DIE ZEIT

Der Pyrrhus-Sieg von Biserta

Welche Vorstellungen macht sich Burgiba denn von den Franzosen? Hält er sie für so heruntergekommen und dekadent, daß sie sich eine derartige Behandlung ihres Landes und ihrer Fahne gefallen lassen – Diese rhetorische Frage, von André François-Poncet im „Figaro“ aufgeworfen, gibt die Stimmung wieder, von der die Mehrheit der Franzosen in diesen Tagen beseelt ist.

England auf schmaler Ration

Ohne Rücksicht auf den möglichen (und sehr wahrscheinlichen) Schwund an Wählersympathien hat die konservative Regierung Macmillan ihr Austerity-Programm durch Schatzkanzler Selwyn Lloyd im Unterhaus verkünden lassen.

Nkrumah in Moskau

Ist Ghana auf dem besten Wege, in das Lager des Ostblocks hinüberzugehen? Präsident Nkrumah hat soeben als erster nichtkommunistischer Staatsmann der Welt die sowjetischen Deutschland- und Berlin-Pläne im Abschlußkommunique zu seinem Moskaubesuch unterstützt.

Scheibe gegen Scheibe

Wie Baumwipfel im aufkommenden Wind schwanken seit einigen Wochen die Prognosen im westlichen Blätterwald zur Berlin-Krise. Man weiß, das Barometer zeigt aufkommenden Ostwind an, aber wird er sich zum Orkan auswachsen? Während sich der deutsche Urlauber an der Küste der Adria oder auf Mallorca von der Sonne des Südens bescheinen läßt, wird die Entscheidung reifen.

Wie lange noch?

In dieser Woche sind es wieder täglich über 1000 Menschen, die aus der Zone flüchten, die ihr Hab und Gut im Stich lassen, ihrer Heimat den Rücken kehren.

Ideen-Lieferant für die USA

Der breitschultrige, wuchtige Mann machte eine recht komische Figur: Der Cut war viel zu eng, die Ärmel um eine Handbreit zu kurz – die gestreiften Hosen dagegen viel zu lang.

Zeitspiegel

„Hitler hatte den Boden des Rechts verlassen; deshalb war der Eid auf ihn nicht mehr bindend. Der Eid ist in der Geschichte des Abendlandes immer eine zweiseitige Verpflichtung gewesen; er bindet den, der ihn entgegennimmt nicht weniger als den, der ihn leistet.

Der Wut folgt die Angst

Die Fallschirmjäger in ihrem „Leoparden-Kampfanzug“ stehen neben den Panzerwagen am Eingang der Europäer-Stadt; nur wenige Meter entfernt stehen die tunesischen Soldaten.

„Schluß mit Frankreich!“

Der tunesische Staatspräsident Habib Burgiba saß gerade im Gespräch mit Jean Daniel, dem Vertreter der Pariser Wochenzeitung „L’Expreh“, einem der bestunterrichteten Journalisten in Nordafrika, als er nach, der Lektüre eines ihm dargereichten Schreibens ausrief: „Na also! Das ist die Kraftprobe!“ Es handelte sich um die französische Note, die auf Burgibas Forderung, den Stützpunkt Biserta sofort zu räumen, folgende Antwort gab: Frankreich sei nach wie vor zu Verhandlungen bereit, doch lehne es Manifestationen und Drohungen ab.

Was wirklich geschah

Da hat man nun tagelang gerätselt und gedeutelt, was auf der Bonner EWG-Konferenz vom 18. Juli denn wirklich an greifbaren Ergebnissen herausgekommen sei.

Eschenburg antwortet den Kritikern

Die Redaktion hatte ihre Bedenken gegen meine Auffassung, die in dem Artikel „Lohnt es sich, die FDP zu wählen“ vertreten wurde, dennoch hat sie ihn publiziert.

Streit unter Brüdern

Es lohnt sich, FDP zu wählen, schon deshalb, weil das von Theodor Eschenburg für die Bundesrepublik herbeigewünschte Zwei-Parteien-System zur Natur der deutschen Parteien nicht paßt.

Moskau: Ende des „Interregnums“

Das erste Parteiprogramm der sowjetischen KP wurde im Juni 1903 auf dem II. Parteitag in London angenommen. Es proklamierte zwar als Endziel die Errichtung der Diktatur des Proletariats und die Verwirklichung des Sozialismus, stellte aber damals – unter den Bedingungen des Zarismus – die demokratischen Freiheiten in den Vordergrund: allgemeines, gleiches und geheimes Wahlrecht, lokale Selbstverwaltung, Unantastbarkeit der Person und der Wohnung, Freiheit des Wohnungswechsels und uneingeschränkte Freiheit des Glaubens, des Wortes, der Presse, der Versammlungen und Vereinigungen.

