Kanada sucht Exportmärkte
Führende Industrielle bereisen die Bundesrepublik D. C, Montreal, Ende September
Die Bundesrepublik ist nach und nach zu einem wichtigen Kunden für Kanada geworden. Um so aufmerksamer verfolgen kanadische Geschäftsleute und Regierungsstellen das Entstehen des Gemeinsamen Marktes in Europa und alle Anzeichen, die über das weitere Schicksal des deutsch kanadischen Handels Aufschluß geben könnten. Bis einschließlich 1958 hat die Bundesrepublik beispielsweise mehr chemische Erzeugnisse aus Kanada eingeführt als sie selbst nach Kanada lieferte. Seitdem hat sich das Bild, allerdings verschoben. Kanada möchte aber seinen Export nach Deutschland nicht abbauen, sondern im Gegenteil intensivieren. Trotz allen Reichtums an Rohstoffen fehlt es in dem riesigen Land zwischen Atlantik und Pazifik nämlich an Arbeitsplätzen, welche nicht saisonalen Schwankungen unterworfen sind. Abhilfe kann nur von der weiterverarbeitenden Industrie kommen, nicht von der Landwirtschaft oder dem Bergbau im Norden des Landes , Mitte Oktober werden kanadische Industrielle zusammen mit dem stellvertretenden Handelsminister James A. Roberts sechs Tage lang Westdeutschland bereisen. Konferenzen sind in Bonn, Düsseldorf, Hamburg urid Frankfurt vorgesehen. Wie wichtig diese Gespräche für Kanada sind, geht schon daraus hervor, daß;es sich bei den Kanadiern ausnahmslos umdie maßgebenden Männerführender Unternehmen handelt.
Soweit bis jetzt bekannt, werden an der DeutschlandReise u a die Präsidenten folgender Unternehmen teilnehmen: Abitibi Power & Paper (D. W. Ambridge), Noranda Mines Ltd (J. R. BradEeld), Aluminium of Canada (Fräser F. Bruce), T jrnational Nickel (J. R. Gordon, Consolidated Mining & Smelting (W. S. Kirkpatrick), DuPont of Canada (H. H. Lank), Asbestos Corporation (A. L. Pennale), Dow Chemicals Ltd (L. D. Smithers), Atlas Steels (George de Young), AngloCanadian Pulp & Paper (E. M. Little), Polymer Corporation (E. R. Rowzee), sowie der Vizepräsident der Rio Tinto Mining Corporation, Dr. E. B. Gillanders. Die Namen lassen schon erkennen, in welcher Richtung die kanadischen Bemühungen vornehmlich gehen werden. In den letzten fünf Jahren beliefen sich die kanadischen Ausfuhren nach Deutschland durchschnittlich auf 132 5 Mill, Dollar. Den weitaus größten Teil davon machten Weizen und anderes Getreide aus, sowie ölsaat, Eisenerz, Aluminium, NichtEisenmetalle, Asbest, chemische Produkte sowie Flugzeugmötoren und. Spezialteile. Natürlich gehen die Hoffnungen auf kanadischer Seite dahin, künftig diese Positionen auszubauen. Kanadische Außenhandelskreise weisen in diesem Zusammenhang darauf hin, daß Deutschland auch bei fortschreitendem Zollabbau innerhalb des Gemeinsamen Marktes am Export nach dritten Ländern interessiert sein müsse. Als Importeur deutscher Waren kann Kanada recht ansehnliche Zahlen aufweisen. Im Jahre 1959 erreichten seine Einfuhren aus Deutschland 126 6 Mill. Dollar. Rechnet man noch jene 25 Mill. Dollar hinzu, die von kanadischen Truppen in Deutschland jährlich für Waren und Dienstleistungen ausgegeben werden, dann kauft Kanada zur Zeit mehr in Deutschland, als es exportiert.
- Datum 30.09.1960 - 07:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 30.9.1960 Nr. 40
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