DIE ZEIT

wer....was....wo....warum....

Soll die Bedrohung Goas ein Ablenkungsmanöver von der Bedrohung im Norden sein! Gar ein Wahlkampf-Schachzug! Noch operiert Nehru vorsichtig.

Das Dilemma von Paris

Man hat sich auf halbem Wege getroffen – dies war der Kommentar eines französischen Beamten zu jenem Gespräch zwischen Adenauer und de Gaulle, das die Vorstufe für das westliche Außenministertreffen bildete, dem wiederum die Sitzung des NATO-Rates gefolgt ist.

Des Nachbars Portemonnaie

Meint man bei uns wirklich immer nur die anderen, wenn von Opfern die Rede ist? Willy Brandt drückte es in der Aussprache über die Regierungserklärung ungefähr so aus.

Schuldspruch in Jerusalem

Nach 116 Sitzungen, die sich über vier Monate und drei Tage erstreckten, und nach vier weiteren Monaten intensiver Beratung hat das Jerusalemer Sondergericht den ehemaligen SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann schuldig gesprochen – schuldig in allen 15 Anklagepunkten, schuldig also an dem Versuch, das europäische Judentum physisch zu vernichten.

Deserteure aus Gewissensnot

Weil der Romanheld flüchtete, stand der Verleger vor Gericht – Die Bomben werter „bestraften“ sofort

Hausherr in der Husarenstraße

Nach ein paar Photos, die man gesehen hat, müßte Vertriebenenminister Wolfgang Mischnick wie ein überernährter, schwerfälliger Koloß wirken.

Vorbild Tanganjika

In fließendem Suaheli konnte Kai-Uwe von Hassel dem Regierungschef von Tanganjika, Julius Nyerere, zum Unabhängigkeitstag die Bonner Glückwünsche ausrichten.

Zeitspiegel

Südafrikas Ministerpräsident Verwoerd versucht, seine Politik der Apartheid auf Biegen und Brechen durchzusetzen. Dazu gehört, daß er Tausende von Eingeborenen in den nächsten Jahren aus Kapland in besondere Distrikte umsiedeln, will: Nur so sei eine „getrennte Entwicklung“ durchführbar.

Außenpolitik – nicht auf der Schmalspur

Wenn die bloße Macht, die öde und brutaleKraft der Waffen heute das Schicksal der Menschheit zu bestimmen scheinen und die Außenpolitik sich nur noch darum bemüht, das Unheil des Krieges zu verhindern, dann stellt sich vor unserem Gewissen die Frage, ob wir etwas versäumt haben oder falsche Wege gegangen sind, die es zu einer so gefährlichen Alternative überhaupt haben kommen lassen.

Die FDP-Kontrolleure

Jedesmal, wenn in Bonn eine neue Bundesregierung gebildet wird, taucht der Plan auf, parlamentarische Staatssekretäre zu ernennen.

Schmutziger Krieg in Katanga?

Seit den Mittagsstunden des 5. Dezember, da die Kämpfe zwischen den Truppen der Vereinten Nationen und den Soldaten Moise Tschombes in der separatistischen Kongo-Provinz Katanga aufs Neue ausbrachen, sind die Unkenrufe wieder lauter geworden.

Gerücht aus dem Kreml

Hat Nikita Chruschtschow am vergangenen Sonnabend einen Schwächeanfall erlitten? Die Meldung ist bisher nicht bestätigt worden, Es steht lediglich fest, daß der Kremlherr an enem Tage bei seiner Rede vor dem Gewerkschaftskongreß mehr als üblich gestottert und öfter als sonst den Faden verloren hat.

Bonn holt militärisch auf

Der Bundesrat wird am Freitag die Novelle zum Wehrpflichtgesetz, die – das Bundeskabinett vor einigen Tagen verabschiedet hat, im ersten Durchgang passieren lassen.

„Das Klassenbewußtsein fehlt“

Was sind wohl die Sorgen eines Ministers für staatliche Sicherheit in der DDR – eines Mannes, der über einen Staat wachen soll, in dem mit Gewalt und gegen den Willen der Bevölkerung der Sozialismus Moskauer Prägung eingeführt wird.

