Theater

Als literarisch-politisches Zeugnis aus dem Polen von heute inszenierte Dieter Munck die Groteske des 31jährigen Satirikers, die in Polen (1958) als Theaterventil für die unterdrückte Meinungsfreiheit dienen mag. In einem utopischen Staat sind alle Bürger derart von der Regierurig begeistert, daß die politische Polizei arbeitslos wird. Um ihre Existenzberechtigung dennoch zu beweisen, gibt der Polizeikommandant einem seiner Sergeanten den Befehl, über das Staatsoberhaupt zu lästern, und sperrt ihn „Lieben Sie Brahrns?" (USA, Verleih: United Artists): Da haben wir den Edelkitsch. Unter, dem Titel „Goodbye Again" machte Produzent und Regisseur Anatole Litvak aus dem Roman der Francoise Sagan vollends ein Melodrama. Die vierzigjährige Dekorateurin (Ingrid Bergman) möchte den Freund (Yves Montand) heiraten. Der will aber nicht. Da holt sie sich einen exzentrischen Millionärsjüngling ins Haus (Anthony Perkins). Der will. F.r lädt sie zum Brahmskonzert ein. Als es so weit ist, will aber doch der alte Freund.' Da fällt ihm die Dekorateurin jubelnd um den Hals: Konzertbesuche sind ja doch nur pubertär. — Die Regie ist altmodisch, aber sie hat ein großes Plus: Sie gibt den Schauspielern Gelegenheit, sich zu entfalten. Und das war bei Ingrid Bergman der Mühe wert, ihre Rolle wird trotz aller widrigen Umstände lebendig. Hoffen wir, daß dieser Film ihr ganz große,. Comeback wird. kub

„Mörderisch" (USA, Columbia-Filmverleih): Man möge niemandem verraten, worum es geht,, bittet Produzent und Regisseur William Castle zum Schluß des Films. Wir fühlen uns zum Gegenteil verpflichtet. Von einer mordsüchtigen Frau also, die ein Mann ist, der wiederum eigentlich eine Frau ist, wird hier berichtet. Das ist nun keineswegs als Parodie auf Hitchcocks „Psycho" in Szene gesetzt, gebärdet sich vielmehr superfreudianisch und möchte gar ein Dokument menschlicher Verwirrungen sein. Was uns aber geboten wird, sind miserabelstes Feuerwehrtheater der Akteure (eines Transvestiten namens Jean Arless besonders) und eine Kamera-Arbeit, die mangelhafte Äusleuchtung schon für den Gipfelpunkt der Spannungsmache hält. Doch hat das sein Gutes, beraubt es den Film nämlich seiner Sadismen und gibt ihn der Lächerlichkeit preis. rpk

„Der Fälscher von London" (Deutschland, Constantin-Film-Verleih): Goldmanns Taschen-Krimi Nr. 67 ist verfilmt und damit ein neuer Edgar Wallace in Bild und Ton umgesetzt. Viele werden folgen. Ob die verzweifelte Filmindustrie damit das magische Mittel gefunden hat, sein Publikum vor den Verlockungen des Fernsehens zu bewahren? Das ist zu bezweifeln. Die biedere Hausmannskost, die da vorgesetzt wird, unterscheidet sich nicht attraktiv genug vom Fernsehprogramm. — Dabei ist „Der Fälscher von London" durchaus sachgerecht verfilmt (Regie: Harald Reinl), und Wallace-Versessene mögen die Modernisierungen schätzen. Näher zu untersuchen wäre aber die seltsame Rolle, die» die moderne Kunst auch in diesem Film spielen muß: Der sympathische Held sticht zierlich Kupfer, während der verbrecherische Psychiater in moderner Malerei, schwelgt. kub

„Kalamitäten" (Deutschland, Gottinga Film Verleih): Nach den Mißerfolgen deutscher Filme auf der Berlinale und in Venedig die £rstprodukcion eines jungen Unternehmers; . Verfasser des gleichnamigen Theaterstücks (Alwin Woesthoff) :st Drehbuchautor und Regisseur in seinem ersten 7ilm; die meisten Darsteller das erste Mal vor der iamera; der erste Spielfilm des Kameramanns; die trste Filmmusik des Komponisten ... Nur die Geschichte ist nicht neu: Bei Abwesenheit des Psychiaters Colin steigt sein junger Assistenzarzt des Nachts irrtümlich in das Schlafzimmer der anmuein. In der Zelle, ohne Uniform und Kontakt mit der Propaganda, werden dem Gefangenen plötzlich die Fehler des Systems, dem er dient, bewußt. Den Sergeanten spielte Franz Kollasch.

GÖTTINGEN (Deutsches Theater): : „Der arme Heinrich" von G. Hauptmann

. Heinz Hilpert wird nicht müde, sich als Regisseur für Dichtungen einzusetzen, die auf der Bühne kern Heimatrecht erwerben konnten. So, wie er zweimal (in Konstanz und in Göttingen) Hugo von Hofmannsthals „Bergwerk zu Falun" auf Spielbarkeit erprobte, trat er neuerdings zweimal für Gerhart Hauptmanns dramatische Legende vpm „Armen Heinrich" ein: bei den diesjährigen Wiener Festwochen und zur Spielzeiteröffnung in seinem Göttinger Theater. Durch dramaturgische Eingriffe versuchte der Regisseur, dem Mangel an dramatischer Spannung entgegenzuwirken. Nach dem Urteil der Welt „besitzt das Göttinger Ensemble -in Lizzi Reisenberger zwar eine Schauspielerin, die alles für die Ottegebe mitbringt..." Doch „Rudolf Grabow als Heinrich war ein ritterlicher Herr, der Hauptmanns schöne Blankverse wohl zu sprechen wußte — aber kein Empörer." Jac

MÜNCHEN (Residenztheater):

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  • Quelle DIE ZEIT, 29.09.1961 Nr. 40
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