Mystisches um Simson und Delila

Die Urbilder menschlicher Leidenschaff im Alten Testament und in den antiken Götterund Heldensagen sind für Künstler eine gefährliche Versuchung. Jede Übertragung in eine Situation der Gegenwart zwingt zum Vergleich mit dem entlehnten Grundmotiv und richtet die Gestaltungskraft eines Autors. Nelly Sachs wagte sich nun an das Simson Delila Thema. In der umsichtigen Funkbearbeitung von Alfred Andersch brachte der Süddeutsche Rundfunk ihr kaum bekanntes dramatisches Gedicht „Simson fällt durch die Jahrtausende".

Um es vorwegzunehmen: Der kühne Griff scheint nicht gerechtfertigt zu sein. Die Dichterin pflegt eine barock wuchernde Sprache, die sich in nur schwer verständlichen Allegorien verliert. Aus dem biblischen Paar entstanden ein Schuldiener und seine Frau, die mit Hula Hoop Reifen auf Linie trainiert. Die karge, wuchtige Erzählung aus dem Buch der Richter wurde zu einem dunklen Gewölk mit Irrenhaus, Fallsucht, Geliebten und unehelichem Kind. In einem Strudel prunkender Worte verflüchtigen sich die Zusammenhänge. Das Ungeheure, der Verrat am angetrauten, Mann, wird bis zur Unkenntlichkeit zerredet. Passagen reiner Dichtung wechseln mit mehr gewollten als gefühlten Bildern. Nelly Sachs verfügt über den längeren Atem — der Hörer resigniert schon auf halbem Weg. Denn die lyrischen Visionen, die in verschwimmende Umrisse gefaßten Rätsel verlieren ihre Magie, sobald sie über die angemessene Gedichtlänge hinaus 55 Minuten lang strapaziert werden.

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Ich mißtraue heute dem mystisch Wallenden und wünsche nur, daß die großen Gebärden fürs Großartige aufgespart bleiben. Helmut Kauer T n dem ausgezeichneten, nur durch die Mittel des A Fernsehens so wirkungsvollen Bericht „Stiefvater Staat" über die Fürsorgeerziehung zeigten Heinz Stuckmann und Norbert Mai ein gutes Gespür für die Probleme dieses fünften Rades der Kommunalpolitik.

„Die deutschen Anstalten sind ein lebendiges Museum der Geschichte der Fürsorge Wahrlich! Und es ist grauenerregend, wieviel mittelalterliche Brecheisenpädagogik sich noch hinter Mauern, Gittern und dreifach verriegelten Türen verbirgt. Die verzweifelte Revolte der Eingesperrten muß ja Haß und seelische Unzugänglichkeit mit sich bringen. Bewunderung hingegen gebührt den anderen Pädagogen, die mit großem Idealismus und minimaler Besoldung wirklich die ihnen anvertrauten Jugendlichen zur Gesellschaft erziehen, statt die Gesellschaft vor ihnen zu bewahren. Die Verwahrlosung beruht oft auf neurotischen Mechanismen. Bei den Verwahrlosten gibt es in der Regel keine eindeutige Gewissensausbildung. Warum? Weil die geschiedenen Eltern völlig verschiedene Einflüsse auf ihr Kind auszuüben versuchen, das Kind sitzt „zwischen zwei Stühlen"; oder weil die Eltern selbst asozial und zur Gewissensvermittlung nicht fähig sind. Ein Verwahrloster ist nicht ein Mensch mit zuviel Trieben, sondern mit zuwenig Kontrollriegeln, die er vor diese Triebe schieben kann. Daß manche Erzieher diese fundamentalen Erkenntnisse aus den zwanziger Jahren immer noch nicht verwerten, ist bedauerlich. So ist leider auci heute noch der Satz des großen Wiener Pädagogeri August Aichhorn aktuell: „Wenn wir bedenken!, daß Anlaß zur Verwahrlosung mit Ursache verwechselt wird, so ist die vielfach falsche Auffassung, was mit den Verwahrlosten zu geschehen hat, begreiflich Z. kämpfe vorn Fingerhakeln bis zum Bierfaß Stemmen in „Wer ko der ko". 20 40: „Das Kamel geht durch das Nadelöhr", ein Lustspiel des Prager Volksdramatikers Frantisek Langer.

mödie „Venus im Licht" in der Inszenierung von Peter Beauvais. 21 50: Friedrich Luft, Hans Heinz Stuckenschmidt und Thilo Kocb berichten über die 10. Berliner Festwochen: „Vorhang auf!" ungarischen Bartokfestivals überträgt das Deutsche Fernsehen mit dem fast unbekannten Ballett Bela Bartoks „Der holzgeschnitzte Prinz".

logie auf die „Sprache der Tiere" angewandt. Es geht um die Verständigung in der Kinderstube. 21 05: Andre Birabeaus Paris Stück „Das Paradies" von verständnislosen Eltern, die Großeltern werden, ohne davon zu ahnen, Richard Häußler, Irene von Meyendorff und andere spielen unter der Regie von Hans Quest.

 
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