Nordrhein-Westfalen: Autobahn mit sechs Spuren

Einige Herren des Landschaftsverbandes Rheinland hatten in diesen Wochen Sekt mitgebracht, als sie zum Dienst kamen. Sie hatten gewettet, daß die geplante Bauzeit von 50 Wochen für den Ausbau der Autobahn Köln / Mülheim–Leverkusener Kreuz van vier auf sechs Spuren nicht eingehalten werden könne.

Hessen: „Ein Volk von Vorbestraften“

Dem neuen Bundesjustizminister Wolfgang Stammberger ist es schon zu Beginn seiner Amtszeit gelungen, in die Schlagzeilen der Zeitungen zu rücken: mit dem Plan, die Promille-Marke für Fahruntüchtigkeit von 1,5 auf 0,8 herabzusetzen.

Bayern: Ein Abgeordneter im Porzellanladen

Jener bayerischen Interessentengruppe, die erst als „Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten“, dann als „Gesamtdeutscher Block“, zwischendurch auch als „Nationaldemokratische Union“ firmierte und sich im Augenblick „Gesamtdeutsche Partei“ nennt, ist es gelungen, ins Gerede zu kommen.

Kuba auf des Kremls Weg?

„Ich bin Marxist-Leninist und werde es bis zu meinem Tode bleiben“ – mit diesem Bekenntnis hat Fidel Castro Anfang Dezember seinen politischen Standort enthüllt.

Kleiner Kunstkalender

Die 200 Blätter von Ernst Ludwig Kirchner (1880 – 1938), vorwiegend Druckgraphik, dazu Aquarelle und Zeichnungen, stammen aus der „Brücke“-Zeit in Dresden, aus den Berliner Jahren vor 1914 und vom Anfang der zwanziger Jahre, als er in der Schweiz nach schwerer Krankheit die Arbeit wieder aufnahm.

Worum geht es uns?

Ist aus dem „Fall Johnson“, der ein „Fall Kesten“ wurde, jetzt ein „Fall Brentano“ geworden?Ach – eigentlich sind all diese „Fälle“ der eine gleiche Fall, und die Frage, die er uns stellt, heißt wie schon so oft; Wieviel ist uns die Möglichkeit der freien Meinungsäußerung wert? Heinrich von Brentano hat seinen Widerspruch gegen Uwe Johnsons Auffassungen von der Berliner Mauer aufrechterhalten, auch nachdem er Johnsons Worte so, wie sie wirklich in Mailand gesprochen worden sind, kennengelernt hatte.

Zum Lachen oder Weinen?

Der berühmte Raketenmann erzählt da, wie ein amerikanisches Team – (dabei schon will man auf Holz klopfen!) – sich von einem Trägerschiff, das den Mars umkreist, dem Planeten nähert, „in elegantem Bogen“ – (man beachte „elegant“, den Technologen fällt doch immer das mot juste ein).

1963

„Die würden Freitag bestimmt dabei sein, in solchen Fällen ist unsere Post fast so zuverlässig wie früher. Ich finde es ja wunderbar, daß sie überhaupt noch kommt.

Brentano, Brecht, Horst Wessel und Johnson

Wenn das deutsche Volk in der Welt weniger als das Volk der Dichter und Denker, sondern eher als das „der Richter und Henker“ (Karl Kraus) gilt, so ist das nicht zuletzt darauf zurückzuführen, daß in diesem Land die Machthaber mit besonderer Vorliebe eben die Dichter und Denker bekämpft und verfolgt haben oder zumindest bemüht waren, sie zu diskreditieren und zu beleidigen oder, wenn es nicht anders ging, zu ignorieren.

Ein kritischer Querschnitt

Die Provokation ist Günter Graß voll und ganz gelungen: Selten las man ein so langweiliges Buch. Die „unerhörte Begebenheit“.

Mein Bild

In meinem Leben sind eine Menge Bilder an mir vorübergezogen, quer durch die gesamte Kitsch- und Kunstgeschichte – Bilder, die sich, immer wandelten, die abnahmen, zunahmen, modern und unmodern wurden wie die eigene Zeit – und doch hielt keines all dieser Bilder den Vergleich mit der eigenen Zeit aus.

