DIE ZEIT

Alarmpläne

Es hat keinen Sinn, sich über die Indiskretion der New York Herald Tribune aufzuregen. Das Blatt hat am Montag einen angeblichen westlichen „Alarmplan“ für Berlin veröffentlicht, der für den Fall, daß das Ulbricht-Regime nach dem Abschluß eines Separatfriedensvertrages Westberlin von der Bundesrepublik abschnüren sollte, einen begrenzten, von Helmstedt aus geführten Vorstoß nach Mitteldeutschland vorsieht.

Alarmsignale

Die Alarmsignale für Berlin mehren sich. Die Unterbrechung der deutsch-sowjetischen Verhandlungen über ein neues Kulturabkommen wegen der Frage, ob Westberlin dabei einbezogen werden solle, und die Weigerung des Ostblocks, an dem internationalen Wasserversorgungskongreß in Westberlin teilzunehmen, weil Bundespräsident Lübke die Schirmherrschaft übernommen hatte – beides deutet auf neue Stürme für die geteilte deutsche Hauptstadt hin.

Das Treffen der Zwei

Illusionen wollen diesmal nirgends recht keimen vor der Begegnung der Mächtigen – wie sollten sie auch? Zu düster sind die weltpolitischen Kulissen, zu unberechenbar Verlauf und Ergebnis des Wiener Kongresses, zu groß das Risiko des Fehlschlages und der Preis des Scheiterns.

Die fatalen Gemeinsamkeiten

Der Wahlkampf hat offiziell noch gar nicht begonnen. Dennoch zerbrechen sich die Kritiker schon die Köpfe darüber, was dabei alles falsch gemacht wird.

Stellungskrieg in Evian

In Evian nichts Neues“ – so lautet allabendlich das Fazit eines Konferenztages am Genfer See. Unter den vielen Beobachtern herrscht Langeweile, da sich außer der umständlichen und langwierigen Behandlung von Verfahrensfragen nichts Entscheidendes ereignet, noch nicht einmal anbahnt.

TV-Trauerspiel

Das Zweite Fernsehprogramm ist ein sehr interessantes Thema. Aber es ist wiederum auch nicht so interessant, daß es monatelang die Gemüter beschäftigen sollte – als gäbe es in unserer Bundesrepublik überhaupt kein brennenderes innenpolitisches Thema.

Die teuren Gäste

Die Wiener Begegnung zwischen dem amerikanischen Präsidenten und dem russischen Machthaber ist gewiß eine sehr ernste Angelegenheit.

Zeitspiegel

Ein deutscher Diplomat in Lissabon soll nach einer Meldung des Londoner „Observer“ enthüllt haben, daß die Bundesrepublik Portugal 10 000 Sturmgewehre israelischen Ursprungs zur Verwendung in Angola geliefert habe; weitere Lieferungen sollen folgen.

Die Rechenmaschine der SPD

Bonn, Ende Mai Was geht eigentlich im Kopf eines Wahlstrategenvor, der erkennen muß, daß die Chancen seiner Partei im Wahlkampf so gering geachtet werden, daß man nicht einmal mehr ernsthaft darüber diskutiert? Man täusche sich nicht: auch da schnurrt fröhlich eine Rechenmaschine.

Ehescheidungsreform „um jeden Preis“?

Wenn für den Versuch einer Gesetzesänderung je die Bezeichnung „klammheimlich“ zutraf, dann für das Be-... mühen der CDU, noch vor Ende der Legislaturperiode eine Neufassung des Scheidungsparagraphen 48 im Ehegesetz durchzubringen.

Hoffnung für Südtirol

Vor ein paar Wochen noch fürchtete man in Rom, Südtirol könne zum Schauplatz blutiger Guerilla-Kämpfe werden. Jetzt, nach den italienischösterreichischen Verhandlungen in Klagenfurt, sieht man das Südtirol-Problem mit neuem Optimismus.

Kunterbunte Wahlkreis-Geometrie

Der kleinste Wahlkreis der Bundesrepublik hat 127000 Einwohner, der größte 385000. Beide entsenden je einen Vertreter in den Bundestag.

Wohlstand – und was nun?

Über den „Fluch des Bienenstaates“ hat Marion Gräfin Dönhoff vor vierzehn Tagen geschrieben. An ihre Gedankengänge schließt der folgende Artikel an.

Die Märchen des Kronzeugen

Die Kommunisten nehmen die Zeugen für ihre Verleumdungskampagne gegen Bonner Politiker, wo sie sie finden. Hauptsache: die Aussagen passen in ihr Konzept.

