Kegeln politisch
In Ihrem Artikel wird der Splitter im Äugt des anderen beschrieben, der Balken im eigener. jedoch nicht gesehen. Lang und breit lassen Sii sich über Ihre Bemühungen aus, Strafanzeige zt, stellen. Gegen wen? Warum? Wenn die Zonensportler das Staatsemblem der DDR zeigen, so ; ja noch nicht gesagt, daß sie es freiwillig tun. We vermag zu sagen, ob nicht die Beteiligung de Zonen Kegler an den Meisterschaften überhaupt (von deren Regierung) unterbunden worden wärt, wenn sie nicht mit Emblemen hätten auftreten. dürfen? Die Strafanzeige kann wohl nur schaden. Wolfgang Lüder, cand iur, Berlin .
Kegeln ist eine Sache und politisches FeingefüH eine andere, die offensichtlich schwer miteinander in Einklang zu bringen sind. Unsere Kegelbrüder werden es sicher weit von sich weisen, wollte mat sie als Handlanger Pankows bezeichnen, sie habet natürlich nur ihren Sport im Sinn. Peinlich ist nui, daß sie auch die sowjetzonale Sprachregelung übeinommen haben: DDR und DBR. Und da dürfet sie sich nicht wundern, wenn der kritische Beobachter auf Hintergedanken kommt. Ein Staat namens Deutsche Bundesrepublik existiert nämlith gar nicht, die Wortfolge paßt nur so gut im Sinne der Zweistaatentheorie zur „Deutschen Demokratischen Republik".
Doch kann man Kegelbrüdern nicht vorwerfen, was selbst die deutsche Vertretung in Paris, den Sitz der UNESCO, noch nicht beanstandet hat. In dem sehenswerten Gebäude dieser Weltorganisation wird der Besucher auf verschiedensprachigen Faltblättern über die Beteiligung der einzelnen Länder am Neubau unterrichtet. Der englischsprerrchende Besucher erfährt von der „Federal Republic of Germany", der Franzose liest „Republique federale dAllemagne". Bezeichnend ist, daß die kommunistische Zeitung „LHumanite" grundsätzlich „Republique federale allemande" neben „Republique democratique allemande" schreibt. Der deutsche UNESCO Besucher wird über eine „Deutsche Bundesrepublik" unterrichtet und fragt sich erstaunt, wo die wohl liegen mag — Ob unsere Botschaft in Paris jetzt im Sinne der „Hallsteindoktrin" mit oich selber die diplomatischen Beziehungen abbricht? Winfried Heide, Münster
- Datum 30.09.1960 - 07:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 30.9.1960 Nr. 40
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