Hamburg: Die Polizisten waren beleidigt

Bestellen Sie ihrem Mann, daß wir diese Richtung nicht wollen in Norddeutschland. Wir merken schon längst, worauf man mit allen diesen sogenannten Kunstwerken hinauswill: man will uns den Uno-Menschen propagieren! Man serviert uns solche Plattfußindianer, damit wir uns daran gewöhnen, daß unsere nordische Rasse nichts mehr gilt in der Welt.

Bremen: Ganz Bremen hat den Schnupfen

Während die mehr als 16 000 Arbeitnehmer der staatlichen Borgward-Werke AG. zur Zeit geschlossen Urlaub machen, treibt der Fall des Automobilkonzerns einem dramatischen Ende zu.

Schleswig-Holstein: Rechnung ohne den Landwirt

Wenn der große Feuilletonist Victor Aubertin noch lebte, dann hätte er vielleicht über den „Krieg“, der zwischen der altehrwürdigen Hansestadt Lübeck und drei Bauern in der Lübecker Nachbarschaft ausgebrochen ist, eine kleine Geschichte geschrieben – ein Feuilleton, in dem er beiden einen Spiegel vorgehalten und ihnen mit leichtem Kopfnicken gesagt hätte: Ach Kinder, laßt das doch! Warum denn gleich so grob? Genützt hätte das wohl auch nichts, denn drei Bauern, die sich im Recht fühlen, halten von geistreichen Feuilletons nicht viel.

Taxi-Politik

Ein Taxi ist schwarz. Manchmal hat es einen weißen Streifen an der Seite. Manchmal aber auch nicht. Die Aufschrift „Taxi“ trägt es an der Windschutzscheibe, am Rückfenster und (oder) auf dem Dach.

Die Positionen müssen gehalten werden

Enttäuschungen hängen wohl damit zusammen, daß die Einrichtung isoliert blieb und daß ihr keine neuen Kräfte zugeführt wurden, daß sich der Blutkreislauf nicht bildete, in dem sie Kraft und Nahrung gefunden hätte.

Die Prügelknaben

Auf einigen Botschaften wird es da gehörige Überraschungen geben. Da hielt man einen Kollegen immer für einen zwar netten, aber doch ziemlich naiven, einfältigen und ganz unfähigen Patron – und plötzlich packt er seine Koffer, um nach Amerika zurückzukehren, und offenbart damit zugleich, daß er in Wirklichkeit ein Geheimdienstmann war.

Zeitfragen: Ist Ballett Kunst?

Am Rande der Festspiele in Bad Hersfeld hat es eine Panne gegeben. Ein Ballett-Abend, der als Sonderveranstaltung außerhalb des offiziellen Programms am 24.

Kleiner Kunstkalender

Rund 250 Bilder der „peintres naifs“ aus vielen Ländern zwischen Osteuropa und Südamerika: zum erstenmal zeigt ein deutsches Museum das Gebiet der Sonntagsmalerei in diesem Umfang.

Luxus

Unverantwortlichen Luxus der Massen nannte der nordrhein-westfälische Wirtschaftsminister in einer Rede vor der Kölner Handwerker-Innung den deutschen Genußmittelverbrauch .

Mit jedem Dichter eine neue Welt

Gerne hätte ich mich der überflüssigen Mühe unterzogen, für die köstlichen kleinen Romane Morands ein regelrechtes Vorwort zu schreiben.

Die schönsten Schallplatten

„Duette aus sechs Ländern“ – Victoria de los Angeles / Dietrich Fischer-Dieskau / GeraldMoore / Edmund Drolc / Irmgard Poppen(Electrola 91 098; 24,– DM).

Jeder weiß, wer Ernst Deutsch ist

Im Düsseldorfer Schauspielhaus hat Karl Heinz Stroux während der abgelaufenen Spielzeit „Vor Sonnenuntergang“ von Gerhart Hauptmann inszeniert.

Sein Kampf wird nicht geführt

Es war ein nationales Trauma, dem ich mich gegenüberfand, als ich in fünfzehn Antiquariaten in einem halben Dutzend deutscher Städte nach einem Exemplar von „Mein Kampf“ fragte.

