Von Manfred Sack

Es muß’einer schon recht böse sein, wenn er von „gewissen Experten“ spricht (die immerhin nicht ohne Grund die Mehrheit bilden) und Wendungen gebraucht wie „falsch ist – richtig ist vielmehr“. Fast eine Aufforderung zum Kampf ist die Monographie von

Horst H. Lange: „Nick LaRocca“; Band 8 der Jazzbücherei; Pegasus Verlag, Wetzlar; 64 S., 16 Abb., 4,80 DM.

Ungestüm und zornig und mit steifem Ernst verficht Lange die immerhin ungewöhnliche These, der Jazz sei eine Erfindung weißer, nicht schwarzer Musiker. Sein Zeuge ist Dominic James LaRocca, ein weißer amerikanischer Jazzmusiker, dessen früher Ruhm von 1916 und 1917 nur wenige Jahre gedauert hat. Er wurde zwar nicht vergessen, aber die Rolle, die ihm in der Jazzhistorie zugewiesen ward, ist keine Hauptrolle. Und das wurmte ihn und offenbar auch seinen deutschen Biographen Horst H. Lange.

Lange schimpft sie aus, die „gewissen Jazzexperten“, weil sie den amerikanischen Negern nachsagten, nur sie hätten den Jazz ganz allmählich – und später zusammen mit weißen Musikern – entwickelt als eine „improvisierte amerikanische Musik, die europäische Instrumente gebraucht und Elemente europäischer Harmonik, europäischafrikanischer Melodik und afrikanischer Rhythmik miteinander verbindet“ (So definierte es Stearns).

Über die Neger, die in New Orleans um die Jahrhundertwende musizierten, sagte indessen La-Rocca: „In diesen frühen Tagen spielten die farbigen Bands ein Konglomerat an Lärm ... Die frühen Negerorchester waren mit Violinen, Banjos und Celli überladen, wenn es nicht gerade reine Brass-Marschbands waren, und spielten alles andere als Jazz, und vom afrikanischen Rhythmus wußten sie erst recht nichts.“ Erfunden habe den Jazz, sagt Lange, eben erst Nick LaRocca (der vor einigen Wochen in Amerika gestorben ist).

Er war freilich nicht der erste, dem dies Verdienst zugeschrieben wurde. Buddy Bolden, W. C. Handy, Jelly Roll Morton und einige andere wollen’s gewesen sein – Behauptungen, die längst widerlegt worden sind.