Kesse "Liebesspiele"
Über die „Liebesspiele" kann man nicht etwa — wie Alfred Polgar über das französischeKonversationsstück — sagen: „Nichts, aber in Seidenpapier". Zwar gehört es, innerhalb der noitvelli ist ein Lustspiel, aber es hat eine genau gezielte Keßheit und Frische, und die gereizten Obertöne hört man bis zum Schluß. Selbst als die junge Aniquitätenhändlerin Suzanne des Widerspenstigen Zähmung vollbracht und ihn, den Maler Victor, für die Legalisierung der „Liebesspiele" gewonnen hat, bleibt seine grimmige Verachtung gegen die Schablonen des bürgerlichen Zusammenlebens bestehen.
Vorher leben sie (in einer kleinen Straße des men, als ein ungleiches Liebespaar: Sie will, er will nicht: Heirat und Kinder. Der Film ist sehr französisch. Was anderswo (und hierzulande) zumeist peinlich geriete, ist gemeistert. Es wird auf eine erstaimliche Weise die Kunst der „geschmackvollen Anstößigkeiten" geübt. Es geht mehr als einmal haarscharf an der Grenze des Noch Zulässigen vorbei. Und blitzschnell. Denn nicht nur der „Ton", auch das Tempo macht hier die „Musik". Der Film, dessen deutsche Synchronisation eine Crux ist, wurde von Philippe de Brocca inszeniert — in der Produktion jenes jatigenClaudeCbabrol, der durch seinen Film „Les Cousins" Aufsehen erregte. Zu den Reizen der Regie wie des Drehbuchs (de Brocca neben D. Boulanger) gehört die Lebensnähe. Das betrifft das psychologische Detail (im Dialog) wie das Milieu. Hier wird eben nicht mit luxuriösen „Straßenkreuzern" durch die Alleen gekurvt, man fährt ganz bescheiden einen „Deux Zu den Darstellern, die den Stil gut beherrschen, gehören in erster Linie P. Cassel, ]. L. Maury und Genevieve Cluny. Die 29jährige Genevieve Cluny, die bis vor einiger Zeit Reklame für einen amerikanischen Kosmetikkonzern machte und in „Les Cousins" eine kleine Rolle spielte, tritt hier als Suzanne in ihrer ersten großen Rolle auf. Sie ist keine „Beaute" — ihrem Gesicht fehlt die fade drucksvolles Gesicht. Und sie weiß damit was anzufangen: Spiden kann sie. R. D.
- Datum 30.09.1960 - 07:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 30.9.1960 Nr. 40
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