Wolkenwunder Sagan

Sieben Jahre nachdem sie in der Literatur gewissermaßen die Bank gesprengt hat, ist Françoise Sagan für die französischen Kritiker noch immer ein Rätsel.

Zeitmosaik

Anläßlich der Jahrestagung der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, deren Höhepunkt der Vortrag „Bild und Wort“ von Max Picard bildete, gab Professor Dr.

General-Verriß der deutschen Literatur

Bekannte Romanciers, Dramatiker oder Lyriker, denen der Erfolg auf ihrem eigentlichen Betätigungsfeld nicht ausreicht, verspüren bisweilen das dringende Bedürfnis, sich über die Werke ihrer Kollegen – der Zeitgenossen und der Meister der Vergangenheit – kritisch zu äußern.

Mein Bild

Das Thema „Mein Bild“ möchte ich streng im Sinne des besitzanzeigenden Fürwortes auffassen und keinen Anspruch damit verbinden, irgendeinen Höchstwert, sei es auch nur den des eigenen Geschmacks, zu äußern.

Zu empfehlen

ES GEFÄLLT als ein sehr brauchbares, angenehm übersichtlich und groß gedrucktes Fachwörterbuch, das, ohne sich in philologische Einzelheiten zu verlieren, dem Praktiker an die Hand gibt, was nötig ist: zuverlässige deutsche Entsprechungen für die englischen Ausdrücke.

Auf Darwins Spuren...

Der Volksmund erzählt, der große Newton habe die Gesetze der Schwerkraft entdeckt, als ihm einmal ein Apfel auf den Kopf fiel, und James Watt sei von einem klappernden Teetopfdeckel angeregt worden, die Dampfmaschine zu konstruieren.

„Die blonde Hee“

Der großartige Sieg von Heidi Schmid bei den Fecht-Meisterschaften in Turin hat überall die Erinnerung an Helene Mayer wachgerufen.

Die große Versuchung

Adrian Paulen hat auch als „Endfünfziger“ noch das schmale Gesicht, und er trägt noch immer die gleiche randlose Brille wie in den zwanziger Jahren, als er der beste holländische und einer der schnellsten europäischen Mittelstreckenläufer war.

Wenn Klingen blitzen

Zum erstenmal wurden Weltmeisterschaften im Fechten durch das Fernsehen übertragen. Wie nicht anders zu erwarten, wurde vor dem entscheidenden Gefecht von Heidi Schmid aus Augsburg, das ihr den Weltmeistertitel sicherte, abgeschaltet.

Zeiten – Punkte – Resultate

London. Vor 25 000 Zuschauern gewinnen die Amerikaner, ihren dritten Länderkampf in einen, Woche. Sie besiegen England mit 122:88 Punkten.

Entwicklungshilfe im Meer

In Windeseile hatte sich das Gerücht von dem „Wunder“ herumgesprochen, Selten waren die Menschen in einem kleinen schottischen Fischerdorf so hurtig und zahlreich an der Hafenmole zusammengekommen wie an jenem Tag, da einer der Ihren in seinem Boot einen wahrhaft ungewöhnlichen Fang mit von See brachte.

Erfindungen

Die Entwicklung eines Transistors, der so klein ist, daß 20 000 Stück davon auf einer Briefmarke Platz hätten, wird von der Radio Corporation of America (RCA) berichtet.

Richtung Zukunft

Auf dem Weltkongreß der Architekten, der vor einigen Wochen in London stattfand, wurde ausführlich über die Wohnungsnot debattiert.

ZEIT-Zünder

Die Reihenimpfung mit dem Sabin-Impfstoff gegen die Kinderlähmung wird nunmehr auch von der amerikanischen Ärztevereinigung empfohlen.

Zurück zur Theorie

Am 12. April veröffentlichte die Prawda ein Dekret, das die Koordinierung von reiner und angewandter wissenschaftlicher Arbeit unter Aufsicht des Ministerrats in der Sowjetunion verfügte.

Der Triumph der schwarzen Venus

Neu-Bayreuth hat sich durchgesetzt! Schon vor Beginn der diesjährigen Festspiele waren sämtliche achtundzwanzig Vorstellungen ausverkauft.

Fernsehen

Das Fernsehen ist familienfördernd. Anhänglichkeit unter Ehepaaren, tatkräftige Unterstützung auch in Mühsal und Arbeit gedeihen in TV-Studios besser als anderswo.

Film

„Barfuß durch die Hölle“ (Japan; Atlas-Filmverleih): Gegen Ende des letzten Weltkrieges. Japans Industrie und Militär laugen die Mandschurei gnadenlos aus.

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