Bayern im Grunde

Weil Bayern in Deutschland liegt, und weil alles, was Deutschland angeht, auch Bayern betrifft, gibt es im Grunde keine isolierten bayrischen Fragen.

Maillol ohne Smoking

Eine große Anzahl üppiger und runder Göttinnen hat sich in der Hamburger Kunsthalle niedergelassen. Sie kommen aus Paris und den entferntesten Ländern, wo sie jetzt zu Hause sind, um sich hier (im Kunstverein) einmal wiederzusehen.

Zeitmosaik

Das Schauspiel „Zeit der Schuldlosen“ von Siegfried Lenz, von Gustaf Gründgens im Hamburger Schauspielhaus uraufgeführt, steht in dieser Spielzeit noch auf dem Spielplan von acht deutschen Bühnen.

Universalgeschichte der Niedertracht

Jorge Luis Borges, grand old man der argentinischen Literatur, ist erst spät, als Sechzigjähriger, in das Blickfeld der deutschen Leserschaft getreten.

Literarische Kammermusik

Die große Tradition der französischen Novellistik hat heute einen ihrer hervorragendsten Vertreter in André Maurois, dem geistvollen Analytiker des modernen Menschen und seiner Position innerhalb der gesellschaftlichen Bindungen.

Weltgeschichte im Reisebuch

Cerams „Götter, Gräber und Gelehrte“ hat mancherlei Folgen gehabt: Die neue Kategorie des „Sachbuchs“ wurde etabliert, die Archäologie verbreitete sich als Hobby, der Vordere Orient wurde populär.

Das Bild der Würdigen

Es steht unter Goethes Mahnung: „Halte das Bild der Würdigen fest!“ Paul Schneider hat Nachrufe und Gedenkreden versammelt, die ersten, unmittelbarsten, die bei ihrem Hinweggang den Dichtern gewidmet wurden.

Schatten über Südamerika

Der amerikanische Journalistensenior Walter Lippman hat einmal, als es um die Freiheit der Meinungsbildung ging und um alles, was fragwürdig daran sei, lapidar so formuliert: Niemand könne heute unsere Welt; vielfältig und kompliziert, wie sie ist, noch mit der eigenen Anschauung bewältigen.

Zu empfehlen

FÜR Leser mit kunsthistorischen Neigungen und Sinn für kultiviertes Wohnen (zum Beispiel für alle, die glauben, Chippendale zu besitzen) Florens Deuchler: „Vom schönen Wohnen“, mit 39 Zeichnungen von Marguerite Leenhardt und 160 Abb.

„Ein arrivierter Mann“

Daß es den Italienern gelingt, im Alltag des kleinen Mannes die reizendsten Komödienstoffe aufzuspüren und dazu noch sympathisch zu verarbeiten, ist uns bereits vom Film her bekannt.

Film

„Barbara“ (Deutschland; Verleih: Ufa Film Hansa): 1936, vor seiner Emigration, filmte Frank Wisbar „Fährmann Maria“, ein Schicksalsdrama voll nordischer Mythenseligkeit.

Leichtfertig verschenkte Chance

In seiner hochherzig-angestrengten Bemühung: Weltstadt, Metropole zu sein und sich trotz der Mauer als solche zu erweisen, holt Berlin seit einiger Zeit wöchentlich einen Dichter in den größten Saal der Stadt, und zwar keinen von der betulichen oder fleißig-unbotmäßigen heimischen Art, sondern einen der großen Neuerer des Auslands, einen der Schöpfer des roman nouveau, einen der Provokateure des absurden Theaters, einen der lyrischen Stenographen des technischen Zeitalters.

Theater

Deutsche Bühnen bemühen sich, Pariser Beispielen folgend, bei besonderen Anlässen bildende Künstler als Bühnenbildner zu gewinnen.

Kapital zeigt wenig USA-Begeisterung

Die starke Zunahme des Zahlungsbilanz-Defizits war durch zwei Hauptfaktoren bedingt; die ungünstige Entwicklung der Handelsbilanz und den Rückgang der ausländischen Investierungen in den Vereinigten Staaten.

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