Die Richter von Jerusalem

Mit ruhiger Autorität und kühler Sachlichkeit versuchen sie, die Emotionen einzudämmen

Minimal-Spesen

Jetzt ist die Zeit, da viele Mütter die Koffer für die Klassenreise ihrer Kinder packen. Manche mag dabei vielleicht auch einmal an die Mühen und an die Verantwortung denken, die die Lehrer auf sich nehmen müssen, die für die Zeit einer solchen Reise praktisch 24 Stunden am Tag „im Dienst“ sind.

Baut Türme!

Nun hat also auch Frankfurt ein neues Wahrzeichen.Seit Pfingsten dreht sich auf einem 120 Meter hohen Brauerei-Silo ein Restaurant mit Fernblick bis zum Westerwald.

Nordrhein-Westfalen: Der Gelehrtenstreit im Gerichtssaal

Vor den Türen ihres Seminars – im benachbarten Landgericht – können die Jurastudenten der Universität Münster in diesen Tagen einen Prozeß erleben, den spätere Studentengenerationen mit Sicherheit in ihren Lehrbüchern wiederfinden werden.

Bremen: Nur ein paar schwarze Schafe?

Wir können doch unmöglich jede Veranstaltung der Volkshochschule von den staatlichen Sicherheitsorganen überwachen lassen.“ Mit dieser Feststellung beantwortete Bremens Innensenator, der in der Hansestadt wegen seiner ruhigen Sachlichkeit geschätzte sozialdemokratische Bürgermeister Adolf Ehlers, die nach einer turbulent verlaufenen Volkshochschul-Diskussion über den Eichmann-Prozeß aufgetauchte Frage, wo denn in diesem Fall die beamteten Verfassungsschützer geblieben seien.

Warum nicht die Hochschulen?

Auf die Frage „Warum nur die Hochschulen?“, welche Professor Dr. Killy in der ZEIT Nr. 21 gestellt hat, erreichte uns eine Antwort von Dr.

Hermann Broch †

Der große österreichische Prosadichter Hermann Broch, zuletzt Gastprofessor an der Yale-Universität in New Haven, ist dort 65jährig gestorben .

In geheimem Dienst

Seit der mißlungenen Kuba-Invasion (die ja nicht gegen die Monroe-Doktrin verstieß, weil die Bewohner der westlichen Hemisphäre dabei unter sich blieben) wird er beschattet, bespitzelt, der Lächerlichkeit preisgegeben; man demütigt ihn, verfolgt ihn, mißtraut ihm.

Löcher im Eisernen Vorhang

Wenn man sich ansieht, was weniges die belletristischen Zonenverlage an Übersetzungsliteratur anbieten, so gewinnt man den Eindruck, daß in einem „sozialistischen“ Staatsgebilde die Hereinnahme moderner westlicher Titel undenkbar ist.

Kleiner Kunstkalender

Die beiden englischen Maler (Tisdall wurde 1910 in München geboren und lebt seit 1930 in London) werden im Rahmen der Auslandskulturtage der Stadt Dortmund 1961 „Deutschland – England“ bis zum 11.

Mein Bild

Mein liebstes Bild? Die Venus von Lucas Cranach. Jetzt steht es da. Nicht etwa, daß ich mich dessen schämte, aber ich wundere mich, daß ich so gedruckt lügen kann.

Das Dilemma der Seelenärzte

Am 27. Mai 1961 tagte in Baden-Baden die Versammlung der „südwestdeutschen Psychiater“ der wohl traditionsreichste deutsche Psychiaterkongreß, und beschäftigte sich mit den Problemen der Begutachtung und Entschädigung ehemaliger KZ-Häftlinge.

Der Behördenbrief

Schreiben müßte man können, dachte er. Der Schmitting versteht sich bestens drauf, der ernährt mit seiner Feder eine ganze Familie, fiel ihm ein, und da er bei dem schon mal Tapeten geklebt hatte, ging er hin und bat ihn um die Gefälligkeit, ihm einen Brief an die Behörde aufzusetzen.

Zu gründliche Arbeit?

In Moskau ist eine eigentümliche Kontroverse ausgebrochen – zwischen dem Institut für Weltliteratur und der Zeitschrift Parteileben, dem Sprachrohr der Kreml-Führung.

Gewissensentscheidung eines Italieners

Es ist erstaunlich, wie viele junge und, was mehr zählt, wie viele tüchtige Regisseure es heute in Italien gibt, die fest entschlossen sind, aktuelle und schwierige Themen aufzugreifen.

