Der tägliche Ablauf des Wettergeschehens wird nicht nur von den Meßgeräten der Meteorologen registriert. Wir alle haben feine Antennen für atmosphärische Vorgänge, wenn es auch nur den „Wetterempfindlichen“ unter uns unmittelbar bewußt wird. Wie und wo das Wetter auf uns wirkt, darüber wissen wir freilich noch wenig. Reizbarkeit und Kopfschmerzen, Depressionen, ja Herzkrämpfe und organische Störungen bei bestimmtem Wetter müssen wir noch immer als ein unvermeidliches Übel und als undurchsichtiges Problem hinnehmen.

Der statistisch bewiesene Wettereinfluß auf den Menschen ist auf jeden Fall ein sehr vielschichtiges Geschehen. Hoher Feuchtigkeitsgehalt der Luft löst Narbenschmerzen aus oder Wenn der Föhn weht, werden die Menschen reizbar – auf so einfache Nenner läßt sich das Problem nicht bringen. Es ist durchaus so, daß eine bestimmte Wetterlage für den einen mit einem Leistungsabfall verbunden ist, während sie den anderen aktiviert.

Um zwei Fragen geht es vor allem. Erstens: Welche Wetterlagen sind für die Beschwerden verantwortlich? Und zweitens: Auf welche Weise greift der Wettereinfluß in unser Allgemeinbefinden ein?

Zur Frage des kritischen Wettertyps hat die Medizin-Meteorologische Forschungsstelle des Deutschen Wetterdienstes in Bad Tölz einen interessanten Beitrag geliefert. Der frühere Leiter Dr. Ungeheuer und sein Nachfolger Dr. Brezowsky haben acht verschiedene Wetterphasen im idealen Wetterablauf für unsere Breiten ermittelt, denen ein statistisch nachzuweisendes typisches Befinden vieler Menschen zugeordnet, werden kann.

Das Allgemeinbefinden der Menschen bei diesen Wetterlagen ermittelten die beiden Forscher durch statistische Erhebungen über Betriebsunfälle, Schülerleistungen und Krankheitserscheinungen. Dabei ergab sich, daß vor allem das föhnig übersteigerte Schönwetter, der aufkommende und der vollzogene Wetterumschlag störend oder hemmend auf den Menschen wirken und das gesteigerte Schönwetter den günstigsten Einfluß auf das Allgemeinbefinden hat.

Die Reaktionen wetterempfindlicher Menschen stellen sich gewöhnlich so prompt ein, daß man bereits interne medizin-meteorologische Wetterdienste für Krankenhäuser eingerichtet, hat. Ihr Sinn ist es, die Ärzte im voraus über kritische Weiterentwicklungen zu informieren und ihnen die Möglichkeit zu geben, schwierige Operationen zu verschieben. Mit diesem ständigen speziellen Wetterdienst hat man insbesondere in Hamburg, Göttingen und Tübingen gute Erfahrungen gemacht. Ungünstige Wetterlagen nämlich begünstigen vor allem nach Operationen die Entwicklung von Embolien.

Aber nicht alle wetterfühligen Menschen reagieren auf bestimmte meteorologische Situationen in gleicher Weise. So haben jene Menschen, die zu der von den Medizin-Meteorologen als A-Typ bezeichneten Gruppe gehören, eine längere Reaktionszeit. Sie sind anfälliger gegenüber Luftdruckverschiebungen und Temperaturschwankungen als die B-Typen, die sich rasch einem veränderten Umweltmilieu anpassen und weniger unter der Wetterfühligkeit zu leiden haben.