen des Bezirks Schwerin solche Steinhaufen auf. Sogar die hektische Erntekampagne mußte zurückstehen, als es galt, mit Fahnen und Spruchbändern die Grenzsteine „feierlich einzuholen", mit denen vor fünfzehn Jahren das „Junkerland" in NeubauernParzellen zerteilt wurde. Nachdem die Kollektivierungswalze über das Land gerollt ist, sind die seinerzeit gesetzten Grenzsteine überflüssig geworden. Wohin damit? Die SED wußte Rat. Hymnisch heißt es in der Parteipresse: zusammengefügte Denkmäler künden in den Dörfern unseres Bezirks am 15. Jahrestag der demokratischen Bodenreform von ihrer siegreichen Vollendung. Inmitten des Dorfes werden sie noch künftigen Generationen vom Übergang aller Bauern ziti fortschrittlichsten Produktionsweise Zeugnis ablegen. Während noch heute in vielen Dörfern Kriegsdenkmäler an die mit dem Blut Millionen junger Bauern befleckte Herrschaft des preußisch deutschen Militarismus erinnern, haben die Bauern, die Lehren aus der Geschichte ziehend, nicht auch noch dem Völkermorden desZweitenWel tkriegs ein Denkmal gesetzt, sondern jener Umwälzung, die vor fünfzehn Jahren um des Friedens willen dem Sozialismus auf dem Lande den Weg bahnte " betätigen. Der Rat des Kreises Parchim gab das Beispiel. Er forderte sie zu „künstlerischen Anregungen bei der Ausgestaltung der Erinnerungsmäler" auf, die im Rahmen des „1 sozialistischen Volkskunstwettbewerbs" prämiiert werden sollen. ISO Ostmark erwarten den besten „Anreger". an ,Hagenow er Steinhaufen neben der Straße von Hamburg nach Berlin am Dorfausgang von Neu Gülze „Aus vielen Grenz- und Feldsteinen liebevoll Nun sollen sich auch die Genossen Volkskünstler
- Datum 30.09.1960 - 07:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 30.9.1960 Nr. 40
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