Von Eka v. Merveldt

Man könnte meinen, es sei eine Weinschaumsoße. Doch ist es ein Fragespiel, das ich Touristen selbst im japanischen Thermalbad von Hakone und in Angkor im Urwald von Kambodscha spielen hörte. Zuletzt war’s auf der Luxusjacht „Stella Maris“ auf dem Weg nach Istanbul. Ich saß an einem Tisch mit Amerikanern. Eine schmale, sprühende Person, die das Leben reisend zu verbringen schien, unterhielt uns, während sich ihr Mann groß, massiv und bedeutend wirkend, in Schweigen hüllte. Madame spielte mit mir das Spiel „Have you ever been in Italy?“ Ich sagte: „Yes.“ Weiter: „Have you ever been in Venice?“ Die Antwort: „Yes.“ – „Have you ever been chez Padovani?“ Ich mußte passen, ich sagte nein. Sie jubelte triumphierend: „You shuld do“ (gesprochen „Schuddu“ – „Das sollten Sie schleunigst nachholen“), und ich hatte verloren.

Aber sie gönnte uns keine Ruhe, das Spiel ging weiter, Frankreich kam daran und dann die Türkei. So ging es durch Länder und Kontinente. Der Ehemann saß schweigend daneben, rauchte und schien sich mehr zu langweilen als zu amüsieren. Als Madame endlich eine längere Pause machte, weil ihr offensichtlich kein Land mehr einfiel, richtete sich der Koloß, plötzlich wach werdend, auf, und ich schöpfte Hoffnung, denn ich glaubte schon, er würde mich von dem Unsinn erlösen. Da grollte er mit tiefem Baß: „Have you ever been in...“

Das also sind die Regeln des Spiels: Man spielt es am besten in englischer Sprache, weil Engländer und Amerikaner es am liebsten spielen und die Regeln am trefflichsten beherrschen. Man kann natürlich auch deutsch fragen: Waren Sie schon mal in ... Nein? ... Das sollten Sie aber tun...

Man kann es spielen, nur um den „Snobwert“ zu kosten, daß man weiter gereist ist als der andere. Man sollte es nicht spielen, um den anderen zu irritieren und verlegen zu machen. Man kann es unter gleich weit Gereisten üben, um die Zeit unterwegs totzuschlagen. Man kann es aus Gewinnsucht spielen und auf hohe Einsätze sehen. Wer noch nie bei Padovani in Venedig gesessen hat, in Hakone gebadet oder in einen isländischen Geysir Seife geworfen hat, damit er hochspringt, ist eben ein armer Tropf und muß verlieren.

Hier habe ich drei Tips, wie man auch gegen den Weitgereisten sicher gewinnen kann. Man kann ihn damit sofort matt setzen. Hat man aber den Verdacht, daß der Mitspieler sich danach wirklich die Adresse notiert (kein echter Schuddu-Spieler tut das), so soll man sich den Partner vorher noch einmal genau daraufhin ansehen, ob er Spaß versteht und ob er das einfache Leben liebt. Denn dieses sind Geheimtips ohne Snobvalue. Die erste Frage:

Have you ever been in Greece? Oder, wenn man schon in Griechenland ist: Have you ever been in Volos? Heißt darauf noch die Antwort „Ja“, so spielt man seinen Trumpf aus, der sicher sticht: „Have you ever been in Trikeri?“ Ein klares „Nein“ wird die Antwort sein. Selbst die Griechen müssen da passen und haben nicht (noch nicht) die blindeste Ahnung, wo das liegt und was das ist. Eher schon einige Deutsche. Denn am großen Golf von Volos in Mittelgriechenland sind schon jene deutschen Grundstücksucher unterwegs, die man auch im Tessia, in Irland und am Vesuv trifft.