Zeitmosaik

Unsere Zeit, die man bisweilen als ein Zeitalter der Kritik bezeichnet hat, fällt nicht so sehr durch eine massive und auf systematischen Abschluß bedachte Orthodoxie der Literaturkritik auf, als vielmehr durch die Mannigfaltigkeit der Stimmen und deren nahezu mörderische Neigung zur Mißgunst.

Die Revolution unter den Rippen

Es wird immer auffälliger. Jungen Menschen wird etwas zugeschrieben, was von ihnen vielleicht am sichtbarsten dargestellt – aber nicht in die Welt gesetzt worden ist: eine radikale Abkehr von den ererbten Göttern – als da sind: Anpassung, Wettbewerb, Erfolg, Tritt in Reih und Glied .

Unser Seller-Teller Mai 1961

Dies ist einer unserer kurioseren Seller-Teller, und das aus zwei Gründen: einmal sind drei der fünf Titel „Bücher der Neunzehn“ – ein Zeichen dafür, wie diese Reihe sich in den letzten Monaten gemausert hat; steten Erfolg war sie seit ihrem Bestehen gewohnt, doch dieser plötzliche Aufschwung ist in der Tat spektakulär.

Zu empfehlen

ES ENTHÄLT – oder vielmehr ist ein alphabetisch nach Autoren geordnetes Register der nach dem Krieg erschienenen Taschenbücher und Buchgemeinschaftsausgaben, die in allen anderen Bibliographien zu kurz kommen oder ganz ignoriert werden; verzeichnet sind jeweils die wichtigsten bibliographischen Angaben (einschließlich Preis, Seitenzahl und möglichst Erscheinungsjahr) der Original- und anschließend der Sonderausgaben; berücksichtigt wurde die Produktion von sechzehn deutschen und österreichischen Buchgemeinschaften; Redaktionsschluß war der 1.

Funk

Da lebt nun einer seit vierzehn Jahren mit seiner Frau brav und bieder vor sich hin, geht pünktlich ins Büro und kommt pünktlich aus dem Büro, liest am Abend die Zeitung, hört das Radio und macht am Sonntag dann einen Spaziergang mit den Kindern durch den Stadtpark.

Im Fernsehstudio herrscht der Fernsehjargon

Wir machen doch nicht auf ‚Ab‘ ab“, vergewisserte sich die Bildmischerin beim Chef vom Dienst, „sondern wir geben das Stationsdia als Otto ’raus?“ Der Gefragte nickte.

Theater

Drei ausländische Institute gastierten während der drei Wochen dauernden Festspiele in Wiesbaden: das Teatro Massimo aus Palermo, die Belgrader Staatsoper und das „Ballett des 20.

Donnerstag, 25. Mai:: Zwitter zwischen Theater und Film

Der Dramatiker Arthur Miller hat mit diesem Stück wenige Jahre nach Kriegsende seinen ersten großen Erfolg errungen. Das in der analytischen Technik Ibsens geschriebene Familiendrama hat seitdem die Prüfung als Kunstwerk aber nicht bestanden.

Das Dorf erwacht

Das indische Dorf erwacht; Hier vollziehen sich gegenwärtig die großen wirtschaftlichen und sozialen Umwälzungen, mit denen Indien versucht, den Anschluß an die Industriestaaten der Welt zu gewinnen.

Am Rande vermerkt: Entwicklungshilfe aus Steuern?

Im Europäischen Parlament hat kürzlich ein Mitglied der EWG-Kommission, Robert Lemaignen, die Frage aufgeworfen, ob man nicht die Verbrauchsteuern auf tropischen Produkten in den EWG-Staaten fallenlassen könnte.

Bausparer in Bedrängnis

Der bislang so ungetrübten Bausparfreude hat die „Geschäftsstelle öffentliche Bausparkassen“ mit ihrem dieser Tage vorgelegten Jahresbericht 1960 einen fühlbaren Dämpfer aufgesetzt.

Wirtschaft und Religion (I): Der Fortschrittsmythos wird entthront

Je mehr die Wirtschaft von einer gesellschaftlichen Teilsphäre unter vielen anderen zum Lebenszentrum der modernen Gesellschaft wurde, desto heftiger drängte sie auch in das Zentrum der gesellschaftlichen Problematik und verlangte immer energischer ihre soziologische, historische und philosophische Deutung.

Draußen vor der Tür

In Kreisen der Londoner City neigt man mehr und mehr der Auffassung zu, daß ein baldiges Einsteigen Englands in den Gemeinsamen Markt unausweichlich ist.

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