New Yorker „Zufall“
Duckwitz wurde nicht erwähnt
Im Mai 1940 hatten deutsche Divisionen Dänemark besetzt, und im September 1943 bereiteten Hitlers Schergen den großen Schlag gegen die Juden des Landes vor. Sie sollten, wie so viele ihrer Brüder und Schwestern, bei Nacht und Nebel nach Osten verladen werden – in Richtung Auschwitz.
Aber der Plan mißlang: Als die Schergen mit ihrer Razzia begannen, fanden sie nur noch verlassene Wohnungen vor. Der deutsche Diplomat Georg Ferdinand Duckwitz, der damals als Schifffahrtssachverständiger bei der Botschaft in Kopenhagen Dienst tat – heute ist er Leiter der Ost-Abteilung im Bonner Auswärtigen Amt – hatte drei Tage zuvor die dänische Untergrundbewegung von den Plänen der Reichsregierung in Kenntnis gesetzt und so die Flucht der Juden ermöglicht.
Diese Begebenheiten kamen jetzt im Eichmann-Prozeß wieder ausführlich zur Sprache. Viele Leute wurden genannt, die damals bei der heimlichen Evakuierung der Juden nach Schweden mitgewirkt haben. Doch in den beiden führenden Zeitungen der USA, in der New York Times und der New York Herald Tribune würde ein Name nicht genannt, und zwar gerade jener der Schlüsselfigur. Der deutsche Diplomat Duckwitz wurde mit Schweigen übergangen.
Ein merkwürdiger „Zufall“! Oder fürchteten die ehemaligen Umerzieher, die Deutschen könnten es als moralische Denazifizierung betrachten, daß einer der ihren sich menschlich verhielt? Keine Sorge, wir wissen, daß der Pharisäer nicht weniger pharisäerhaft wurde, weil ein Samaritersich erbarmte über den, der unter die Mörder fiel. Dff.





